FUSSBALL
Gegen alle Zweifler
Schönenbach – Der SV Schönenbach hat den Aufstieg in die Landesliga geschafft. Matthias Siebertz sieht sich allen Zweiflern gegenüber bestätigt, die richtigen Entscheidungen getroffen zu haben - OA sprach mit dem SVS-Sportchef über die vergangene Bezirksligasaison.
Von Thomas Giesen
Eigentlich wollte Matthias Siebertz in dem Gespräch zu diesem Rückblick noch einmal mächtig Dampf ablassen. Auch einen Vorschlag für eine Überschrift hatte sich der Sportliche Leiter des SV Schönenbach bereits einfallen lassen: „Die schlechteste Bezirksligamannschaft Deutschlands ist aufgestiegen“, sollte über dem Text stehen. „Alles was ich sagen wollte, steht bereits auf dem Aufstiegs-T-Shirt, das wir drucken lassen haben. Zweifler gab es an allen Ecken und Enden. Unser Kader sei zu klein und die Mannschaft zu schlecht. Das hat mich alles nicht interessiert. Das Ergebnis hat jeder gesehen“, erklärt Siebertz. „Ihr habt gezweifelt, wir haben geliefert“, ließ er auf die Hemdchen flocken und drückte damit wohl die eigene Genugtuung aus.
Das Bedürfnis, verbal noch einmal einen rauszuhauen, war mit einigem Abstand zum Saisonfinale allerdings verflogen. Und so ganz ohne Selbstzweifel war man dann wohl auch nicht in die vierte Bezirksligaspielzeit seit dem Aufstieg aus dem Kreisoberhaus gegangen. Nach der Trennung von Coach Taner Durdu, wenige Spieltage vor dem Ende der Vorsaison, bemühte man sich zwar um einen neuen Trainer, fand aber keine passende Lösung, sodass man das Wagnis einging, mit Torwart Frederik Löhe und Innenverteidiger Sven Wurm – beide mit ordentlich Erfahrung aus dem Profibereich – als spielendes Trainerteam in die neue Spielzeit zu starten. Siebertz stellte sich derweil als Blitzableiter in die erste Reihe. „Die Mannschaft war von der Kadergröße und der Qualität deutlich besser als die der letzten Saison. Dass man ohne Dellen durch die Spielzeit gehen würde, war nicht zu erwarten. Zeig' mir eine Mannschaft, die das in der Vergangenheit geschafft hat. Ich muss es den Spielern auch hoch anrechnen, dass sie unseren Weg mitgegangen sind.“
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[Trainer Wolfgang Müller (rechts) und sein Assistent Leo Hima führten die Schönenbacher im Saisonendspurt zum Bezirksligatitel.]
Die ersten Wochen verliefen mehr als vielversprechend. Zehn Siege in Folge feierten die Schönenbacher und machten sich damit zum Topfavoriten auf den Meistertitel, ehe der Heiligenhauser SV die Serie beendete. Ein Tor in der Nachspielzeit besiegelte die erste Saisonniederlage, just bevor die Begegnungen mit den Topteams der Liga anstanden. Gegen die Rheindörfer Nord gaben die Schönenbacher einen Sieg aus der Hand – erneut durch einen Gegentreffer in der Nachspielzeit – Pleiten gegen die Aufstiegskonkurrenten Deutz 05 und Südwest Köln folgten, ehe man sich mit einem 4:2-Erfolg gegen das Kellerkind Schwarz-Weiß Köln in die Winterpause rettete. Nach dem Jahreswechsel musste der SVS gleich die nächste Niederlage einstecken. Gegen Bergfried Leverkusen unterlagen die Schönenbacher mit 1:2 und die Alarmglocken schrillten in maximaler Lautstärke. Erneut lief man Gefahr, den langersehnten Aufstieg in die Landesliga zu verpassen.
„Wir sind nach der Enttäuschung im Vorjahr natürlich klar mit dem Ziel in die Saison gegangen, aufzusteigen. Welches Ziel sollten wir sonst haben? Ich wollte das nach außen nur nicht kommunizieren, denn das ist ja schon einmal in die Hose gegangen“, erklärt Siebertz. Die Maßnahmen, die die Sportliche Leitung ergriff, sahen allerdings sehr deutlich danach aus, als wolle man mit der Brechstange den Ligawechsel erzwingen. Spätestens nach der 0:5-Klatsche gegen Jan Wellem wurde Siebertz die Situation zu heikel. Er beschloss, Löhe und Wurm aus der Verantwortung zu nehmen und installierte für den Schlussspurt mit Wolfgang Müller einen erfahrenen Trainer, der mit seinem Assistenten Leo Hima an den entscheidenden Stellschrauben drehen sollte. Und der Plan ging auf.
Fünf Siege gelangen, dabei schlug man die direkte Konkurrenz der Rheindörfer und Deutzer und machte einen Spieltag vor dem Saisonende mit einem klaren 4:1-Erfolg gegen Südwest die Meisterschaft perfekt. „Wir haben am Ende des Tages erreicht, was wir uns gewünscht haben. Wenn man am Ende ganz oben steht, kann man nicht alles falsch gemacht haben. Wir hatten unsere Schwankungen, aber wir hatten zeitweise auch nur elf Feldspieler und einen Torwart zur Verfügung. Am Ende können die Jungs stolz sein, auf das, was sie erreicht haben. Ich muss Freddy und Sven auch meinen größten Respekt aussprechen, wie sie die Mannschaft durch die Saison geführt haben. Es war eine schwierige Aufgabe, Spieler und Trainer gleichzeitig zu sein. Mein Dank gilt auch Wolfgang Müller und Leo Hima, die uns in der Endphase den Weg geebnet haben. Für alle war das eine sehr lehrreiche Saison. Jetzt schauen wir mal, was wir in der Landesliga erreichen können“, so Siebertz.
Die Zweifler werden voraussichtlich aber nicht verstummen. Schon bevor die Vorbereitung unter dem neuen Coach Torsten Reisewitz begonnen hat, gibt es ausreichend Anlass zu Spekulationen, wohin die Reise der Schönenbacher gehen wird. „Wir machen weiter, nur anders“, kommentiert Siebertz die neuesten Entwicklungen. Der zahlungskräftigste Geldgeber will nämlich seine Unterstützung einstellen. Mal sehen, ob Siebertz im Verlauf der nächsten Spielzeit wieder das Bedürfnis verspürt, Dampf abzulassen.