GUMMERSBACH
Festivalfeeling im Gummersbacher Stadtgarten
Gummersbach - Einen bunten Markt der Vielfalt und Demokratie, gepaart mit einem Musikfestival unter dem Motto „Love Music, Hate Fascism“, feierte der Kultur*Konter Oberberg e.V. mit Hunderten Besuchern am Samstag im Zentrum der Kreisstadt.
Von Astrid Deckers
Alljährlich wird am 23. Mai der Tag des Grundgesetzes bundesweit gefeiert. Für den Oberbergischen Kreis organisierten die Aktiven vom Kultur*Konter Oberberg unter dem Motto „Love Music, Hate Fascism“ Aktionen, Stände und ein Bühnenprogramm nunmehr zum vierten Mal ein besonderes Happening für alle am Themengebiet Interessierten. Netzwerke und Vereine wie „Oberberg ist bunt, nicht braun“, „Oberberg steht auf gegen Rechts“, migrantische Selbstorganisationen wie die Alevitische Gemeinde oder auch Künstler und Kulturakteure aus dem Oberberg boten an ihren Ständen den Besuchern die Möglichkeit zum Austausch und auch Informationen über Beteiligungsmöglichkeiten, um die Demokratie im Land zu fördern und Widerstand gegen Ausgrenzung zu leisten.
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[Sabine (3. v. re.) und Brigitte (re.) hatten mit ihren Mitstreiterinnen von „Omas gegen Rechts“ viele Angebote für Jung und Alt mitgebracht.]
Mit einem stark frequentierten Infostand und einer bejubelten Bühnenrede präsentierten sich beispielsweise die „Omas gegen Rechts“ auf dem Event. Für die knapp 30 Aktivistinnen der Regionalgruppe Oberberg, die alle zwischen 60 und 75 Jahren alt sind, stellte Brigitte auf der Bühne klar, wofür die Omas stehen. Neben Vielfalt und Toleranz sind dies insbesondere die demokratischen Werte und deren Erhaltung, die im Grundgesetz verankert sind. So ist es den Omas beispielsweise wichtig, Rassismus nicht als Problemlöser, sondern als Haltung die Probleme schafft, zu erkennen und zu diskutieren, ohne zu diffamieren.
Gleichzeitig boten sie den Festivalgästen die Möglichkeit an ihrem Stand eine Unterschrift unter dem Appell „AfD-Verbot“ zu leisten. Gemeinsam mit ihrer Mitaktivistin Sabine berichtete sie stolz über die vielfältigen Beteiligungsformen in der Gruppierung. Vom Strickkreis, über Vorlesegruppen und Demo- und CSD-Teilnahmen – die Omas bieten ein breites Beteiligungsspektrum. Das Märchen von Schneeweißchen und Rosenrot erzählte Oma-Mitglied Erika Khaliji allen Kindern in ihrem Märchenzelt in einem ruhigeren Teil des Stadtgarten Areals und zahlreiche Kinder lauschten ihrem Vortrag.
Mit einer Delegation aus dem Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) der TH Köln, Campus Gummersbach, waren auch junge Menschen mit einem Stand vor Ort, um sich und ihre Organisation zu positionieren. Teresa Lencz, stellvertretende Vorsitzende des AStA, berichtete über die bereits vorhanden Unterstützungs- und Beratungsmöglichkeiten für Studierende, die in Sprechstunden bei jeglichen Problemen Unterstützung und Beratung erhalten würden. Dabei könne es sich auch um inklusionspädagogische, sprachliche Barrieren oder Ausgrenzung handeln. Der AStA lebe demokratische Werte und beziehe eine klare Position gegen rechts und Diskriminierung. Neben Beratungen, werden auch Filmabende und Vorträge angeboten. Aktuell unterstützt der AStA aktiv die Kampagne „Schüler gegen die Wehrpflicht“.
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[Björn, Teresa, Liam und Matthias vom AStA waren stellvertretend für zahlreiche AStA-Mitglieder von der TH Köln und dem Campus Gummersbach angereist.]
Gleich fünf Bands hatte der Kultur*Konter für den Event verpflichten können und bei aller Bandbreite der präsentierten Musikstile (von Folk über Pop bis zum Punk), eines war allen Musikacts gemein, die klare Position gegen Rechts. Fantechnisch bildeten „Bratsche“ aus Wermelskirchen dabei ein Highlight. Am Vatertag vor einer Woche hatten Gitarrist Levi Dombrowski und seine Begleitungen Alex Schaaf und Sandra Hoffmann auf einer Wanderung die Idee, einen Bus zu mieten und zum Auftritt der Band in Gummersbach alle Interessierten einzuladen. Binnen drei Tagen waren alle Mitfahrgelegenheiten vergeben und der Bus voll. Vom Jugendzentrum Wermelskirchen bis zur Nachbarschaft, die Bandmitglieder Isaac Diaz und Jenni Skrapec (beide Gesang), Jan Heumann (Gitarre), Tobi Wittmann (Cajon), Iris Heimann (Geige) und Axel Tillmanns am Kontrabass rockten die Aue des Gummersbacher Stadtgartens und hatten quasi ein Heimspiel bei so viel Unterstützung.
Auf Initiative des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier wurde am Samstag nicht nur der Tag des Grundgesetzes, sondern auch erstmalig der Tag des Ehrenamts begangen. Ab sofort sollen beide Tage jährlich gemeinsam am 23. Mai gefeiert werden. Mit Saimira Luka war eine Person im Stadtgarten vor Ort, die beide Ehrentage wie niemand anders verkörperte. Gemeinsam mit ihrem Mann ist Luka 2014 aus Albanien nach Deutschland gekommen. Die völlig andere und ihr fremde Kultur lernten beide mit der Unterstützung von Ehrenamtlern kennen und lieben. Die Sozialpädagogin fand schnell beruflichen Anschluss und nimmt nach der Geburt ihrer beiden Kinder eine Teilzeitbeschäftigung wahr.
Seit vielen Jahren organisiert sie sich ehrenamtlich, um das, was ihr an Deutschland so wichtig ist, zu fördern und für die damit einhergehenden Werte einzustehen. Nachdem sie im Jahr 2024 und 2025 beruflich am Festival teilgenommen hatte, war sie am Samstag mit einem eigenen privaten Stand vertreten. Freundinnen von ihr haben Muscheln am Meer zwischen Italien und Albanien gesammelt und ihr überlassen, so dass sie den Kindern der Veranstaltung anbot, kostenlos Muscheln und Steine zu bemalen. Die Kinder zeigten sich völlig begeistert und alle Kreativplätze am Stand waren zumeist vergeben, da die Kinder intensiv diese „Insel der Ruhe“ aufsuchten.
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[Saimira Luka begleitet Besucherkind Stella beim Bemalen der Muschel und Bekleben mit Glitzersteinen aus ihrem privaten Fundus.]
Völlig zufrieden mit dem Ablauf von Markt und Festival zeigte sich dann auch Barbara Nosbach vom Orgateam des Kultur*Konters. Die friedliche Stimmung und die hohe Anzahl an Besuchern rechtfertige das Sicherheitskonzept, dass unter anderem erstmalig um Betonblöcke im Zufahrtsweg ergänzt werden musste. Durch die Bereitstellung eines „Awareness Points“ wäre ein weiterer Sicherheitsakzent gesetzt worden. Ein solcher Punkt stellt eine geschützte Anlaufstelle bei Veranstaltungen, Festivals oder im öffentlichen Raum dar. Dort erhalten Besucher von geschultem Personal sofortige Hilfe und einen sicheren Rückzugsort, falls sie Diskriminierung, Belästigung oder Gewalt erfahren haben.
Die hohe Besucherzahl an jungen Menschen, aber auch die Kombination aus „alten“ und neuen Infoständen, zeige den Bedarf an Veranstaltungen dieser Art, so Nosbach. Dem Verein selbst sei es eine Herzensangelegenheit jungen Menschen zu zeigen, wie man ohne Hass und Vorurteile in die Welt gehen könne. Dass Veranstaltungen für Offenheit und Vielfalt auch in Oberberg ihre Berechtigung haben, bewies eine Begegnung, über die Teresa Lencz (AStA) erzählte. Ein Mann sei an ihren Stand gekommen und habe gesagt: „Ich bin Christ und habe nichts gegen lesbische Frauen, also Frauen – die Frauen lieben. Aber schwule Männer… das geht gar nicht.“

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