FUSSBALL

Es wird Zeit für den Abpfiff

lo; 06.04.2021, 13:00 Uhr
FUSSBALL

Es wird Zeit für den Abpfiff

lo; 06.04.2021, 13:00 Uhr
Oberberg - Die Amateurfußballverbände in NRW sollten ihre zögerliche Haltung zu einem Saisonabbruch ablegen und Fakten schaffen - Ein regulärer Meisterschaftsbetrieb wird bis auf Weiteres nicht möglich sein.

Während die Infektionszahlen und Inzidenzwerte steigen oder auf hohem Niveau stagnieren, hoffen die Verantwortlichen der Fußballverbände Mittelrhein (FVM), Niederrhein und Westfalen offenbar auf ein Wunder: Dass der Kontaktsport zeitnah, überall und ohne Einschränkungen freigegeben wird.

 

Zur Erinnerung: Das höchste der Gefühle ist momentan, dass Kinder und Jugendliche im Alter bis 14 Jahren in 20er-Gruppen trainieren dürfen. In Regionen mit einer höheren Inzidenz sind es maximal zehn. Woanders, wie zum Beispiel im Oberbergischen Kreis, ist es bloß zwei Personen aus unterschiedlichen Haushalten gestattet, unter freiem Himmel gemeinsam Sport zu treiben oder zu trainieren. Einzelne Kommunen haben sogar beschlossen, dass die Sportplätze bis auf Weiteres geschlossen bleiben.

 

Der Korridor, der dem FVM zur Verfügung steht, wird schmaler und schmaler, schließlich soll der Restart spätestens in der ersten Mai-Hälfte erfolgen. Und erst gestern hat NRW-Ministerpräsident Armin Laschet Überlegungen zu einem härteren Lockdown ins Spiel gebracht, selbst die kleinsten Öffnungsschritte wären in diesem Fall für einige Wochen vom Tisch. 

 

Warum kein genereller Abbruch mit sofortiger Wirkung? Die Problematik liegt darin, dass laut Statuten jede Spielklasse einzeln zu betrachten ist. Und es existieren große Unterschiede bei der Zahl der Partien, die noch auszutragen sind, um eine Wertung herbeizuführen. In gewissen Ligen könnte die Mindestgrenze von 50 Prozent der Begegnungen erreicht werden, um Auf- und Absteiger zu ermitteln. In anderen (größeren) Staffeln ist die Marke weitaus schwieriger zu erreichen.   

 

Zu welchen Verwerfungen dies führen würde, zeigt ein Exempel: In der Landesliga Staffel 1 sind 15 Mannschaften vertreten. Sollte es hier zu einer Wertung kommen, in der übergeordneten Mittelrheinliga (17 Mannschaften) und der untergeordneten Bezirksliga Staffel 1 (18 Mannschaften) aber nicht, gingen nächste Saison - bei einem Aufsteiger und zwei Absteigern – in der Landesliga Staffel 1 lediglich zwölf Teams an den Start. Die Mittelrhein- und Bezirksliga würden hingegen weiter aufgebläht.   

 

Nach jetzigem Stand führen die Fußballverbände in Nordrhein-Westfalen im Wettlauf gegen die Zeit einen aussichtslosen Kampf. Amateurfußball unter Wettkampfbedingungen mit uneingeschränktem Trainings- und Spielbetrieb wird es in Nordrhein-Westfalen auch Mitte Mai nicht geben.

 

Die Funktionäre müssen der Realität ins Auge blicken und Planungssicherheit für die Vereine schaffen – ohne Flickschusterei mit Insellösungen, sondern mit einem flächendeckenden Abbruch und einer Annullierung in sämtlichen Staffeln. Gewinner und Verlierer beziehungsweise Härtefälle gibt es in solchen Ausnahmesituationen immer. Das sollte allen Beteiligten schon vor Beginn der nun seit mehr als fünf Monaten unterbrochenen Saison bewusst gewesen sein.

 

Über den Wiedereinstieg ins aktive Geschehen kann man dann nachdenken, sobald es die Pandemielage erlaubt. Bis dahin werden wahrscheinlich noch zwei Monate ins Land ziehen und viele Fragestellungen auftauchen. Unter anderem hinsichtlich der Koordinierung und Finanzierung der unzähligen Schnelltests, die vor der Teilnahme an einer Trainingseinheit oder einem Spiel für die Akteure verpflichtend sind.    

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