BLAULICHT

„Die Täter werden immer professioneller“

lw; 03.03.2026, 16:33 Uhr
Symbolfoto: Steffen Salow from Pixabay
BLAULICHT

„Die Täter werden immer professioneller“

lw; 03.03.2026, 16:33 Uhr
Oberberg – Kriminalitätsstatistik für 2025 wurde vorgestellt – Oberberg wieder sicherster Landkreis - Weniger Straftaten insgesamt, aber mehr Betrugsdelikte und Fälle im Bereich Kinderpornografie.

Von Lars Weber

 

Der Oberbergische Kreis ist zum dritten Mal in Folge landesweit der sicherste Landkreis. Dies hat Landrat Klaus Grootens heute bei der Präsentation der Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2025 bekanntgegeben und die Polizei und auch die kommunalen Ordnungsämter ausdrücklich gelobt. Das heißt: Die Gefahr, in der Region Opfer einer Straftat zu werden, ist am geringsten in NRW. Dass dies trotzdem vorkommt, zeigten die Zahlen, die von Polizeichef David Clemens und Daniel Gehrke, Leiter der Direktion Kriminalität, vorgestellt wurden. Mit insgesamt 10.925 Fällen waren es 1,97 Prozent weniger als im Vorjahr (2024: 11.145). Mit der Aufklärungsquote von 59,56 Prozent belegt die Oberbergische Polizei den fünften Platz landesweit, wenngleich die Zahl auch sank (2024: 61,4 Prozent).

 

Der Großteil der 4.955 Tatverdächtigen waren Erwachsene (78,14 Prozent), der Anteil an Kindern (4,64), Jugendlichen (10,64) und Heranwachsenden (6,58) bliebe seit Jahren konstant. 1.243 Tatverdächtige waren keine Deutschen – auch diese Zahl zeigt sich in den vergangenen fünf Jahren konstant.

 

[Polizeichef David Clemens (v.li.), Landrat Klaus Grootens und Daniel Gehrke, Leiter der Direktion Kriminalität, stellten die Kriminalitätsstatistik vor.]

 

Grootens, Clemens und Gehrke gingen zunächst auf die positiven Trends in der Gesamtstatistik ein. So gab es im vergangenen Jahr weniger Raubdelikte (65 Fälle, acht weniger als im Vorjahr), weniger Körperverletzungen (144, 19 weniger), weniger Messerdelikte (63, sechs weniger) oder auch weniger Straßenkriminalität (-24 Prozent). Beispielsweise sank die Zahl der Taschendiebstahldelikte um 144 (Diebstahldelikte insgesamt: 3.262, fünf Prozent weniger als 2024). Demgegenüber stehen mehr Betrugsdelikte (1.279, +15 Prozent), von denen allein ein Drittel im Internet verübt wurden.

 

[Grafiken: Polizei OBK --- AQ bedeutet Aufklärungsquote.]

 

Zudem falle auf, dass besonders ältere Menschen Opfer von Betrügereien werden. Laut Kriminaloberkommissar Niclas Kremer werde der Enkeltrick inzwischen weniger genutzt als zum Beispiel der Schockanruf oder Betrügereien wie der falsche Polizeibeamte oder der falsche Bankmitarbeiter. Dass man Tatverdächtige fassen könnte wie im vergangenen Jahr im November im Wiehl, sei selten. Die meisten Täter der Banden sitzen im Ausland.

 

Einbruchskriminalität

 

 

Gesunken sind auch die Fallzahlen bei der Einbruchskriminalität, von 279 auf 243. Davon waren 167 Wohnungseinbrüche. Gehrke wies aber wie Grootens auch darauf hin, dass gerade das Sicherheitsgefühl der Opfer hier natürlich besonders leidet. Während man sich über die gesunkene Zahl der Einbrüche freut, gab es hier einen Knick bei der Aufklärungsquote, sie sank bei den Wohnungseinbrüchen von rund 22 Prozent auf knapp 9 Prozent. Ein Grund: „Die Täter werden immer professioneller“, so Gehrke. So hinterließen sie kaum noch Spuren am Tatort, sei es DNA oder Fingerabdrücke. Gleichzeitig nehme auch aufgrund der gestiegenen Zahl an Videoüberwachung die Beschaffungskriminalität ab. Die "Profis" störten sich aber wenig an diesen Hürden.

 

Gewaltdelikte

 

Hier steht mit 411 Fällen die niedrigste Zahl seit fünf Jahren, 86 weniger als im Vorjahr. Dies gelte auch für die Fallzahlen Raub sowie schwere und gefährliche Körperverletzung auf Straßen, Wegen und Plätzen, Kriminalität im öffentlichen Raum also (2025: 143, 2024: 162). An diesem Beispiel zeigt sich auch stellvertretend, dass die Kreisstadt Gummersbach als Tatort im Vergleich zu den anderen Kreiskommunen mit weniger Einwohnern eine „herausragende Rolle“ einnehme. Von den 143  Fällen passierten 60 in Gummersbach. In Bezug auf die Gesamtkriminalität kann man sagen: Rund 30 Prozent der Straftaten im Kreis wurden in der Kreisstadt verübt, was aufgrund des städtischen Charakters „nicht überraschend oder auffällig“ sei, so Grootens.

 

 

Straftaten gegen das Leben gab es fünf, davon eine fahrlässige Tötung. Bei zwei Taten handelte es sich um Versuche. Im Vergleich zum Vorjahr gab es zwei Fälle weniger. Die Aufklärungsquote von 100 Prozent zeige: Die Taten wurden im sozialen Umfeld verübt.

 

Sexualdelikte

 

Es gab weniger Fälle von Vergewaltigungen beziehungsweise sexueller Nötigung (28) sowie sexueller Belästigung (55). 26 Prozent Fallsteigerungen gab es aber bei der Verbreitung, dem Erwerb, Besitz und der Herstellung von Kinderpornografie. Von den 198 Fällen ging es bei fast der Hälfte um den Besitz oder das sich Verschaffen von Kinderpornografie (95). Um die die Herstellung mit oder ohne Verbreitungsabsicht ging es bei insgesamt fünf Fällen. „Die Entwicklung stimmt sorgenvoll“, so Landrat Grootens.

 

 

Im vergangenen Jahr sei extra für das Thema ein eigenes Kriminalkommissariat gegründet worden, wo IT-Experten die Polizisten unterstützten. Je mehr man suche, desto mehr findet man. Auch KI spiele inzwischen bei der Suche eine Rolle, die Entwicklung sei rasant. Die Polizei möchte aufklären und die Opfer schützen. Hier spielen auch mediale Kompetenzen bei Kinder und Jugendlichen eine Rolle, die explizite Fotos auch selbst teilten oder weiterleiten – und sich so strafbar machten. Die Zahlen beim sexuellen Missbrauch von Kindern stagnierten (2025: 59, 2024: 60). „Das ist ein schrecklicher Bereich. Wir wollen den Tätern das Handwerk legen“, sagte Gehrke. Die Aufklärungsquote sei in diesem Bereich mit 86,44 Prozent hoch.

 

Rauschgiftdelikte

 

Die Zahlen seien aufgrund der Cannabis-Legalisierung schwer einzuschätzen im Jahresvergleich. Seit 2021 haben diese sich halbiert (von 568 auf 237). Neben dem weiterhin verbotenen Verkauf von Cannabis sind es vor allem Delikte in Verbindung mit Amphetaminen (81), die im Kreis aufgedeckt werden.

 

Tätlicher Angriff, Widerstand auf Vollstreckungsbeamte

 

Die Zahlen stagnierten auf hohem Niveau (2025: 91, 2024: 94). Ob Angriffe gegen Polizisten oder Rettungskräfte oder die Feuerwehr: Gehrke könne diese Entwicklung nicht verstehen, auch wenn es sich bei den Tätern teils um Menschen mit Krankheiten oder Suchtgeschichten handele.

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