ENGELSKIRCHEN

Stauanlage Osberghausen: Aggerverband reagiert auf Verfügung der Bezirksregierung

Red; 11.03.2026, 12:25 Uhr
Foto: Leif Schmittgen --- Wird es bald keinen Stausee in Osberghausen mehr geben?
ENGELSKIRCHEN

Stauanlage Osberghausen: Aggerverband reagiert auf Verfügung der Bezirksregierung

Red; 11.03.2026, 12:25 Uhr
Oberberg/Engelskirchen – Die Stauanlage in Osberghausen soll auf eine Anordnung der Bezirksregierung hin entleert und zurückgebaut werden – Aggerverband als Besitzer nimmt Stellung zum Verfahren – Artenprüfung und Bürgerversammlung geplant.

Der Aggerverband ist Eigentümer der Stauanlage Osberghausen an der Ortsgrenze Gummersbach/Engelskirchen. In den 1940er Jahren schlossen der Aggerverband mit dem RWE einen Vertrag über den Bau der Anlage. Dabei wurde festgelegt, dass der Aggerverband Eigentümer der Stauanlage wird und die damalige RWE eine eigene Wasserkraftanlage baut und betreibt. 1956 begann die Stromerzeugung. Das damalige Wasserrecht war seitens der Bezirksregierung auf 50 Jahre befristet worden. Nach Auslaufen bemühte sich der Aggerverband bis heute um eine wirksame Verlängerung des Wasserrechtes.

 

Aufgrund der sich veränderten Vorgaben ist eine einfache Verlängerung der Wasserrechtserlaubnis nicht mehr möglich. Vielmehr müssen die Belange des heutigen Ökosystems bei entsprechenden Entscheidungen hinreichende Berücksichtigung finden. Vor diesem Hintergrund ist aus Sicht des Verbandes auch die jetzige Ordnungsverfügung der Bezirksregierung Köln zu sehen, deren Inhalt im Wesentlichen darauf gerichtet ist, die Fischdurchgängigkeit der Agger an dieser Stelle wiederherzustellen.

 

So wurde unter anderem kurzfristig das sogenannte Abstauen des Stauinhaltes gefordert, ebenso sind die Fischereiberechtigten des Gewässers zu informieren. „Die Maßnahmen dürfen jedoch nur durchgeführt werden, wenn durch eine Fachexpertise festgestellt wird, dass derzeit noch keine geschützten seltene Vogelarten im Uferbereich brüten oder Amphibien laichen“, teilte der Aggerverband mit.

 

Aus diesem Grund wurde mit Dr. Gero Karthaus ein Experte beauftragt, entsprechende Untersuchungen durchzuführen. „Sollte […] Dr. Karthaus feststellen, dass durch die Maßnahme derzeit keine schützenswerten Vögel oder Amphibien betroffen sind, ist der Stauweiher abzustauen. Nur wenn bereits entsprechende Brut- oder Laichvorbereitungen erkennbar sind, kann der Abstau erst in der Zeit vom 1. September bis 30. November durchgeführt werden“, so der Aggerverband weiter.

 

Im Anschluss an diese Arbeiten soll laut Ordnungsverfügung der Bezirksregierung die Nutzungsanlage zurückgebaut werden. Hierfür hat der Verband eine Planung zur Prüfung und Genehmigung vorzulegen. Derzeit könne noch nicht gesagt werden, welchen Umfang ein solcher Rückbau haben würde. Auch wenn ein kurzfristiger Abstau erforderlich werden sollte, prüfen sowohl der Aggerverband als auch der bisherige Betreiber der Wasserkraftanlage zurzeit, ob die Ordnungsverfügung gerichtlich überprüft werden soll.

 

Unabhängig davon sei man der Meinung, dass auch das jetzige Ensemble eine kulturhistorische Bedeutung für Mensch und Tier und damit eine Daseinsberechtigung habe. Hier seien aus Sicht des Verbandes weitere Themen zu prüfen, zum Beispiel die Bedeutung für die Naherholung, die Bedeutung für den Hochwasserschutz, den die jetzige Art der Anlage bietet, und nicht zuletzt die Möglichkeit, Strom zu erzeugen.

 

Die BUND-Regionalgruppe Köln wertet die Entwicklung in einer Stellungnahme als Erfolg. „Durch die Ermöglichung des freien Flusses von Geschiebe und Sedimenten wird wieder ein intakter natürlicher Lebensraum geschaffen, von dem alle Lebewesen profitieren. Nach und nach wird sich hier eine Auen- und Uferlandschaft entwickeln, die insgesamt eine höhere ökologische Qualität haben wird, als es der bisherige verschlammte Stauteich je hatte“, sind die Naturschützer überzeugt. Die komplette Mitteilung des BUND ist hier zu finden.

 

„Der Aggerverband ist nach wie vor an einer sinnvollen Lösung all dieser Probleme interessiert. Die Lösung muss aber neben den ökologischen auch zum Beispiel die volkswirtschaftlichen Gesichtspunkte berücksichtigen. Es wird auch darauf ankommen, dass insbesondere die Bevölkerung der Ortslagen Engelskirchen-Osberghausen und -Oesinghausen einerseits und den Gummersbacher Stadtteilen Brunohl, Dieringhausen, Erbland, Schneppsiefen und Schönenberg andererseits, Prozesse mit unterstützt und begleitet“, teilt der Aggerverband abschließend mit.

 

In Kürze ist eine Bürgerversammlung geplant, zu der vermutlich noch vor Ostern eingeladen werden soll.

WERBUNG

WERBUNG