MEINUNG

Piksende Grundrechte

bv; 27.07.2021, 11:15 Uhr
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Piksende Grundrechte

bv; 27.07.2021, 11:15 Uhr
Oberberg – Wie die Diskussion über die Corona-Virus-Impfung gesellschaftliches Miteinander beeinträchtigt.

Diese Frage wird auch in Oberberg im Rahmen zahlreicher privater Gespräche heiß diskutiert: Wie viel Impfen muss künftig sein? Und wie geht eine Mehrheitsgesellschaft mit denen um, die sich nicht impfen lassen wollen? Für die einen ist die Sache klar: Zweimal gepikst, Freiheiten zurückerhalten und sich selbst vor den schlimmsten Folgen einer Corona-Virus-Erkrankung geschützt. Andere wiederum tun sich mit einer Impfung schwer und warten aus unterschiedlichen Gründen noch ab. Die Geimpften (wie auch der Handel und die Wirtschaft insgesamt) befürchten, aufgrund wieder ansteigender Inzidenzzahlen in Kürze erneut Freiheiten zu verlieren bzw. geschäftsmäßig eingeschränkt zu werden. Das ist der ideale Nährboden für Unmut, der gesellschaftliche Riss ist programmiert. Wie hältst du es mit der Impfung – das ist der neue Empörungsmaßstab eines Gemeinwesens, das in den vergangenen anderthalb Jahren durch Corona in seinen Grundfesten erschüttert wurde.

 

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Zunächst zu den Fakten: Das Corona-Virus ist nach wie vor eine Realität - schon muss man sich auch in der Region aufgrund steigender Inzidenzzahlen aus Gründen der Nachverfolgung wieder registrieren lassen. Eine Impfpflicht soll es nicht geben, sagt die Politik. Unklar bleibt, ob dies für alle Berufsgruppen gilt und ob Mitarbeiter in Krankenhäusern oder Pflegeinrichtungen zur Impfung verpflichtet werden können. Von einer Impfpflicht durch die Hintertür ist die Rede, von einer Ungleichbehandlung, von Diskriminierung. Dabei stehen die Verantwortlichen des Staates vor einer schwierigen, aber notwendigen Güterabwägung. Die individuelle Selbstbestimmung jedes Menschen ist schließlich grundgesetzlich verankert. Sie stößt aber dann an Grenzen, wenn staatlicherseits Gesundheit und Leben aller Menschen im Land geschützt werden müssen.

 

Insofern werden Ungeimpfte auch weiterhin ihre Überzeugung leben dürfen, müssen dann aber auch mit festgelegten Grenzen zurechtkommen. Die Einschränkung der Grundrechte von Geimpften und Genesenen ist jedenfalls künftig nicht mehr gerechtfertigt, wenn es gleichzeitig für alle Menschen Impfmöglichkeiten gibt, diese aber nicht genutzt werden. Konzertveranstalter, Friseure und Restaurant-Besitzer entscheiden zudem selbst, wem sie eine Karte verkaufen oder wen sie bedienen. Allzu weit weg sind wir demzufolge nicht mehr von einer Situation, dass wir vor dem nächsten Haarschnitt oder einem leckeren Essen den Impfausweis vorlegen müssen, denn Schnelltests bieten keinesfalls die gleiche Sicherheit.