ENGELSKIRCHEN

Ein „Geben und Nehmen“ gegen Einsamkeit und Wohnungsnot

jt; 16.10.2026, 17:00 Uhr
Fotos: Josephine Tscheliesnigg --- Susann Wilke und Jana Tzislakis feierten den ersten Geburtstag ihres Projekts „JA Wohnpartnerschaften“ mit einigen Besuchern.
ENGELSKIRCHEN

Ein „Geben und Nehmen“ gegen Einsamkeit und Wohnungsnot

jt; 16.10.2026, 17:00 Uhr
Engelskirchen – Das Projekt „JA Wohnpartnerschaften“ soll zu einem lebendigen Miteinander zwischen Jung und Alt beitragen – Die Idee: Wohnraum anbieten, Unterstützung und Gesellschaft bekommen.

Von Josephine Tscheliesnigg

 

Das Pionierprojekt „JA Wohnpartnerschaften“ in Engelskirchen im Alten Baumwolllager hat am Mittwoch seinen ersten Geburtstag gefeiert. Rund vierzig Gäste erschienen zu diesem Anlass, um zu Netzwerken und mehr über das Konzept zu erfahren.

 

[Bürgermeister Lukas Miebach gratuliert zum ersten Geburtstag des Pionierprojekts.]

 

Die Verantwortlichen Susann Wilke und Jana Tzislakis engagieren sich dafür, dass Wohnraumsuchende und Wohnraumanbietende zusammenfinden. Wie eine Partnerschaftsbörse halten sie Ausschau nach passenden „Wohn-Matches“, also Menschen, die zusammenpassen könnten. Das Besondere an ihrem Projekt: Die Suchenden „bezahlen“ den Wohnraum mit ihrer Unterstützung. „Die Idee ist einfach und überzeugend: Man bringt die Menschen, die Wohnraum suchen, mit denen zusammen, die Platz haben und sich Unterstützung oder Gesellschaft wünschen“, erläuterte Bürgermeister Lukas Miebach. Er ist großer Fan des Konzepts: „Es ist ein kreativer Ansatz zu Zeiten des angespannten Wohnungsmarktes, denn eine lebendige Gemeinde entsteht durch die Menschen, die füreinander Verantwortung übernehmen“.

 

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Ursprünglich stammt die Idee aus größeren Universitätsstädten und ist dort bereits viele Jahre unter dem Namen „Wohnen für Hilfe“ bekannt. Dass es mittlerweile jedoch auch auf dem Land großen Bedarf für solch einen Ansatz gibt, machte Krankenhausseelsorgerin Susanne Grabnitzki deutlich. „Viele suchen in der ländlichen Region bezahlbaren Wohnraum und es gibt hier einige ältere Bewohner, die sich einsam fühlen oder für die ihr Alltag zur Herausforderung wird.“ Genau dort soll angesetzt werden, denn sowohl Wohnraumgebende als auch -Suchende würden von solch einer Wohnpartnerschaft profitieren. „Wir haben alle unsere Stärken und Schwächen und es kann was Tolles draus entstehen, wenn man diese zusammenfügt“, so Wilke.

 

Wie funktioniert denn nun eine solche Partnerschaft? Ganz einfach: Die Kaltmiete entfällt für den „Mieter“ – stattdessen wird mit sogenannten Ersatzleistungen „bezahlt“. Zudem übernimmt er seine anfallenden Nebenkosten. Vorab wird geklärt, welche Unterstützung der Wohnraumanbietende benötigt. Im Fokus stehe dabei vor allem die Hilfe im Alltag, wie beispielsweise den Einkauf zu tätigen, im Haushalt oder im Garten zu unterstützen, gemeinsam zu kochen oder auch den Wohnpartner zu Terminen zu begleiten. Ausgeschlossen sind allerdings pflegerische Tätigkeiten.

 

Das Konzept solle viele Probleme beheben, so Tzislakis. Neben dem vorherrschenden Wohnraummangel gebe es positive Auswirkungen auf den Fachkräftemangel, die Sozialsysteme würden entlastet und die Vereinsamung reduziert. Doch dafür müssen sich auch genug Menschen finden, die ihren leerstehenden Wohnraum anbieten – denn genug Suchende gebe es definitiv, so die Projektkoordinatorin.

 

Viel sei in diesem ersten Jahr passiert, erzählt Wilke. Schon als der Startschuss für die Wohnpartnerschaften fiel, meldeten sich vierzig interessierte Bürger. Die beiden Frauen konnten dadurch schon 17 Besichtigungen vornehmen und hatten 15 Kennenlerntermine in ihrem Büro. Zwar gab es bislang noch keine erfolgreichen Vermittlungen, doch Wilke machte deutlich: „Es geht darum, mit nachhaltigen und langfristigen Herangehensweisen eine Partnerschaft zu implementieren – das braucht Zeit.“

 

[In der aufgebauten Galerie konnten Wohnraumangebote begutachtet werden.]

 

Bei ihrem Vorhaben werden sie von der Gemeinde Engelskirchen und den drei Kirchengemeinden unterstützt. Zudem erhielten sie von der Deutschen Fernsehlotterie eine Förderung – erstmal für drei Jahre. In den nächsten zwei Jahren wird also weiter genetzwerkt und versucht, für diese neue Art des Zusammenwohnens Aufmerksamkeit zu erregen. Susann Wilke ist zuversichtlich: „Wir haben die ersten Knospen entwickelt und jetzt schauen wir, wie es weitergeht.“ Bei diesem Projekt gehe es vor allem darum, mit einer guten Idee die Welt ein Stückchen besser zu machen – doch das sei auch abhängig von Bürgern, die mitmachen wollen. „Man sollte Vertrauen in diese neue Art des Wohnens haben und bereit sein, sich zu öffnen“, appellierte Wilke an die Zuhörer. Denn dann könne eine neue, lebendige Gemeinschaft entstehen.

 

Weitere Informationen finden sich hier.