LOKALMIX

Hausärzte fordern weniger Impf-Bürokratie

lw; 07.04.2021, 10:51 Uhr
Symbolfoto: x3 auf Pixabay
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Hausärzte fordern weniger Impf-Bürokratie

lw; 07.04.2021, 10:51 Uhr
Oberberg – Nachfrage nach Impfterminen aus Sonderkontingent über Osterfeiertage groß – Hausarztpraxen impfen ab heute – 79-Jährige können Hotline nutzen (AKTUALISIERT).

Von Lars Weber

 

Ins Impfgeschehen ist seit dem Wochenende ordentlich Bewegung gekommen. Von Samstag bis heute Morgen war es Ü60-Jährigen möglich, an einen Impftermin mit AstraZeneca zu kommen. Rund 450.000 Dosen gab es landesweit, für den Oberbergischen Kreis waren 6.770 Dosen des Sonderkontingents reserviert. Außerdem beliefern Apotheken seit heute Hausarztpraxen mit Impfstoff – wenn auch zunächst nur in kleinen Mengen. Und nicht zuletzt können die 79-Jährigen sich ab sofort Termine im Impfzentrum buchen. Ein Überblick.

 

Großer Ansturm auf Impftermine

 

Wer ab Samstag versuchte, sich einen der wenigen Termine im Impfzentrum zu sichern, um das Sonderkontingent des Landes zu nutzen, brauchte bisweilen viel Geduld. Das Portal der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein stellte die Interessenten vor einige Herausforderungen. Kein Wunder: Etwa 450.000 Dosen gab es für einen „Kandidatenkreis“ der Ü60-Jährigen von vier Millionen. Laut KV wurden allein bis Samstagabend 100 Millionen Zugriffe auf der Seite verzeichnet. Die Terminvergabe lief bis Dienstagmorgen, im Oberbergischen wurden alle angebotenen Termine abgerufen.

 

Die ersten Oberberger, die sich über das Sonderkontingent Termine gemacht hatten, seien bereits am Montag geimpft worden, teilt Dr. Johannes Schlechtingen, Medizinischer Leiter des Impfzentrums Gummersbach, auf Nachfrage mit. Die zusätzlichen Termine, die Impfstofflieferungen und der Beginn der Terminvergabe bei den Ü70-Jährigen führt dazu, dass das Impfzentrum den Betrieb ausbaut. So wird diese Woche Mittwoch, Freitag und Samstag von 10 bis 20 Uhr geimpft, ab nächster Woche werde täglich von 8 bis 20 Uhr im Zwei-Schicht-System mit doppeltem Personal gearbeitet.

 

Impfstoffmenge nur ein Problem

 

Dr. Johannes Schlechtingen wartete gegen Mittag bereits auf die erste Impfstoff-Lieferung – zunächst wird Biontech ausgegeben – für seine Praxis in Waldbröl. „Die ersten Patienten sind für heute Abend einbestellt.“ Rund 20 Impfdosen erwarten die Hausärzte jeweils für die erste Woche. „Ich hoffe, dass sich dies schnell erhöht“, so Dr. Schlechtingen. Angekündigt wurde die Steigerung zumindest durch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

 

Dass die Ankündigungen eingehalten werden, hofft auch Dr. Ralph Krolewski, Vorsitzender des Hausärzteverbands Oberberg. Immerhin bekommen die Praxen schon jetzt eine kleine Starthilfe. Vom Impfzentrum verteilt der Kreis zusätzliche Dosen von AstraZeneca an Hausärzte, die anfragen. Eine Information sei heute Morgen an die Praxen rausgegangen. Die etwa 1.000 Dosen gehören zu dem Sonderkontingent des Landes, die von der Terminstelle nicht vergeben wurden. Generell, so Krolewski weiter, seien in den Praxen bis zu 100 Impfungen pro Woche und etwa 48.000 im Monat drin, sagt Krolewski – den nötigen Impfstoff natürlich vorausgesetzt.

 

Allerdings geht der Mediziner davon aus, dass ab Mai oder Juni weniger die Impfstofflieferung ein Problem bei der Bekämpfung der Pandemie sei. Er sieht dann zwei andere Schwierigkeiten: Zum einen die für Impfungen zur Verfügung stehenden Räume. Dabei kritisiert Krolewski, dass es Ärzten nicht erlaubt ist, beispielsweise in Turnhallen größere Impfstellen zu schaffen. Denn die Behandlungszimmer in den Praxen sind endlich, zumal durch die geforderte Beobachtungszeit von 15 bis 30 Minuten nach der Spritze viele Praxen einen Raum nur für die Corona-Impfungen blocken müssen – und das im laufenden Betrieb. Zum anderen könne die Impfbereitschaft der Bevölkerung die Impfungen ausbremsen. Deshalb benötige es dringend auch eine regionale Impfkampagne, die bis in die Praxen hineinreicht.

 

Terminvergabe bei Praxen nicht standardisiert

 

Die Hausärzte müssen sich an die Impfreihenfolge halten. Besonders chronisch Kranke oder Menschen mit schweren Vorerkrankungen werden dort zunächst zum Zug kommen. Ob die Ärzte aber die entsprechenden Patienten direkt ansprechen oder die Patienten selbst aktiv werden müssen, ist jedem Mediziner überlassen. Krolewski selbst habe eine Liste mit 400 Patienten auf Abruf vorliegen. Andere Kollegen würden dies ähnlich handhaben, bei manchen Praxen sei eine Anfrage aber auch online möglich. Die Impfverordnung gibt im Zweifel Auskunft darüber, ob sich ein Anruf beim Arzt schon lohnt.

 

Während die Impfung selbst die Ärzte vor keine großen Herausforderungen stelle, sei dies in Sachen Papierkram anders. „Es benötigt neun Unterschriften pro Vorgang. Das ist ein bürokratischer Overkill, die Kollegen sind sauer“, sagt Krolewski, weshalb der Hausärzteverband fordert, die notwendige Bürokratie zu entschlacken.

 

Ü70-Jährige dürfen sich impfen lassen

 

Seit heute Morgen haben zunächst 79-jährige Bürger die Möglichkeit, über die Hotline 0800/ 116 117 01 oder die Internetseite der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein einen Termin für eine Impfung gegen das Coronavirus zu vereinbaren. Die Impfungen finden im Impfzentrum in Gummersbach und laut KV mit dem Impfstoff von Biontech statt. Im Rahmen der Terminbuchung eines Impfberechtigen werde es möglich sein, auch den Lebenspartner für eine "Paar-Impfung" anzumelden. Eine Altersbegrenzung für diesen bestehe nicht, das heißt der Lebenspartner selbst muss nicht über 70 Jahre alt sein. Ab wann die weiteren 1940er-Jahrgänge an die Reihe kommen, ist unklar. Die KV teilte auf Nachfrage mit, dass dies hauptsächlich von der Menge der zur Verfügung stehenden Impfstoffe abhinge. Einen genauen Zeitpunkt konnte der Sprecher nicht nennen.

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