BLAULICHT
Bestmöglich trainieren: Neues Zentrum für die Polizei
Oberberg – NRW-Innenminister Herbert Reul kam zur Einweihung des Regionalen Trainingszentrums Südwestfalen nach Olpe – Mit AMOK-Halle, Schießbahnen, Klassenraum und Wohnungen – Kulissen zeigen Gummersbacher Innenstadt.
Kurz hinter der Grenze des Oberbergischen Kreises, unmittelbar an der Anschlussstelle Olpe der A 45, ist in den vergangenen Jahren etwas entstanden, das durchaus aus Novum bezeichnet werden kann. Nach der Grundsteinlegung im März 2024 und dem Richtfest im März 2025 ist das neue Regionale Trainingszentrum (RTZ) Südwestfalen vergangenen Woche Donnerstag offiziell eingeweiht worden. Genutzt wird das neue RTZ nicht nur von der Kreispolizeibehörde des Oberbergischen Kreises, die das Projekt auch planerisch begleitet hat, sondern auch von Polizisten und Polizistinnen aus dem Hochsauerlandkreis, dem Märkischen Kreis, Siegen-Wittgenstein und Olpe. Das Ziel: bestmöglich trainieren zu können.
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[Klaus Grootens (2. v. l.), Landrat des Oberbergischen Kreises, zusammen mit NRW-Innenminister Herbert Reul (3. v. l.).]
„Hier gibt es eigentlich nichts, was es nicht gibt, was es braucht, um üben zu können“, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul, der zu der Einweihungsfeier nach Olpe gekommen war. Auf dem 17.000 Quadratmeter großen Grundstück wurden fünf Gebäudemodule mit einer Fläche von 6.000 Quadratmetern gebaut. Neben einer Halle für AMOK-Trainingseinheiten gibt es dort unter anderem zwei Schießbahnen mit je 25 Metern, drei komplett eingerichtete Wohnungen, eine Gaststätte, eine Postfiliale, mehrere Mattenräume für das Trainieren von professionellen Eingriffstechniken sowie eine befahrbare Halle, in der diverse Kontrollsituationen mit Fahrzeugen simuliert werden können. Verbaut wurde außerdem eine ausgefeilte Ton- und Lichttechnik.
Landesweit sind insgesamt zwölf Regionale Trainingszentren geplant. „Sieben sind schon da, fünf sind noch in Vorbereitung“, sagte der Innenminister, der davon ausgeht, „dass wir noch bis Ende der 2020er Jahre brauchen, um die restlichen Einrichtungen zu realisieren“. Im vergangenen September ist das neue RTZ in Olpe in den Probe-Betrieb gestartet; seit dem 1. April läuft der Echt-Betrieb. Geleitet wird das Zentrum von Sven Kehrmann. Insgesamt sind in dem RTZ Südwestfalen 28 Einsatztrainer aus unterschiedlichen Polizeibehörden tätig. Fast 100 Polizistinnen und Polizisten können dort pro Tag trainieren, bis zu 48 zeitgleich. Am Tag gibt es zwei Durchgänge – einen in der Frühschicht, einen in der Spätschicht. Absolviert wird das Training im Dienstgruppenverband.
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[Bei einem Rundgang über das Gelände. Oben: die befahrbare Halle, in der Verkehrskontrollen geübt werden. Unten: eines von zahlreichen Graffitis, die im Bereich der Kneipe zu sehen sind.]
Bei der Gestaltung des RTZ wurde auf Details großen Wert gelegt. So sind beispielsweise in der AMOK-Halle Straßenbilder aus der Region zu sehen. Trainiert wird dort zwischen Kulissen, die etwa die Gummersbacher Steinmüllerallee zeigen, das 32 Süd, das Grammophon, die Parfümerie Gottmann oder auch die Pizzeria Pinocchio samt Schildern ehemaliger Majestäten des Gummersbacher Schützenvereins. Außerdem gibt es drei eingerichtete Wohnungen, eine Kneipe, eine Zelle, eine Poststelle, die früher tatsächlich in Wuppertal betrieben worden ist, eine Flüchtlingsunterkunft und ein Klassenzimmer, das zum Teil mit Möbeln einer ehemaligen Gummersbacher Schule bestückt worden ist.
Von Gewalttaten im öffentlichen Raum bis hin zu terroristischen Bedrohungslagen: Die Einsatzlagen der Polizei verändern sich, sagte Marc Leporin, Pressesprecher der oberbergischen Polizei. Umso wichtiger sei das Training mit realitätsnahen Szenarien, um so im Ernstfall professionell und sicher handeln zu können. „Wir haben schon mehrfach von Kollegen die Rückmeldung bekommen: ‚Man vergisst im Training, dass es eine Übung ist‘“, sagte Leporin. Wie oft Polizeibeamte im RTZ trainieren, hänge nicht zuletzt von ihrer Tätigkeit ab. Dabei gehöre zum Training nicht nur das Training an sich, sondern auch eine Auswertung und Nachbesprechung.
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[Die Kulissen zeigen unter anderem das Viadukt am Steinmüllergelände und die Pizzeria Pinocchio.]
Ein weiterer Vorteil des neuen RTZ ist die Zentralisierung. „Vorher hatten wir verschiedene Örtlichkeiten für verschiedene Trainings“, erklärte Leporin. Zuvor mussten die Beamten beispielsweise für das AMOK-Training nach Freudenberg fahren; im alten Dienstgebäude an der Karlstraße in Gummersbach konnten die Polizistinnen und Polizisten im Schießkino üben. Auch Klaus Grootens, Landrat des Oberbergischen Kreises, freute sich über das neue RTZ. Er ist davon überzeugt, dass sich die Einsatzkräfte dort optimal auf unterschiedliche Einsatzlagen vorbereiten können. Vor Ort war auch Polizeiseelsorger Norbert Schmitz. Er überreichte eine kleine Bronzeplakette, die an dem neuen RTZ montiert werden soll. Darauf abgebildet ist der Erzengel Michael, der Schutzpatron der Polizei.
Das Innenministerium Reuls hatte die Oberbergische Kreispolizeibehörde mit der Errichtung des RTZ beauftragt, nicht zuletzt aufgrund der guten Erfahrungen mit dem Neubau auf dem Steinmüllergelände. Hervorgehoben wurden dabei nicht zuletzt Vera Schmidt, Kreisverwaltungsdirektorin bei der oberbergischen Polizei, sowie Michael Schüttler, der mittlerweile pensioniert ist, aber als ehemaliger Leitungsstableiter ebenfalls dem Projektteam für den Bau den neuen RTZ angehörte. Bauherr und Vermieter des RTZ ist die Sideka aus Ibbenbüren, die an dem Standort in Olpe einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag investiert haben soll. Die Mietdauer wurde auf 25 Jahre mit einer Option auf weitere fünf Jahre festgelegt.
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[Einsatztrainer Niels Böhnke (r.) führte NRW-Innenminister Herbert Reul (l.) über das RTZ. Dabei zeigte er ihm unter anderem die eingerichteten Wohnungen (oben) sowie eine Schießanlage (unten).]
Für Vera Schmidt was das RTZ Südwestfalen das dritte Bauvorhaben, das sie für die Polizei NRW umsetzen durfte. Sie blickte mit gemischten Gefühlen auf den Abschluss des Projektes: freudig einerseits, „aber die Trauer schwelgt mit. Es war eine tolle Zeit während des Projektes – und die ist jetzt vorbei“. Das Projektteam habe unzählige Stunden in das RTZ investiert. Letztlich gehe es darum, mit dem RTZ den gestiegenen Anforderungen des Polizeidienstes gerecht zu werden. Auch Jochen Hagt, ehemaliger Landrat des Oberbergischen Kreises, war absolut zufrieden. Hagt hat den Bau des RTZ von Anfang an begleitet und in Auftrag gegeben. „Damals habe ich nicht erwartet, dass es so toll wird. Dafür fehlte die Fantasie“, sagte er. „Die Polizei wird in die Lage versetzt, sehr realistisch zu üben – damit Sicherheit gewonnen wird und damit die Polizistinnen und Polizisten sicher und gesund nach Hause kommen aus ihren Einsätzen. Das ist das Ziel der ganzen Sache.“