BLAULICHT

Falscher Bankmitarbeiter: Unschuldslamm oder doch Mittäter?

pn; 31.08.2026, 19:00 Uhr
Foto: Peter Notbohm ---- Wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs wird derzeit einem 37- und einem 40-Jährigen am Landgericht Köln der Prozess gemacht. Sie sollen den Abholer-Job im Rahmen der Betrugsmasche "falscher Bankmitarbeiter" in mehreren Fällen übernommen haben.
BLAULICHT

Falscher Bankmitarbeiter: Unschuldslamm oder doch Mittäter?

pn; 31.08.2026, 19:00 Uhr
Oberberg/Köln – Einer der beiden Angeklagten streitet jegliche Mittäterschaft an den Betrugsmasche ab – Eine Zeuge glaubt ihm nicht.

Von Peter Notbohm

 

Zwei arbeitslose Betrüger sollen sich als falsche Bankmitarbeiter ausgegeben haben, um so an das Geld von Senioren heranzukommen. Lange sind sie mit der Betrugsmasche allerdings nicht erfolgreich. Nach nicht einmal einem Monat werden die mutmaßlichen Täter im vergangenen November von der Polizei in Wiehl geschnappt und müssen sich inzwischen wegen gewerbsmäßigem Bandenbetrugs in vier bzw. in zwei Fällen vor der 23. Großen Strafkammer am Landgericht Köln verantworten. Die Opfer sind eine Frau aus Wissen (Rheinland-Pfalz) und drei Männer aus Morsbach, Overath und Wiehl – alle im Alter zwischen 85 und 89 Jahren.

 

Nachdem am ersten Prozesstag der Hauptangeklagte Murat S. (Anm.d.Red.: Alle Namen geändert) bereits ein Geständnis abgelegt hat (OA berichtete), äußerte sich nun am zweiten Verhandlungstag auch der Mitangeklagte Mehmet T. Der 40-Jährige stritt die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft allerdings weitgehend ab, wonach er bei den Vorfällen in Morsbach und Wiehl einen Tatbeitrag geleistet habe, indem er die Umgebung abgesichert habe, während sein Bekannter die Bankkarten, mit denen später hohe Summen von den Konten abgehoben wurden, bei den Senioren abgeholt habe.

 

Über seinen Verteidiger Darius Nahvipour erklärte er zudem, keinen Anteil von der Beute erhalten zu haben. Murat S. (37) hatte am ersten Prozesstag noch behauptet, seinem Bekannten insgesamt 100 Euro der rund 400 Euro, die sein Anteil an der Beute in Morsbach waren (die restlichen 1.100 Euro gingen an Hintermänner), abgegeben zu haben. Vielmehr stellte sich der Mann als Unschuldslamm dar, das sogar noch versucht habe, seinen Freund von den Taten abzuhalten und ihm mehrfach verdeutlich habe, dass er mit solchen kriminellen Machenschaften nichts zu tun haben wolle.

 

„Wie würdest Du dich fühlen, wenn jemand deine Oma abziehen würde“, will er geantwortet haben, als Murat S. ihm erzählt habe, dass er mit der Betrugsmasche einen Weg gefunden habe, um mit „einfach und schnell verdienten Geld“ seine Schulden zu tilgen. Mehrfach habe er versucht, ihn umzustimmen und ihm gesagt, dass er sich mit den falschen Leuten umgebe.

 

Überhaupt hat Mehmet T. vor Gericht für nahezu alles eine Erklärung. In Morsbach sei mit seinem Freund gewesen, weil er dort im Handyladen eines Bekannten nach einem neuen Gerät gesucht habe. Weil ihm die Handys zu teuer waren, habe er dann stattdessen über Kleinanzeigen spontan ein Gerät einer Frau aus Morsbach gekauft und das Gerät im Handyladen prüfen lassen. Murat S. habe diese Zeitspanne mutmaßlich dazu genutzt, seine Betrugsmasche durchzuziehen.

 

Dass die Ermittler beim 40-Jährigen die Handynummer von einem der Hintermänner eingespeichert gefunden haben, erklärt er damit, dass Murat S. sein Handy ab und an benutzt habe. Sucheinträge nach der Betrugsmasche „falscher Bankmitarbeiter“ begründet er mit seiner Neugier, nachdem ihm sein Freund davon berichtet hatte. Nach Wiehl habe er den Mitangeklagten begleitet, weil der ihm eine Geschichte aufgetischt habe, dass er dort seinen Ausweis als Pfand hinterlegt habe, weil er eine Tankrechnung nicht habe begleichen können. Murat S. habe ihm geschworen, nichts Illegales vorzuhaben.

 

Er habe von Anfang an ein schlechtes Gefühl gehabt, sich aber trotzdem überreden lassen, bekannte Mehmet T. vor Gericht. Seine Sorgen sollten sich nach einer Irrfahrt durch Wiehl schließlich bestätigen. Statt an einer Tankstelle soll Murat S. das Auto in einer Straße angehalten und gesagt haben, er sei in wenigen Minuten zurück. Als er seinen Freund wenig später vor der Polizei durch Gärten wegrennen sah, habe er selbst Panik bekommen, sich ans Steuer gesetzt und sei geflohen.

 

Die Kammer um den Vorsitzenden Richter Michael Greve hatte anschließend einige Nachfragen, insbesondere an Murat S., der aber bei seiner Einlassung vom ersten Prozesstag blieb. Mehmet T. habe genau gewusst, warum die beiden nach Morsbach und Wiehl gefahren seien. Er habe nicht alleine fahren wollen und in ihm eine psychologische Unterstützung gesehen, sagte er. Eine Rolle bei den Betrugstaten habe sein Freund aber nicht gespielt: „Ich brauchte jemanden, der mich begleitet, damit ich mental motivierter bin. Er wusste genau, was ich da tun werde und er war dabei, weil das Geld ihm auch schmeckt.“

 

Auch die Aussage des Besitzers des Morsbacher Handyladens entlastete den 40-Jährigen eher weniger. Am Tattag sei Mehmet T. maximal fünf Minuten in seinem Laden gewesen, um ihm ein Handy zu zeigen. Er sei gut mit dem Angeklagten, den er als „sehr hilfsbereit und zuvorkommend“ beschrieb, befreundet und wolle diesen auch nicht beschuldigen, sagte der Zeuge, „aber so wie er mir das erzählt hat, glaube ich ihm nicht, dass er nichts damit zu tun hat“.

 

Der Prozess wird fortgesetzt.

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