FUSSBALL
Wiehl ergattert im Derby den ersten Saisonpunkt
Oberberg - Im Spiel eins nach dem Rücktritt von Sascha Mühlmann beendet der FV Wiehl seine Niederlagenserie und ringt dem SSV Homburg-Nümbrecht ein Remis ab - 675 Zuschauer sehen ein schwaches Lokalduell - Die Sparkasse Gummersbach präsentiert die Landesliga.
Fotos und Stimmen zum Spiel folgen!
FV Wiehl – SSV Homburg-Nümbrecht 1:1 (1:1).
Die Derbys und die eigenen Gesetze, manchmal trifft die Binsenweisheit zu. Der FV Wiehl ergatterte ausgerechnet im Lokalduell - und im ersten Spiel nach dem Rücktritt des langjährigen Trainers Sascha Mühlmann - gegen den SSV Homburg-Nümbrecht den ersten Punkt in dieser Saison und darf das Ergebnis als Moral- und Stimmungsaufheller verbuchen. Die Gäste hatten sich angesichts der derzeitigen Tabellenkonstellation gewiss mehr ausgerechnet, dafür war die spielerische Vorstellung in einem insgesamt schwachen Nachbarschaftstreffen aber zu dürftig.
Vor rund 675 Zuschauern erarbeitete sich Nümbrecht die ersten Gelegenheiten. Nach einem weiten Schlag von Andre Dej hinter der FV-Abwehrkette versuchte der eingelaufene Außenverteidiger Felix Adamietz den Ball mit dem Hinterkopf ins Tor zu verlängern, doch Keeper Justin Broy war auf dem Posten (8.). Lediglich 60 Sekunden später sauste ein tückischer Dej-Aufsetzer aus 20 Metern haarscharf am Kasten vorbei. Anfängliches Glück also für Wiehl, das in der Folge seine Nervosität besser in den Griff bekam, jedoch keinerlei Durchschlagskraft entwickelte.
Eine Ecke mündete in der SSV-Führung: Dej schlug die Kugel nach innen, wo Niklas Clemens nach einer Kopfballablage das Füßchen hinhielt – auf der frisch installierten XXL-LED-Anzeigentafel leuchtete das 0:1 auf. Kurz darauf sprang der Zähler auch aufseiten der Hausherren um: Nach dem ersten gescheiten Angriff blieb Wiehl hartnäckig, sodass der SSV bloß unzureichend klären konnte. Justus Dabringhausen zog aus 14 Metern trocken mit links ab und erzielte den Ausgleich – zur Freude von Interimscoach Marek Lesniak (originär zuständig für U19), der an der Seitenlinie von Spieler und B-Jugendtrainer Marvin Bollow unterstützt wurde.
Danach wurden die Strafraumsituationen immer rarer. Die beste Möglichkeit besaß noch Niklas Clemens, der eine Adamietz-Hereingabe im Fallen über die Querstange schaufelte (33.). Adamietz wiederum schlug in aussichtsreicher Position ein Luftloch (42.).
Für die Wiehler wäre es beinahe so weitergegangen wie im jüngsten Krisengipfel gegen Marialinden: mit einem Blitz-Gegentor nach dem Seitenwechsel. Der Ex-FV-Kicker Collins Ihekaire schlenzte das Leder am Winkel vorbei (46.). Es sollte für lange Zeit der letzte Nümbrechter Vorstoß sein, der den Namen Torchance verdient. Wiehl wurde fortan etwas mutiger und schnupperte an der Führung, als Matteo Tessarolo einen Versuch von Dabringhausen aufs kurze Eck mit einer Fußparade abwehrte (56.).
Ansonsten war es schwer verdauliche Kost, die den Zuschauern geboten wurde. Dass die Gastgeber nicht die Sterne vom Himmel spielen und die Defensivarbeit in den Vordergrund stellen würden, erschien nach der Pleitenserie zu Saisonbeginn und dem Mühlmann-Rücktritt logisch. Die Nümbrechter waren indes genauso wenig in der Lage, viele fußballerische Akzente zu setzen - bzw. aus der vorhandenen Verunsicherung beim Gegner Kapital zu schlagen. Dass das vermeintliche 1:2 nach einer Ecke wegen eines Foulspiels aberkannt wurde, verbesserte die Laune bei Gästetrainer Marcus Voike nicht. Echte Derbystimmung war ebenfalls selten einmal zu spüren, abgesehen von einer Szene nach einem Foulspiel in der 83. Minute, als beide Trainerbänke mal kurz aus dem Sattel gingen.
Doch fast hätten die Blau-Gelben noch den Lucky Punch gelandet. Nach einer weiten Flanke brachte Clemens den Ball aus spitzem Winkel mit einer artistischen Einlage Richtung Gehäuse. Broy konnte parieren, hatte aber Riesenglück, dass Ricardo Bauerfeind den Rebound aus kurzer Distanz an den Pfosten köpfte (88.). Das Kellerkind überstand in der Nachspielzeit noch zwei brenzlige Standards und freute sich über die Beseitigung der Null auf dem Punktekonto, während Nümbrecht nach dem ersten Unentschieden der Saison bei zehn Zählern steht.
Tore
0:1 Niklas Clemens (21.), 1:1 Justus Dabringhausen (25.).
FV Wiehl
Justin Broy; Gino Lanfranco, Bastian Schwarz, Ali Can Gültekin, Alexander Marks, Yekcan Yildirim, Vinzent Stoffel, Yannik Clemens, Florian Liebelt (89. Yannick Zwiebel), Jan Peters (90. Elias Butzmuehlen), Justus Dabringhausen (66. Yüksel Özkan).
SSV Homburg-Nümbrecht
Matteo Tessarolo: Felix Adamietz, Henry Schäumer, Moritz Becker, Lukas Grünberg, Ricardo Bauerfeind, Andre Dej (74. Michael Ojesanmi), Felix Sievers, Collins Ihekaire, Dean-Robin Paes (59. Joscha Trommler), Niklas Clemens.
Stimmen zum Spiel
Marek Lesniak (Interimstrainer FV Wiehl): Natürlich sind wir zufrieden. Ich glaube, dass keiner vorher gedacht hätte, dass wir hier heute einen Punkt holen. Die Mannschaft hat von der ersten Minute an gekämpft. Das heißt nicht, dass sie unter Sascha Mühlmann nicht gekämpft haben, aber wir haben heute etwas umgestellt und sind auf eine Fünferabwehrkette gegangen und standen etwas tiefer. Wir haben gewusst, zu was Nümbrecht in der Lage ist. Wir mussten die gesamten 90 Minuten hellwach sein. Dann geht Nümbrecht in Führung und ich muss ehrlich sagen, dass wir froh sein können, dass wir sofort den Ausgleich machen, sonst wäre es brutal schwer geworden, zu punkten. Wir haben richtig gut verteidigt und außer bei zwei Szenen in der zweiten Halbzeit, wo wir richtig Glück hatten, haben wir hinten gut gestanden und hatten auch ein oder zwei gute Konterchancen. Spielen wir die besser aus, dann gehen wir in Führung und dann hätte ich die Nümbrechter gerne gesehen. Von der kämpferischen Leistung her haben wir den Punkt verdient. Hut ab vor der Leistung.
Marcus Voike (Trainer SSV Homburg-Nümbrecht): Mir tun einfach die Jungs leid, weil wir heute die klar bessere Mannschaft waren. Dass Wiehl besser ist als null Punkte, war mir klar. Heute haben sie auch mit den Stärksten gespielt. Die Einzelspieler haben eine gute Qualität, vor allem vorne. Aber wir waren spielbestimmend und wir hätten zwei oder drei Tore machen müssen, mindestens. Dass wir heute nur ein Tor machen, ist das einzig Negative, was ich zu dem Spiel sagen kann. Wir haben ja noch ein Tor gemacht, was aus irgendwelchen Gründen nicht gezählt hat, und wir hatten einen Pfostentreffer. Das sind dann diese Kleinigkeiten und das Quäntchen Glück, das gefehlt hat. Das hat Wiehl heute gehabt. Ich kann den Jungs keinen Vorwurf machen. Das Spiel hatte nur einen Sieger verdient. Letzte Woche haben wir einen Punkt liegengelassen, heute waren es zwei. Aber für alles, was war – nur Auswärtsspiele, keine Trainingsmöglichkeiten – sind zehn Punkte ordentlich.