FUSSBALL

Erfolgreicher „Abschlusstanz“ nach sechs Jahren

jlo; 16.06.2026, 06:00 Uhr
Fotos: Dietmar Scherbaum, Jürgen Lorenz (2), privat (3) --- Die Erlösung: Nach dem 4:1-Sieg gegen Bröltal durfte Giovanni Bernardo mit seiner Mannschaft jubeln.
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Erfolgreicher „Abschlusstanz“ nach sechs Jahren

jlo; 16.06.2026, 06:00 Uhr
Wipperfürth – Der VfR Wipperfürth spielt nach einigen gescheiterten Anläufen wieder auf Verbandsebene – Trainer Giovanni Bernardo legt eine Fußballpause ein - OA bat den Coach zum Abschiedsgespräch.

Von Jürgen Lorenz

 

„Das war für mich heute der letzte Tanz. Jetzt mache ich erstmal eine Pause“, will sich der scheidende Trainer des VfR Wipperfürth, Giovanni Bernardo, eine Auszeit vom Fußball gönnen. „Ich habe hier sechs Jahre lang alles hineingeworfen und bin so richtig leer“, ergänzte der Meistertrainer unmittelbar nach dem Abpfiff des letzten Meisterschaftsspiels. Wer den Fußballenthusiasten, oder anders ausgedrückt: den absolut Fußballverrückten, kennt, nimmt ihm diese Worte natürlich nicht ab. Zu sehr steckt die Fußball-DNA in ihm drin, um diesen Abschied für bare Münze zu nehmen.

 

Allerdings steht die Entscheidung des 46-Jährigen über eine Woche nach dem finalen Akt der Saison weiterhin. Anfragen habe es genügend gegeben, sagte Bernardo. Von den Hansestädtern angefangen, die bis zuletzt noch auf einen Verbleib spekuliert hatten. „Allerdings gab es auch einige Kontaktaufnahmen von höherklassigen Vereinen. Das ehrt mich als Trainer und damit die Leistung meiner bisherigen Mannschaft, die ligaübergreifend nicht unbemerkt geblieben ist. Der Respekt tut gut. Aber ich höre wirklich auf“, sei hierbei der Beruf der ausschlaggebende Faktor.

 

[Kurz nach dem Abpfiff des letzten Spiels herrschte auch ein bisschen Wehmut beim scheidenden Trainer.]

 

Bernardo arbeitet seit zweieinhalb Jahren als Global Head of Sales Account Management Wires für eine Firma in Wien und ist dort für das globale Kabelgeschäft verantwortlich. Bislang hieß es daher jeden Montagmorgen in aller Herrgottsfrühe in den Flieger nach Österreich zu steigen. Am Mittwochabend oder Donnerstagmorgen ging es zurück nach Köln. Am Donnerstagabend stand er wenigstens für eine Trainingseinheit auf dem Platz, ebenso wie sonntags bei den Ligaspielen. In der übrigen Zeit hat der bisherige Co-Trainer Norbert Scheider, der zur kommenden Spielzeit das Amt des Chefcoachs übernimmt, Bernardo vertreten. „Das war schon immer sehr stressig und oft nicht leicht zu handeln“, will er daher das Tempo künftig etwas drosseln.

 

Mit der abgelaufenen Serie und dem damit verbundenen Meistertitel in der Kreisliga A war Bernardo zum (vorläufigen) Abschluss seiner Trainerzeit sehr zufrieden. Zuvor war der Übungsleiter mit seiner Mannschaft mehrfach knapp gescheitert. Besonders dramatisch ging es dabei im Vorjahr zu, als der Traum erst in einem echten Herzschlagfinale gegen den SV Frielingsdorf, trotz 71 Punkten und lediglich drei Saisonpleiten, jäh platzte. Daran hatte Bernardo einige Zeit zu knabbern, wie er zugibt. Vor der neuen Spielzeit ging dann noch die komplette Offensivabteilung verloren. Die Abgänge von Moritz Müller (FV Wiehl), Niklas Jung (SV Schönenbach) und Philipp Schmidt (SV Frielingsdorf) machten dem Übungsleiter zu schaffen.

 

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Doch es gelang ihm erneut, eine äußerst schlagkräftige Truppe aus dem Hut zu zaubern. „Außerdem haben wir eine Spielidee entwickelt, an die alle geglaubt haben.“ Auch die Dezimierung des Kaders durch die Langzeitausfälle Theo Kruschinski und Justin Chukwudi konnte den positiven Lauf der Hansestädter nicht stoppen. Am Ende der Hinrunde standen elf Siege, drei Unentschieden und eine Niederlage (0:1 gegen den TV Klaswipper) – und trotzdem nur Platz drei. „Das war alles fast wie gehabt“, erinnert sich Bernardo zurück. Allerdings wollten die Wipperfürther am Ende nicht wieder mit leeren Händen dastehen. „Und die Jungs haben geliefert“, schüttelt der Trainer immer noch etwas ungläubig mit dem Kopf. In allen 15 Rückrundenspielen ging der VfR als Sieger vom Platz und lieferte damit eine tadellose Serie ab. „Nach dem Rückrundenspiel in Lindlar (Anm. d. Red.: 4:1 am 19. Spieltag) wussten wir, dass wir es dieses Mal schaffen können“, habe die Mannschaft laut Bernardo ab diesem Zeitpunkt „einen Mix aus Hose voll und richtig Bock gespielt“ und sich einfach keinen Kopf mehr gemacht.

 

Ungeachtet der vielen klaren Resultate schwamm der Übungsleiter nicht immer auf der Euphoriewelle. So habe er stets versucht nachzujustieren. „Die guten Dinge beibehalten und die schlechten Dinge verbessern“, war seine Devise. „Ein Großteil der Jungs war aber auch genervt, dass sie trotz guter Ergebnisse kritisiert wurden.“ Er habe sehr viel von den Spielern gefordert, gibt Bernardo zu. „Aber die Jungs haben auch extrem viel gearbeitet und sich kontinuierlich weiterentwickelt. Da hat uns eine schlechte erste Halbzeit nicht aus der Bahn geworfen. Denn wir hatten nach der Pause meist immer noch mehr Körner als der Gegner.“

 

[Giovanni Bernardo und sein Nachfolger Norbert Scheider gönnten sich - mit den Meistertellern in der Hand - nach dem letzten Match erst einmal eine Siegerzigarre.]

 

Spätestens nach dem deutlichen 4:1 bei Herbstmeister TuS Homburg-Bröltal am drittletzten Spieltag waren die Wipperfürther Feierbiester geweckt. „Dass es am Ende so gut läuft, damit haben wir nicht gerechnet“, bilanziert Bernardo. Bei der Übergabe des Meistertellers beglückwünschte der Vorsitzende des Fußballkreises Berg, Jürgen Liehn, den Wipperfürthern zu sagenhaften 81 Punkten (von 90 möglichen). „Das sind Giova schon wieder neun Punkte zu wenig“, konnte der scheidende Trainer diese kleine Stichelei aus dem Spielerkreis durchaus gut verkraften. „Es hat viel Spaß gemacht, die Mannschaft weiterzuentwickeln. Wenn die Jungs so zusammenbleiben und weiter so an sich arbeiten, werden sie in der Bezirksliga bestehen“, ist Bernardo überzeugt.

 

Ob sich seine fußballerische Vita in den nächsten Jahren verlängern wird, bleibt abzuwarten. Der VfR rüstet sich auf jeden Fall personell für das Jahr eins nach Bernardo und die zweite Amtszeit von Norbert Scheider, der die Hansestädter bereits von 2000 bis 2018 betreut hatte. Mit Tille Andres (TuS Homburg-Bröltal), Luca Börsch (SC Lindenthal-Hohenlind), Henrik Schmitz (TuS Egen), Jan Wilbert Lüers (eigene U19) und Dennis Tebelius (SSV Süng) wurden bereits fünf Neuzugänge vermeldet. Giovanni Bernardo drückt seinen ehemaligen Schützlingen fortan als Fan die Daumen: „Ich werde das natürlich weiterverfolgen.“

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