OBERBERGISCHER KREIS

Nur die schlechte Stimmung hat Konjunktur

Red; 19.02.2026, 14:36 Uhr
Symbolfoto: THAM YUAN YUAN auf Pixabay
OBERBERGISCHER KREIS

Nur die schlechte Stimmung hat Konjunktur

Red; 19.02.2026, 14:36 Uhr
Oberberg – IHK befragte erneut die Unternehmen in der Region – Deren Lagebewertung fällt durchwachsen bis düster aus.

Zum Jahresbeginn bleibt die wirtschaftliche Lage im Bezirk der Industrie- und Handelskammer zu Köln unverändert schwierig, so das Fazit des aktuellen Konjunkturberichts. Nur noch zwölf Prozent der Unternehmen glauben, dass sich ihre Lage in den nächsten zwölf Monaten spürbar verbessern wird. Der IHK-Konjunkturklimaindikator liegt bei 89,3 Punkte und stagniert seit mehreren Umfragen auf diesem niedrigen Niveau. Erst bei einem Indikatorwert von über 100 Punkten ist mit wirtschaftlichem Wachstum zu rechnen. Die Unternehmen warten mit zunehmendem Unmut auf die vielfach versprochenen Reformen und Maßnahmen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland.

 

Da diese immer noch nicht absehbar sind, stufen mehr als die Hälfte (51,1 Prozent) der Unternehmen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als Risiko ein. „Die Wirtschaft steckt in der Krise fest“, sagt Dr. Uwe Vetterlein, Hauptgeschäftsführer der IHK Köln. „Die Unternehmen warten vergeblich auf Entlastungen, Planungssicherheit und klare Reformen. Die Arbeitskosten sind zum zweitgrößten Risiko vorgerückt. Aufträge aus dem In- und Ausland bleiben aus, die Auslastung sinkt und Investitionen werden verschoben oder in wirtschaftlich attraktivere Länder verlagert. Die De-Industrialisierung schreitet weiter voran. Das wirkt sich zunehmend auch auf den Arbeitsmarkt aus. Gerade in der Industrie werden Jobs abgebaut. Es ist jetzt wirklich höchste Zeit zu handeln.“

 

Die Geschäftslage verharrt bereits zum fünften Mal in Folge im negativen Bereich. Drei von zehn Unternehmen bewerten ihre Lage als schlecht, weniger als ein Viertel spricht von einer guten Situation. Auch der Blick nach vorne bleibt düster: Lediglich zwölf Prozent der Betriebe rechnen mit einer Verbesserung, während mehr als jedes vierte Unternehmen eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage befürchtet.

 

Besonders kritisch ist die Situation weiterhin in der Industrie. Das Konjunkturklima bleibt tief im roten Bereich. 41 Prozent der Industriebetriebe berichten von einer schlechten Geschäftslage, lediglich 14 Prozent von einer guten. Die Kapazitätsauslastung ist erneut gesunken und liegt mit derzeit 70,4 Prozent nur hauchdünn über dem Corona-Niveau (70,0 im Quartal III/2020), aber deutlich unter dem langjährigen Mittel (ca. 78 Prozent). Mehr als jedes zehnte Industrieunternehmen meldet sogar eine Auslastung von unter 50 Prozent. Auch die Auftragseingänge bleiben schwach: Über die Hälfte der Betriebe verzeichnet rückläufige Bestellungen. Die Exporterwartungen bleiben entsprechend pessimistisch.

 

Die Investitionsbereitschaft der Unternehmen bleibt insgesamt niedrig. Mehr als ein Drittel der Unternehmen plant geringere Investitionen, nur jedes vierte eine Ausweitung. Investiert wird vor allem in Ersatzbedarf und Rationalisierung – Kapazitätserweiterungen spielen weiterhin nur eine untergeordnete Rolle.

 

Die schwache Konjunktur schlägt sich zunehmend auf dem Arbeitsmarkt nieder. Mehr als ein Viertel der Unternehmen plant einen Stellenabbau, lediglich 13 Prozent wollen zusätzliche Arbeitsplätze schaffen.

 

Als größtes Risiko nennen die Unternehmen die schwache Inlandsnachfrage (62 Prozent). Dahinter folgen die hohen Arbeitskosten (57 Prozent) sowie die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (51 Prozent). Auch Energie- und Rohstoffpreise sowie geopolitische Unsicherheiten belasten die Unternehmen weiterhin.

 

Einzig der Dienstleistungssektor trotz weiterhin dem Negativtrend aus dem Industrie- und Handelsbereich. Die Unternehmen im Kammerbezirk profitieren davon, dass der Dienstleistungssektor trotz globaler Unsicherheiten weiter expandiert. Versicherer, Beratungen und Gesundheitsdienstleister seien laut IHK – anders als Industrie und Handel – weniger von den aktuellen internationalen Handelsrisiken und rückläufigen Exporten betroffen.

 

Auch bei den Unternehmen im Oberbergischen Kreis hat sich die Lage weiter eingetrübt. 42 Prozent melden eine schlechte Geschäftslage, nur 16 Prozent eine gute. Die Investitionsbereitschaft bleibt tief im negativen Bereich, ein Drittel der Unternehmen plant einen Stellenabbau. Die größten Risiken sehen die Unternehmen in der Inlandsnachfrage (69 Prozent), den Arbeitskosten (66 Prozent) und den Energie- und Rohstoffpreisen (52 Prozent).

WERBUNG

WERBUNG