FUSSBALL

Nach dem Mühlmann-Rücktritt: Derby unter besonderen Vorzeichen

lo, thg; 29.09.2026, 20:45 Uhr
Archivfoto: Michael Kleinjung --- Der Wiehler Vinzent Stoffel und Nümbrechts Niklas Clemens bei einem Zweikampf im Sparkassen-Cup-Finale Mitte August, das 2:1 für Wiehl endete.
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Nach dem Mühlmann-Rücktritt: Derby unter besonderen Vorzeichen

lo, thg; 29.09.2026, 20:45 Uhr
Oberberg - Der FV Wiehl steht ohne Chefcoach da und empfängt am Freitagabend den SSV Homburg-Nümbrecht zum Nachbarschaftsduell - Interimsduo wird die punktlosen Hausherren betreuen - Die Gäste spielen zwei Tage vorher noch im Pokal.

Vorschau Landesliga (6. Spieltag)

 

FV Wiehl – SSV Homburg-Nümbrecht (Freitag, 20 Uhr).

 

Es fehlen: Kevin Derksen, Louis Usko, Felix Krüger, Jordy Schurzmann, Paul Neuendorff, Marc Can Fotue Kamga, Rene Gailowitz – Philipp Rüttgers, Kilian Seinsche, Dennis Kania, Felix Klein, Fritz Schäfer, Marc Wolf, Niklas Goße, Tom Hillenbach.

 

Zum Spiel: Das Prestigeduell zwischen dem FV Wiehl und dem SSV Homburg-Nümbrecht am mittlerweile gewohnten Flutlicht-Freitag steht unter besonderen Vorzeichen: Zum ersten Mal seit drei Jahren wird bei den Hausherren nicht Sascha Mühlmann an der Seitenlinie stehen. Er verkündete am Sonntag unmittelbar nach der 1:2-Niederlage im Krisengipfel gegen den TuS Marialinden überraschend seinen sofortigen Rücktritt. Damit ging auf der Eichhardt nach neun Jahren – für sechs Spielzeiten hatte Mühlmann die Reserve in der Bezirksliga gecoacht, bevor er zur Erstvertretung aufrückte - eine Ära zu Ende.

 

Die Wiehler befinden sich in der gleichen prekären Situation wie vor zwölf Monaten: Damals kassierten sie, eine Last-Minute-Niederlage gegen Nümbrecht inklusive, sechs Pleiten am Stück. Mühlmann blieb seinerzeit im Sattel und man schaffte den sportlichen Turnaround. Der neuerliche Fehlstart und die dürftigen bis indiskutablen Leistungen in den ersten Partien haben gewiss dazu beitragen, dass der Coach nun von sich aus die Reißleine zog – sicherlich verbunden mit der Hoffnung, dass ein Ruck durch die Mannschaft geht.   

 

Da mit einem erhöhten Zuschaueraufkommen zu rechnen ist, bittet der FV Wiehl alle Besucher, folgende Hinweise zu beachten bzw. einzuhalten:   

  • ab 18:30 Uhr sind zwei Abendkassen geöffnet
  • eine frühzeitige Anreise wird empfohlen
  • auf der Friedhofstraße darf ausschließlich bergauf am rechten Fahrbahnrand geparkt werden
  • auf dem Gelände der Feuerwehr Wiehl herrscht ein generelles Parkverbot
  • auf den Parkflächen der Walter-Lück-Sportanlage darf ausschließlich auf den gekennzeichneten Flächen geparkt werden
  • die rechtsseitige Parkfläche der Walter-Lück-Sportanlage ist aufgrund von Bauarbeiten gesperrt
  • ein vereinsseitiger Parkplatz-Dienst regelt ab 18 Uhr die Zufahrt zur Walter-Lück-Sportanlage
  • alternative Parkflächen: Weiherplatz, Sparkasse Gummersbach, Hotel "Zur Post", Eishalle/Wiehler Wasser Welt, Mottelbach

 

Der Klub steht nach fünf Spieltagen also nicht nur ohne Punkte, sondern auch ohne Trainer da. Eines der letzten Erfolgserlebnisse war der Erfolg beim Sparkassen-Cup. Vor anderthalb Monaten wurde Seriensieger Nümbrecht im Finale entthront – gefühlt eine Ewigkeit her. Seitdem ging es, abgesehen von einem Sieg im Kreispokal gegen den B-Ligisten Engelskirchen, ausschließlich in die falsche Richtung. Das Aus im FVM-Pokal nach einer schwachen Vorstellung gegen den Bezirksligisten Fortuna Bonn, die anschließende Durststrecke in der Liga. Der Klassenerhalt ist mehr denn je akut gefährdet.

 

[Foto: Michael Kleinjung --- Marek Lesniak wird am Freitag beim FV Wiehl an der Seitenlinie stehen.]

 

Ob ausgerechnet das Nachbarschaftstreffen zum Wendepunkt wird, bleibt abzuwarten. Zumindest können die Verantwortlichen nach vielen Gesprächen, unter anderem mit dem Mannschaftsrat, eine Interimslösung auf der Trainerbank präsentieren: U19-Coach Marek Lesniak wird das Team zusammen mit dem spielenden Co-Trainer Jan Peters - der andere Assistenzcoach Philipp Schneider hatte kürzlich aus zeitlichen Gründen aufgehört – betreuen. „Wir hoffen natürlich, dass Marek mit seiner emotionalen Art die richtige Ansprache für das Derby findet“, erklärt Wiehls sportlicher Leiter Uwe Pack.   

 

Anschließend soll die Suche nach einem Nachfolger für Mühlmann intensiviert werden, wobei es keinen Schnellschuss geben wird, wie Pack betont. „Wir werden das in Ruhe angehen. Für uns ist es wichtig, dass wir jemanden finden, der den jungen Spielern etwas an die Hand gibt und diese dann sagen: ‚Das ist ein Trainer, der mir bei meiner Weiterentwicklung hilft‘“, erläutert Pack. Der Mühlmann-Abschied sei sehr emotional gewesen. „Da sind am Sonntag einige Tränen geflossen“, blickt der sportliche Leiter zurück. Manch ein Spieler hatten die kompletten neun Jahre unter Mühlmanns Regie verbracht.

 

Doch losgelöst davon müssen die Gastgeber anfangen, ihr Zählerkonto zu füllen, wenn sie den Kontakt zum unteren Tabellenmittelfeld halten möchten. „Wir hatten gehofft, mit drei Punkten gegen Marialinden in das Spiel gegen Nümbrecht zu gehen. Das wäre ein Euphorieschub gewesen“, so Pack über die schmerzhafte Niederlage im Kellerkrimi, die bei einer konsequenteren Chancenverwertung im ersten Durchgang zu verhindern gewesen wäre. Zwei Mutmacher für Wiehl: Die allgemeine Derbybilanz (bei den Pflichtspielen in der Landesliga hat der FV die Nase vorn) und der mögliche Überraschungseffekt, den der Trainerwechsel nebst eventuellen taktischen und personellen Umstellungen beinhaltet.

 

Personal: Routinier Kevin Derksen fehlt aus privaten Gründen, von den Langzeitverletzten wird niemand zurückerwartet. „Wir werden den einen oder anderen U19-Spieler mit auf die Bank nehmen“, verrät Pack.

 

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Nümbrechts Trainer Voike ist sich der Situation bewusst, dass nach dem Mühlmann-Abgang die Karten ein bisschen neu gemischt werden. „Das wird ein schweres Spiel für uns. Beim Gegner ist der Trainer zurückgetreten. Das motiviert den ein oder anderen Spieler vielleicht noch einmal mehr. So eine Situation ist immer schwierig. Man weiß nicht, ob da ein Knoten geplatzt ist und die ohne Druck Vollgas geben“, weiß er noch nicht, wie er die Situation einschätzen soll. „Und ein Derby ist immer was Besonderes. Es heißt nicht umsonst, dass es seine eigenen Gesetze hat. Der Tabellenplatz spielt da keine Rolle. Das wird ein Spiel auf Augenhöhe“, sagt der SSV-Coach und weist die Favoritenrolle von sich.

 

„Wiehl hat uns im Sparkassen-Cup auch geschlagen und ist dann schwach in die Saison gestartet. Warum, weiß ich nicht, dafür bin ich zu weit weg. Auch vor meiner Zeit in Nümbrecht haben die Wiehler die Spiele häufig gewonnen. Im Derby zählen eben andere Sachen. Man muss 110 Prozent bringen. Alle reden darüber und es kommen nicht umsonst manchmal 1.000 Zuschauer. Daran sieht man, wie wichtig das ist“, so Voike. Über die Probleme der Wiehler nachzudenken, ist derweil nicht Voikes Priorität. Die Nümbrechter haben ihre eigenen Herausforderungen zu bewältigen. Einerseits hat man die 1:2-Niederlage bei Grün-Weiß Brauweiler zu verkraften, als man in der Schlussminute den entscheidenden Gegentreffer hinnehmen musste, andererseits wird die Personaldecke immer dünner.

 

Sicher ausfallen werden neben den Langzeitverletzten auch Philipp Rüttgers, Kilian Seinsche und Dennis Kania, die allesamt im Urlaub sind „Wir müssen damit leben. Im Amateurfußball ist das so und wir müssen es hinnehmen“, so Voike wenig begeistert. Felix Klein sitzt weiter seine Rotsperre ab. Was in personeller Hinsicht noch passieren kann, ist offen. Am Mittwochabend steht nämlich das Zweitrundenduell im Kreispokal gegen den B-Ligisten SG Overath-Vilkerath auf dem Programm. „Wir machen in dem Wettbewerb mit und wollen dann auch gewinnen. Dafür müssen wir jedes Spiel mit 100 Prozent angehen. Wichtig ist, dass wir den Pokal gut verkraften. Und dann gehen wir ohne Training ins Derby.“

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