BLAULICHT

Die Geschädigten sind ausgewandert

ls; 10.06.2021, 11:20 Uhr
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BLAULICHT

Die Geschädigten sind ausgewandert

ls; 10.06.2021, 11:20 Uhr
Gummersbach - Wegen Schutzgelderpressung in einer Wiehler Pizzeria musste sich Abdullah S. vor dem Amtsgericht verantworten - Verfahren wegen fehlender Zeugen eingestellt.

Abdullah S. (Anm. der Red.: Name geändert), soll im August 2020 mit weiteren Beteiligten versucht haben, 120.000 Euro Schutzgeld von den damaligen Inhabern  einer Wiehler Pizzeria zu erpressen. Dabei soll es auch zu einer körperlichen Auseinandersetzung gekommen sein. Dafür musste sich S. heute vor dem Gummersbacher Schöffengericht unter dem Vorsitz von Ulrich Neef verantworten. Zur Verlesung der Anklageschrift kam es aber erst gar nicht.

 

Die beiden Geschädigten waren als Zeugen geladen, aber nicht erschienen. Das wunderte den Strafrichter nicht: „Im April hatten beide dem Gericht telefonisch mitgeteilt, dass sie durch Corona alles verloren haben und deswegen nicht zur Verhandlung erscheinen werden.“ Sie seien nach Sizilien ausgewandert. Die Aufforderung des Gerichts, dass man die Pflicht zur Teilnahme habe, wurde ignoriert. Ein von der Staatsanwaltschaft gefordertes Ordnungsgeld wurde abgelehnt, da die Zeugen an eine unbekannte Adresse verzogen sind.

 

Der Angeklagte wurde 2019 vom Landgericht Köln wegen gefährlicher Körperverletzung bereits zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zwei Monaten verurteilt, das jetzige Delikt wiegt laut Neef weniger schwer. Da es sich zudem um ein Vergehen und eben kein Verbrechen im juristischen Sinne handelt, wurde das Verfahren eingestellt. „Die Geschädigten haben offensichtlich kein Interesse an einer weiteren Strafverfolgung, das Gesetz bietet in einem solchen Fall die Möglichkeit der Verfahrenseinstellung“, begründete Neef.


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