WIEHL
Johannes der Apostel erstrahlt in der Bunten Kirche
Wiehl - Ein besonderes Schauspiel wird es am 24. Juni, dem Johannistag, in der Marienhagener Kirche zu bewundern geben - Die Sonne illuminiert ein Fresko - Andacht beginnt um 17:30 Uhr.
Horst Rau sieht dem Johannistag am 24. Juni mit Vorfreunde entgegen: Dann erstrahlt abends das Wandgemälde von Johannes der Apostel in der Bunten Kirche Marienhagen über dem Altar – bei entsprechender Witterung. Wenn zwischen 18 und 20 Uhr die Sonne scheint, wirft sie ihren Schein durch das Fenster über der Kanzel genau auf Johannes und strahlt ihn so an, dass die Figur zu leuchten beginnt. Die Freskenmaler der Kirche haben das Phänomen schon um das Jahr 1300 entdeckt und das Wandbild extra an dieser Position angebracht, damit er am Johannestag strahlen kann.
[Foto: Kirchenkreis An der Agger/Judith Thies --- Erwin Otto (v.li.), seit 1. Juni Pfarrer der Kirchengemeinde Marienhagen-Drespe, Horst Rau und Vakanzvertreter Michael Kunz.]
Das Phänomen ist vor wenigen Jahren zum ersten Mal aufgefallen. Zuletzt haben sich immer einige wenige Eingeweihte getroffen, um das Schauspiel zu bewundern. Zum ersten Mal lädt die Kirchengemeinde Marienhagen-Drespe in diesem Jahr offiziell zu einem Treffen mit Andachtsimpuls, los geht am Mittwoch um 17:30 Uhr. Rau: „Wir werden hier einfach zusammenkommen, Orgelmusik hören und den Johannes ansehen.“ Mit dabei sind auch der neue Pfarrer Erwin Otto und Michael Kunz, der ein Jahr lang die Gemeinde in der Zeit der Pfarrvakanz unterstützt hat.
Rau kennt sich aus mit der Kirchengeschichte im Gemeindeteil Marienhagen. Zusammen mit dem früheren Pfarrer und Superintendenten Jürgen Knabe hat er im November 2020 einen Kirchenführer geschrieben. In der Zeit ihrer Entstehung haben die Fresken, die nass in den Wandputz gemalt wurden, die Menschen zur Verehrung und Anbetung aufgerufen und ihnen die Bibel in Bildern verständlich gemacht, heißt es darin.
In der mittleren Ebene der Freskomalereien der Marienhagener Apsis ist die Apostelreihe abgebildet. Dabei haben die Maler die griechisch-byzantinische Ordnung gewählt, die aus acht Aposteln und den vier Evangelisten besteht. In dieser Ordnung ist der Apostel Johannes an der siebten Stelle dargestellt, so dass er am Johannistag - der eigentlich Johannes dem Täufer gewidmet ist - leuchten kann. In anderen kirchlichen Reihenfolgen steht Johannes der Jünger und Apostel an der vierten Stelle, also weiter links. Kunz: "Bemerkenswert bleibt für mich, dass die Reihenfolge der Figuren so gewählt wurde, das am Johannistag der Johannes erstrahlt."