BLAULICHT

Missbrauch über Snapchat und WhatsApp: Lindlarer (26) soll mehrere Mädchen manipuliert haben

pn; 01.07.2026, 15:35 Uhr
Foto: Peter Notbohm ---- Wegen Kindesmissbrauchs über soziale Dienst im Internet muss sich ein Lindlarer (hier mit seinem Verteidiger) vor dem Landgericht Köln verantworten.
BLAULICHT

Missbrauch über Snapchat und WhatsApp: Lindlarer (26) soll mehrere Mädchen manipuliert haben

pn; 01.07.2026, 15:35 Uhr
Lindlar/Köln – Prozessauftakt in Köln - Ein Mann aus Lindlar soll über soziale Dienste mehrere Kinder dazu gebracht haben, ihm von sich selbst angefertigte pornografische Inhalte zu übersenden.

Von Peter Notbohm

 

Geradezu stoisch verliest die Staatsanwältin die Chatverläufe aus Instagram, WhatsApp und Snapchat in ihrer Anklage. Der Angeklagte verzieht dabei nahezu keine Miene. Die Inhalte sind heftig und widerlich. Es geht um Bedrohungen, Nötigungen, Nacktfotos und Videos mit kinderpornografischem Inhalt.

 

Uemit S. (Anm.d.Red.: Name geändert) muss sich seit dieser Woche wegen Vergewaltigung in drei Fällen, sexuellen Missbrauchs von Kindern ohne Körperkontakt, Vorbereitung des sexuellen Missbrauchs von Kindern, Verbreiten pornographischer Inhalte, das Sichverschaffen kinder- und jugendpornographischer Inhalte in mehreren Fällen, Nötigung in mehreren Fällen und Beleidigung vor der 22. Großen Strafkammer am Landgericht Köln verantworten.

 

Ursprünglich sollte das Verfahren am Amtsgericht Wipperfürth verhandelt werden, wurde aufgrund der zu erwartenden Haftstrafe aber an das Landgericht übertragen. Konkret soll der Lindlarer (26), der seit dem 10. November 2025 in Untersuchungshaft sitzt, zwischen 2023 und dem August 2025 Kontakt zu mehreren minderjährigen Mädchen über soziale Dienste gesucht haben. Unter dem Einsatz psychischer Gewalt soll er sie dazu gedrängt haben, sexuelle Handlungen an sich vorzunehmen und davon Bilder und Videos anzufertigen. Mehrfach soll er sich dabei als Hacker ausgegeben und mit der Veröffentlichung komprimierender Dateien gedroht haben.

 

Insgesamt zehn Fälle mit vier Mädchen wirft die Staatsanwaltschaft dem Mann vor. Die Opfer waren bei der Kontaktaufnahme zwischen zwölf und 14 Jahre alt, gaben sich gegenüber dem Angeklagten teilweise aber auch älter aus. Nur eins der Mädchen reagierte richtig, blockierte den Lindlarer sofort und meldete den Vorfall. Mit einem anderen Mädchen soll Uemit S. sogar eine mehrmonatige Online-Beziehung geführt, auch mit ihr telefoniert haben. Von ihr sind die meisten Fotos und Videos mit explizitem Inhalt in der mehrere 100 Seiten dicken Anklageakte. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass der Lindlarer dabei ihre Abhängigkeit und seine Machtposition ausgenutzt hat.

 

Zum Prozessauftakt ist auch die Mutter von Uemit S. im Saal. Sie weint, als sie ihren Sohn erstmals wieder in die Arme schließen darf. Anschließend muss sie den Saal verlassen, da sie als Zeugin vorgesehen ist. Ihr Sohn legt kurz danach ein vollumfängliches Geständnis ab. Man wolle durch die lückenlose Einlassung verhindern, dass die Mädchen vor Gericht als Zeugen aussagen müssen, erklärt sein Verteidiger Wolf Dietrich Herkner.

 

Reue erkennt man in der richterlichen Befragung anschließend trotzdem nur selten bei dem jungen Mann. Er tritt sehr ruhig und zurückhaltend auf. Er könne sich nicht mehr daran erinnern, ist eine seiner häufigsten Antworten, wenn ihm die Vorsitzende Jennifer Otten Sätze aus den Chatverläufen vorliest. Manche Inhalte der Chats bezeichnet er als unlogisch, wenn er beispielsweise damit droht, dem Pferd eines der Mädchen etwas antun zu wollen. Man merkt in seinen Aussagen, dass er im inneren Zwiespalt ist, sich selbst sein Verhalten rational zu erklären, was er aber nicht kann.

 

Auch die Richterin stellt angesichts seiner ruhigen Art irgendwann fest: „Wenn ich Sie hier reden höre, kann man sich nur schwer vorstellen, dass sie das getan haben.“ Anhand der Chatverläufe habe man dagegen den Eindruck, dass Uemit S. gezielt Druck aufgebaut habe. Intensive Fragen stellt die Vorsitzende auch nach dem Motiv. Ihm sei es nicht um die Bilder und Videos gegangen, antwortet der Angeklagte, vielmehr um die Machtposition. „Ich wollte wissen, ob man auf mich hört“, sagt er und ergänzt: „Ich glaube, ich habe einfach den Hass weitergegeben, der mir zugefügt wurde.“

 

Was der Angeklagte damit meint: In seiner eigenen Kindheit seien er und seine Mutter häufig vom inzwischen verstorbenen Vater und später auch von seinem älteren Bruder geschlagen worden. Sein wegen Raubes vorbestrafter Bruder habe ihn stets herumkommandiert, verprügelt und zu „Sachen gezwungen, auf die ich nicht stolz war“. Im Raum steht unter anderem Drogenverkauf. Er habe sich nach Hilfe gesehnt, diese aber nie bekommen und vieles in sich reingefressen, sagt Uemit S.

 

Der Vorsitzenden ist das zu einfach. „Sie haben es ja nicht nur reingefressen, sondern auch an falscher Stelle rausgelassen. Mit ihren Opfern hat das ganz schön was gemacht!“, entgegnet sie ihm. Es ist auch nicht das erste Verfahren gegen Uemit S. Schon 2023 musste er sich wegen ähnlicher Vorwürfe, allerdings in deutlich geringerem Umfang, verantworten. Damals wurde das Verfahren aber noch vor Eröffnung der Hauptverhandlung am Amtsgericht Wipperfürth eingestellt.

 

Für den Prozess sind insgesamt fünf Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil wird für den 20. Juli erwartet.

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