BLAULICHT

Missbrauchsprozess: Psychiatrischer Gutachter hält Lindlarer (26) für voll schuldfähig

pn; 09.07.2026, 18:15 Uhr
Symbolfoto: Peter Notbohm.
BLAULICHT

Missbrauchsprozess: Psychiatrischer Gutachter hält Lindlarer (26) für voll schuldfähig

pn; 09.07.2026, 18:15 Uhr
Lindlar/Köln – Am Landgericht Köln äußerte sich der Experte auch zu den pädophilen Neigungen des Angeklagten, der mehrere Mädchen dazu gebracht haben soll, ihm von sich selbst angefertigte pornografische Inhalte zu übersenden.

Von Peter Notbohm

 

Im Verfahren gegen einen Lindlarer (26), dem die Staatsanwaltschaft Vergewaltigung in drei Fällen, sexuellen Missbrauch von Kindern ohne Körperkontakt, Vorbereitung des sexuellen Missbrauchs von Kindern, Verbreiten pornographischer Inhalte, das Sichverschaffen kinder- und jugendpornographischer Inhalte in mehreren Fällen, Nötigung in mehreren Fällen und Beleidigung vorwirft (OA berichtete) hat am Mittwoch ein psychiatrischer Sachverständiger ausgesagt.

 

Er hält Uemit S. (Anm.d.Red.: Name geändert) für voll schuldfähig. Weder könne er eine seelische Störung noch eine tiefgreifende Störung bei dem Angeklagten feststellen. Auch ein Intelligenzminderung sei nicht erkennbar. Vielmehr gebe es Anzeichen einer verzögerten Reife. Auch das strukturierte, geplante Handeln spreche gegen eine Schuldunfähigkeit.

 

Zu den möglichen pädophilen Neigungen des Lindlarers sagte er, dass diese sich zwar „nicht gänzlich ausschließen“ ließen, allerdings habe der Angeklagte seine Opfer, vier zwölf- bis 14-jährige Mädchen, eher nicht aus einer sexuellen Befriedigung heraus bedrängt, die Fotos und Videos zu erstellen, sondern habe vielmehr seine eigenen Aggressionen im virtuellen Raum durch Destruktivität und Verachtung ungehemmt ausgelebt. Er habe seine Opfer mit seinem Handeln entwerten und entwürdigen wollen.

 

Der Sachverständige sprach dabei von einer Art Stockholm-Syndrom: „Kinder und Jugendliche, die Zeuge von Gewalt werden, zeigen statistisch gesehen selbst viel häufiger aggressiven Tendenzen. Obwohl sie das Handeln ablehnen, verspüren sie einen Anreiz, selbst Druck auszuüben.“

 

Der Angeklagte hatte zum Prozessauftakt angegeben, in einem von Abwertung und Gewalt geprägten Haushalt aufgewachsen zu sein, aus dem nur seine liebevolle Mutter, der er immer beigestanden habe, eine positive Ausnahme gewesen sei. Der Psychiater sprach von einer „Teilidentifikation mit seinem älteren Bruder“. Gleichzeitig empfahl er Uemit S. eine Psychotherapie, mit der er „einen gesunden Umgang mit seiner Aggressivität“ lernen solle.

 

Der Prozess wird fortgesetzt.

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