GUMMERSBACH
Berühmter Philosoph: Platz vor der Alten Vogtei wird nach Jürgen Habermas benannt
Gummersbach – Nachdem eine Umbenennung des Lindengymnasiums auch am Widerstand der Schule scheiterte, wird einer der bekanntesten Söhne der Stadt mit einem eigenen Platz geehrt.
Von Peter Notbohm
Seit dem Tod des bekannten Philosophen und Soziologen Jürgen Habermas im März dieses Jahres gibt es in seiner Heimatstadt Gummersbach Überlegungen und politische Diskussionen darüber, wie man einen der bekanntesten Söhne der Stadt würdigen kann. Pläne, das Lindengymnasium nach ihm zu benennen wurden vor allem von der CDU abgelehnt, nachdem sich die Schule dagegen ausgesprochen hatte. Auch die Option, den Platz vor dem Kino-Center Seven nach ihm zu benennen, wurde schließlich verworfen, da die öffentliche Diskussion über den Zusammenhang mit Fest- und Kirmesplatz sowie Schützenfest dem zu Ehrenden nicht angemessen sei.
Nun hat Gummersbachs Stadtpolitik eine Einigung gefunden. Der Stadtrat beschloss in seiner Sitzung vom Mittwoch einstimmig, die grüne Insel und den neu asphaltierten Platz vor den frisch renovierten Alten Vogtei nach Habermas in Würdigung seiner herausragenden Leistungen zu benennen. Die Idee war im Ältestenrat der Stadt als Kompromiss erarbeitet worden. Bürgermeister Raoul Halding-Hoppenheit (CDU) nannte Habermas „einen Soziologen und Philosophen von Weltrang, der mit seiner Heimatstadt immer eng verbunden war und sich öffentlich zu ihr bekannt hat“. Es sei etwas Besonderes, dass die Alte Vogtei künftig die Adresse ‚Habermas-Platz 1‘ tragen werde. Als zusätzliche Würdigung soll auf dem Platz eventuell eine Stele, Büste, oder Tafel aufgestellt werden. Endgültig darüber entschieden wurde aber noch nicht, hieß es aus dem Rathaus am Donnerstag.
Der am 18. Juni 1929 in Düsseldorf geborene Habermas verbrachte seine Kindheit und Jugendzeit in Gummersbach, ehe er nach dem Abitur am damaligen Jungengymnasium Moltkestraße 1949 an den Universitäten in Göttingen, Zürich und Bonn studierte. Mit nur 32 Jahren übernahm Habermas 1961 eine außerordentliche Professur für Philosophie in Heidelberg. Habermas erhielt viele Preise und Ehrungen, darunter den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, den japanischen Kyoto-Preis, den Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen, den Europapreis für politische Kultur, den Großen Deutsch-Französischen Medienpreis und den Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste.
SPD-Fraktionschef Thorsten Konzelmann bedauerte, dass man eine entsprechende Würdigung noch zu Lebzeiten verstreichen lassen habe. Keinen Hehl machte er daraus, dass aus Sicht seiner Fraktion die optimale Würdigung, die Umbenennung des Lindengymnasiums gewesen wäre: „Für einige unter uns war das eigentlich auch die einzige Lösung.“ Der nun gefundene Kompromiss sei aber zumindest besser als die ersten Entwürfe und das Ergebnis interfraktioneller Diskussionen.
Ursula Anton (FDP) beklagte ebenfalls, dass man sich mit der Umbenennung der Schule nicht habe durchsetzen können. Sie hofft, dass der Kompromiss „von der Bevölkerung akzeptiert und registriert wird“. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Jörg Jansen betonte, dass die Christdemokraten „niemals auf dem Weg waren, dass wir ihn gar nicht ehren“. Er sprach von einem Schulterschluss im Ältestenrat, der den Platz und die Person Habermas aufwerten werde.
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