BLAULICHT
Mehr als 100 Wald- und Vegetationsbrände: Ein hitziger Sommer für die Feuerwehr
Oberberg – Im Ausschuss für Gesundheit und Notfallvorsorge zog Kreisbrandmeister Julian Seeger ein Fazit – Gute Erfahrungen mit neuer Technik.
Von Lars Weber
Die Feuerwehren im Oberbergischen Kreis müssen im Laufe der Sommermonate immer häufiger für Wald- und Vegetationsbrände ausrücken. Dieses Fazit hat Kreisbrandmeister Julian Seeger bei der aktuellen Sitzung des Ausschusses für Gesundheit und Notfallvorsorge gezogen. Seeger, zugleich Leiter des Amtes für Brand-, Zivil- und Katastrophenschutz, blickte auf die Zahlen und Ursachen sowie besondere Einsätze. Er gab zudem einen Sachstand über die Einrichtung des Katastrophenschutzlagers des Kreises.
Die Zahl an Vegetationsbränden erreichte mit 109 (Stand: bis 30. September) einen neuen Rekordwert in diesem Jahr. 2025 mussten die Feuerwehren 76 Mal ausrücken. Der Sommer 2024 war eher nass: Nur 27 Mal wurden die Einsatzkräfte gerufen zu Brandereignissen im Wald, auf Feldern oder Wiesen. 2023 waren es 41 Einsätze dieser Art. „Das war ein anspruchsvoller Sommer“, sagte Seeger. Die Dürreperioden nehmen immer mehr zu. Ein weiterer Faktor seien die Folgen in den oberbergischen Wäldern nach dem Borkenkäferbefall. Noch immer gibt es viele Kalamitätsflächen in den Wäldern und Totholz – das trockene Material brennt besonders schnell. Gleichzeitig mache die Aufforstung es den Einsatzkräften mancherorts schwerer, zu den Brandorten zu kommen, da inzwischen sehr viele neue Bäume bereits nachgepflanzt wurden.
In Erinnerung in diesem Jahr werden besonders die Tage Mitte August bleiben. Zunächst brannte es am 13. August in Lindlar. An der K 19 in der Nähe von Wolfsschlade standen rund zwei Hektar Wald in Flammen. 18 Stunden hatte der Einsatz in dem stark bewaldeten Gebiet gedauert, rund 200 Kräfte aus dem ganzen Kreis halfen dabei, das Feuer zu löschen. „Es ist nicht selbstverständlich, dass die überörtliche Kooperation so ausgezeichnet funktioniert!“ Dabei habe sich auch gezeigt, dass sich die Investitionen des Kreises in besondere Technik gelohnt haben. „Wir haben gute Erfahrungen gemacht.“ Im Einsatz war beispielsweise ein spezielles Waldbrandfahrzeug, das bei der Feuerwehr Marienheide stationiert und mit einem 4.000-Liter-Tank ausgestattet ist. Damit wurde Wasser im Pendelverkehr aus dem Idustriegebiet Klause Richtung Einsatzstelle gebracht.
Lange Zeit zum Verschnaufen hatten die Feuerwehrfrauen – und -männer aber nicht. „Wir waren gerade drei Stunden in Lindlar fertig, da bekam ich den Anruf von der Bezirksregierung.“ Zusammen mit Kräften aus Leverkusen und Rhein-Berg ging es direkt weiter zum riesigen Brandgeschehen im Hürtgenwald. 120 Einsatzkräfte aus dem Oberbergischen Kreis waren insgesamt für 28 Stunden vor Ort. „Wir sind natürlich zur Stelle, wenn ein Nachbar um Hilfe ruft, nur so funktioniert’s.“ Das Material, was bei dem Einsatz kaputtgegangen ist, wird ersetzt werden.
Kreisbrandmeister Seeger erinnerte zudem an Einsätze außerhalb des OBK in Gebhardshain (Überörtliche Unterstützung durch die Feuerwehr Waldbröl) und im Hohen Venn (Bereitstellung von 18 Kreisregnern für die Löscharbeiten aufgrund der geänderten Wetterlage und wiederaufflammenden Bodenfeuern).
Auf die Steigerung des Einsatzgeschehens werde der Kreis weiter reagieren. So soll 2028 das zweite Tanklöschfahrzeug, dieses Mal mit 3.000-Liter-Tank, folgen. Es soll in Gummersbach-Niederseßmar positioniert werden. „Wir wollen die Technik möglichst gut im Kreis verteilen.“ Darüber hinaus feilt die Feuerwehr weiter an einem einheitlichen Konzept für die Vegetationsbrandbekämpfung. Die Pläne gehen aber noch weiter: „Ziel ist eine kreisweit abgestimmte Gefahrenabwehr durch die Stärkung von kommunalen Strukturen und die effiziente Bündelung von Ressourcen.“
Das Katastrophenschutzlager füllt sich
Im Rahmen des Katastrophenschutzbedarfsplans hat der Kreis in zwei Hallen in Marienheide ein Katastrophenschutzlager eingerichtet, das sich seit Februar immer weiter gefüllt hat. Vorgehalten wird dort laut Seeger aktuell unter anderem Ausstattung zur Vegetationsbrandbekämpfung (zum Beispiel Faltbehälter für 15.000 Liter Wasser, Schlauchrucksäcke oder Löschrucksäcke), Material für Hochwasser und Starkregen (unter anderem ein rund 500 Meter langes Sandsackersatzsystem, zudem 50.000 nicht gefüllte Sandsäcke), Material für die Unterbringung und Betreuung unverletzt Betroffener (1.000 Feldbetten, 100 Festzeltgarnituren, Küchengeräte und Transportbehälter sowie Kinderspielzeug), außerdem Nützliches wie leere Europaletten, Bauzäune mit Sichtschutz, Trinkwasser oder auch Chemikalienschutzanzüge und Atemfilter. Weitere Anschaffungen werden noch folgen, zum Beispiel diverse Schmutzwasserpumpen oder auch tragbare Notstromaggregate.