BERGNEUSTADT

Windrad-Pläne: „Die Chancen stehen 50:50“

pn; 11.06.2026, 17:00 Uhr
Fotos: Michael Kleinjung ---- In Wörde erzeugt seit mehreren Jahrzehnten ein Windrad Strom. Auf der Sülemicke und am Beulberg sollen vier weitere, deutlich größere Anlagen, bis Ende 2030 entstehen.
BERGNEUSTADT

Windrad-Pläne: „Die Chancen stehen 50:50“

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pn; 11.06.2026, 17:00 Uhr
Bergneustadt – Viele Bürger kamen zum Informationsabend zur Windenergie in Bergneustadt – Der Projektierer, die ERG-Gruppe, stellte seine Pläne vor – Die Standpunkte von Befürwortern und Gegnern scheinen verhärtet.

Von Peter Notbohm

 

Der Andrang im Krawinkelsaal lässt keinen Zweifel: Das Thema Windenergie bewegt Bergneustadts Bürger. Der Beulberg und der Laubberg bieten Potenzial für bis zu sieben Windräder. Konkrete Pläne gibt es derzeit für vier Anlagen, die die italienische ERG-Gruppe dort errichten will. Eins auf den drei vorgesehenen Flächen am Beulberg sowie drei auf der deutlich größeren Fläche auf der Sülemicke. Bei den anderen beiden Vorrangzonen am Beulberg hat sich der Eigentümer noch nicht entschieden, ob er seine Grundstücke verpachten will.

 

Bergneustadts Verwaltung und Politik haben dabei aufgrund des Regionalplans und der gesetzlichen Vorgaben nahezu kein Mitspracherecht. Nur bei einer weiteren Fläche am Beulberg, die nicht im Regionalplan vorgesehen ist, hat der Stadtrat das Planungsrecht selbst in der Hand. Bürgermeister Matthias Thul (CDU) ist froh, dass der Projektierer die Bürger thematisch trotzdem mitnehmen will.

 

[Viele Bürger äußerten sich kritisch gegenüber den geplanten Windrädern.]

 

Rund 200 Einwohner nutzten am Mittwochabend die Gelegenheit, um sich bei einem Informationsabend aus erster Hand über den Stand des Verfahrens zu informieren. Philipp Scheerer und Glenn Wunsch von der ERG-Gruppe stellten sich nach einem allgemeinen Vortrag den zahlreichen Fragen, konnten aufgrund der frühen Planungsphase aber längst nicht jeden Bürger zufriedenstellen, auch weil die Fronten zwischen Befürwortern und Gegnern schon jetzt verhärtet erscheinen.

 

Für Kontroversen sorgt vor allem die Tatsache, dass die Windradanlagen fast 250 Meter hoch sein werden. Gegner befürchten durch den Bau neben massiven Eingriffen in die Natur auch Probleme beim Tierschutz. Nicht wenige Bürger sprechen von „Monster-Anlagen“, in deren Nähe sie nicht leben wollen, sei es wegen des Schattenwurfs oder aus Immissionsgründen. Mancher befürchtet einen Wertverlust der eigenen Immobilie. Vor dem Krawinkelsaal verteilte ein Gegner Handzettel mit einer nicht detailgetreuen Visualisierung und ruft zum Widerstand gegen das Projekt auf.

 

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Bürgermeister Thul (Foto) geht es in der Diskussion vor allem um Sachlichkeit. „Wir wollen frühzeitig und umfassend informieren“, sagt er zum Auftakt der Veranstaltung. Dabei gehe es ihm vor allem um Fakten, da angesichts der Kontroverse im Vorfeld viele Falschinformationen im Raum stehen würden. Auch er kritisiert das Verfahren, „weil die Stadt nicht eingebunden wird und nur Stellungnahmen abgeben kann“. Wichtig ist ihm: Selbst, wenn Bergneustadts Politik die Nachbarflächen nicht zur Bewirtschaftung der Anlagen freigibt, hieße das nicht, dass die Windräder nicht kommen, da nur die Grundstückseigentümer und der Projektierer die handelnden Akteure sind. Die Stadt würde damit gleichzeitig aber auch auf mögliche Einnahmen verzichten – immerhin im sechsstelligen Bereich.

 

Philipp Scheerer, Leiter Standortsicherung bei der ERG, betonte, dass man sich noch ganz am Anfang des Projektes befinde und spricht von „einer vorläufigen Planung“. Nicht einmal die genauen Standorte der Anlagen sind bislang festgezurrt, da man sich noch in der Grundstücksakquise befinde. Er sagt, dass es sich um keine Maximalplanung seitens des Unternehmens handle: „Andere Projektierer hätten mehr Anlagen in die Fläche gestellt.“ Da die ERG die Windräder vom Hersteller Vestas aber selbst betreiben will, setze sie vielmehr auf Effizienz und Langlebigkeit der Anlagen. 64.500 Megawattstunden sollen die vier Anlagen jährlich erzeugen und könnten damit rund 18.000 Haushalte versorgen.

 

[Philipp Scheerer wies mehrfach darauf hin, dass es sich derzeit nur um vorläufige Pläne handle, da mehrere Gutachten noch ausstehen.]

 

Erst nach dem Abschluss der Pachtverträge, der im Herbst erfolgen soll, werde man mit den naturschutzfachlichen Untersuchungen beginnen, die etwa ein Jahr andauern werden. Sollten hierbei beispielsweise Horste des streng geschützten Rotmilans gefunden werden, würde das deutlich größere Abstandflächen mit einem Radius von 1.500 Metern rund um die Anlage auslösen. Im Rahmen von zwei Bebauungsplanverfahren am Hackenberg und in Wiedenest wurden zuletzt keine Tiere festgestellt, weshalb man bei der ERG optimistisch ist. Sollte es Funde geben, müsste das Unternehmen umplanen und eine neuerliche Wirtschaftlichkeitsprüfung der einzelnen Anlagen durchführen.

 

Erst wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind und auch das technische Gutachten erstellt wurde, soll Ende 2027 das Genehmigungsverfahren angestoßen werden. Die Teilnahme an der EEG-Auktion ist für Anfang 2029 geplant. Die ersten Bagger könnten Anfang 2030 anrollen, mit einer Inbetriebnahme der Anlagen rechnet die ERG frühestens im Herbst 2030. Auch zu Fragen möglicher finanzieller Beteiligungen für Bürger und Stadt äußerte sich Scheerer ausführlich.

 

Auch politische Vertreter äußerten sich. Für die SPD bekundete Daniel Grütz, dass man für Windkraft sei, die Anlagen aber lieber selbst im Rahmen einer Energiegenossengeschaft gebaut hätte. Auch die Grünen befürworten die Windenergie. Ralf Siepermann erklärte, dass es innerhalb der CDU/FDP-Fraktion Gegner und Befürworter gebe. Für die UWG lehnte Jens-Holger Pütz die Pläne kategorisch ab. Vertreter der AfD und FWGB waren nicht anwesend. 

 

Die wichtigste Frage stellte ein Bürger erst ganz am Ende der über zweistündigen Veranstaltung. „Wie hoch ist die Chance, dass die jetzige Planung umgesetzt wird“, will er von den ERG-Vertretern wissen. „Stand jetzt 50:50. Die Anlage kann kommen, kann aber auch nicht“, antwortete ihm Scheerer. Das Unternehmen, das sich im Wettbewerb mit vier anderen Projektierern befindet, müsse sich zunächst einmal die Grundstücke sichern, bevor man sich mit anderen Fragen beschäftigen könne. Scheerer verspricht, dass es weitere Informationsveranstaltungen geben wird, sobald belastbare Informationen vorliegen.

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