KULTUR

Nu süh ens aan! - Mitreißende Mundart-Schauspielkunst

us; 05.06.2026, 07:00 Uhr
Fotos: Ute Sommer ---- Nach der gelungenen Prémière genießt das Ensemble, samt Souffleuse Meike Breinig (2.v.l.) und Regisseur Norbert Lenzhölzer (9.v.l.) den Beifall des Publikums.
KULTUR

Nu süh ens aan! - Mitreißende Mundart-Schauspielkunst

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us; 05.06.2026, 07:00 Uhr
Lindlar - Mit einer witzigen Theaterburleske bot die St. Reinoldus Steinhauergilde „bäuerliche“ Bühnenunterhaltung im ländlichen Ambiente des LVR-Museums.

Von Ute Sommer

 

„Wir sind picke packe voll“, lautete der Kommentar am Einlass. Kein Wunder, dass die Zehntscheune des Lindlarer LVR-Museums schon bei der ersten der drei geplanten Theatervorstellungen am Donnerstag, aus allen Nähten platzte. Denn wie in Bayreuth die legendären Festspiele, zählen in Lindlar die Theateraufführungen der St. Reinoldus Steinhauergilde seit Jahrzehnten zum integralen Bestandteil des Gemeinde-Kulturkalenders.

 

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Von allen Mitbürgern gespannt erwartet, bringt die Theatergruppe jeweils im Januar im Rahmen des traditionellen Reinoldusfestes rasante Schwänke oder Komödien, an Fronleichnam ein Mundartstück in „Lenkeler Platt“ auf die Bühne. Seit Gründung des Vereins im Jahr 1706 fühlen sich die Mitglieder der St. Reinoldus Steinhauergilde als „stille Helfer“ der Unterstützung Bedürftiger aus der Gemeinde Lindlar verpflichtet. Ein Ziel, das auch nach mehr als dreihundert Jahren, unter derzeitigem Vorsitz von Matthias Blumberg, immer noch zur Vereins-DNA gehört.

 

Am Donnerstag stand, zum Vergnügen des zahlreich erschienen Publikums, auf dem Gelände des LVR-Freilichtmuseums das komödiantische Verwirrspiel „Nu süh ens aan!“, aus der Feder von Bernhard Dahl auf dem Programm. Unter Regie von Norbert Lenzhölzer inszenierte das achtköpfige Ensemble, plus Souffleuse Meike Breinig, die wendungsreichen Turbulenzen auf dem Bauernhof von Jungbauer Martin (Daniel Ditger-Quabach) und dessen Mutter Gretchen (Mechthild Neuenhaus), die sich, finanziell abgebrannt, in aussichtsloser Lage befinden.

 

[Möhren als Wohnwagen, Äpfel als Zelte: Die schräge Billa (r. Sabine Bülow-Quabach) veranschaulicht Gretchen (Mechthild Neuenhaus) den projektierten Campingplatz.]

 

Plötzlich schneit der angebliche Ministeriale Dr. Otto Wagner (Josef Wolff) aus Berlin mit der Lösung des Dilemmas herein und „et Resi uss Immekeppel“ (Greta Ditger- Quabach) strandet mit einer Fahrradpanne auf dem Hof. Als vermeintliche Camper getarnt suchen Hauptkommissar Wilhelm Klein (Stefan Blumberg) „uss Wipperfürth“ und Inspektorin Anna ( Laura Peters) einen Stellplatz im Grünen und die irrlichternde Nachbarin Billa (Sabine Bülow-Quabach) setzt dem eskalierenden Durcheinander die Krone auf.

 

Unschlüssig, ob im eskalierenden Chaos die Rettung in der Not naht oder die Fremden doch etwas im Schilde führen, bewahrt der kauzige Knecht Johann (Georg Höller) kühlen Kopf und sorgt für das Happy End, in dem der Hof gerettet, der Gauner bestraft und zwei Hochzeiten gefeiert werden können. Eigentlich ein Glücksfall, dass die Open-Air-Vorstellungen ob des wechselhaften Wetters in die Zehntscheune verlegt worden waren, die sich mit einfachsten Requisiten wie Tisch, Bank, „Schaff“ und Stühlen als authentische Kulisse einer bäuerlichen Stube präsentierte.

 

[Die Kombination aus schrulligen Figuren und wortwitzigen Dialogen sorgte für schauspielerisches Amüsement in der Zehntscheune.]

 

Mit bewundernswerter Körperpräsenz, Mimik und jeder Menge Wortwitz hauchte das achtköpfige Laien-Ensemble den jeweiligen Figuren glaubwürdige Charaktere ein, die zwischen himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt und zum Brüllen komisch changierten. Nach 70 Minuten wundervoller Schauspielkunst von „Nu süh ens aan!“ brachte das Publikum seine Begeisterung mit tosendem Applaus und Bravo-Rufen zum Ausdruck und legte während der sich anschließenden Hutsammlung kräftig für den guten Zweck zusammen.

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