GUMMERSBACH

Eiserne Hochzeit: Renate und Bernhard Kyborg machen seit 65 Jahren alles gemeinsam

pn; 16.06.2026, 11:30 Uhr
Fotos: Peter Notbohm ---- Noch heute ist das Ehepaar Kyborg so glücklich wie am ersten Tag.
GUMMERSBACH

Eiserne Hochzeit: Renate und Bernhard Kyborg machen seit 65 Jahren alles gemeinsam

  • 1
pn; 16.06.2026, 11:30 Uhr
Gummersbach – Das Ehepaar aus Gummersbach blickt anlässlich des Ehejubiläums auf ein bewegtes Leben zurück, das beide jederzeit wieder so führen würden.

Von Peter Notbohm

 

Ihm reichte ein Blick durch den Wasserstrahl am Jordansprudel in Bad Oeynhausen und es war um ihn geschehen. Sie war zunächst skeptisch, einige Tage später funkte es aber auch bei ihr. Im Oktober 1958 sind sich Renate und Bernhard Kyborg in der Kur begegnet; beide kämpften mit Rückenleiden. Er, damals 20 Jahre jung und ein Maler-Geselle aus Berlin-Spandau. Sie, gerade erst 19 Jahre alt geworden und ebenfalls gebürtige Berlinerin aus dem Stadtteil Schöneberg, die inzwischen aber im Marienheider Ortsteil Rodt lebte und dort ausgelernte Friseurin war.

 

Entstanden ist aus den Beiden eine Verbindung für die Ewigkeit. Am heutigen Dienstag feiert das Ehepaar aus Gummersbach die Eiserne Hochzeit. Eines der seltensten und ehrwürdigsten Jubiläen überhaupt. Seit 65 Jahren hält sich das Ehepaar die Treue. Statistisch gesehen erreicht nur ein winziger Bruchteil aller Paare diesen Meilenstein. Das namensgebende Eisen steht symbolisch für absolute Stärke, Widerstandskraft und ein unerschütterliches Band, das allen Herausforderungen des Lebens getrotzt hat.

 

Er habe seinem damaligen Zimmerkollegen sofort gesagt, dass die hübsche Frau jenseits der Thermalquelle einmal seine Frau wird, erinnert sich Bernhard Kyborg zurück. Seine Frau Renate denkt an ein umgeworfenes Weinglas beim Tanzen am letzten Abend der Kur zurück: „Auf einmal war er mir sympathisch.“ Es folgten Briefe zwischen Berlin und dem Oberbergischen, ehe er sich kurz nach Neujahr 1959 entschloss, aus dem Osten ins Oberbergische zu reisen.

 

Dass Bernhard Kyborg dort überhaupt ankam, hatte er dem Fahrer der damaligen Mitfahrzentrale zu verdanken. „Ich habe den Mann damals fürchterlich angebrüllt, weil ich dachte, wann biegt der endlich nach links ab“, erzählt Kyborg lachend, dass er damals noch glaubte, das Oberbergische liege in Bayern. Doch über Wuppertal kam er schließlich spätnachts mit dem Zug im verschneiten Gummersbach an. Für den Westberliner damals „ein Dorf mit Kopfsteinpflaster“.

 

Nach einer Nacht in der früheren Gaststätte Schürmann ging es am nächsten Tag mit dem Bus nach Rodt; der Rest ist eine einzige Liebesgeschichte. Schon im März siedelte er nach Westdeutschland über, ging mit seiner großen Liebe Ende des Jahres aber auch zurück nach Berlin. Im Sommerurlaub in Ischgl folgte im August 1960 die Verlobung, im Sommer 61 dann die Hochzeit im historischen Hotel Fürstenberg in Remagen. 1966 und 1970 bereichern eine Tochter und ein Sohn das Ehepaar, das nach mehreren Jahren in Reichshof-Allenbach ab 1969 für fast 40 Jahre im eigenen Haus mit Werkstatt im Gummersbacher Stadtteil Bernberg leben wird. Beide Kinder machen ihre Ausbildung im elterlichen Betrieb.

 

[Vor 65 Jahren: Renate und Bernhard Kyborg an ihrem Hochzeitstag.]

 

Bekannt ist das Ehepaar Kyborg in der Kreisstadt nicht nur für ihren Bastelladen, den sie 1975 eröffnet haben. Der selbstständige Malermeister besitzt ein wunderbares Talent, das vielerorts zu sehen ist oder war. Unter anderem stammte die in mühseliger Handarbeit angebrachte Beschriftung „Gummersbach“ auf dem alten Bahnhofsgebäude von ihm. Auch Theatergänger kennen seine Werke. Viele der riesigen Bühnenbilder im alten Bühnenhaus hat er detailreich entworfen, bemalt und zusammengebaut.

 

Beide sagen heute, sie würden nichts anders machen in ihrem Leben. Renate Kyborg spricht von „einem ganz bewegten Leben“, in dem beide viel gesehen haben. Reisen waren dem Ehepaar immer wichtig, auch mit den Kindern. „Wir kennen fast ganz Europa“, sagt Bernhard Kyborg. Neben Gummersbach nennen sie noch viele weitere Städte in Deutschland und Österreich ihr zweites Zuhause.  Nach einem zweijährigen Intermezzo in Nümbrecht ab 2020 kehrte das Ehepaar 2022 wieder in die Kreisstadt zurück und lebt seitdem in Windhagen. Trotz ihres Alters sind beide noch gerne aktiv. Die große Terrasse und das eigene Gewächshaus sorgen für genug Arbeit. „Außerdem frühstücken wir gerne draußen“, erzählt Renate Kyborg.

 

Das Geheimnis ihrer langen Ehe? „Wir waren immer füreinander da und haben alles gemeinsam gemacht. Einer war für den anderen da“, meint sie. Er nickt zustimmend: „Das war uns ganz wichtig, viel gemeinsam zu machen.“ An ihrem Mann schätzt sie seine geduldige und ruhige Art: „Mit ihm kann man reden, er ist kreativ und sorgt immer für Überraschungen.“ Bernhard Kyborg liebt den Fleiß und die Kreativität seiner Frau. Einen seiner Liebesbeweise kann man im Wohnzimmer des Ehepaars bestaunen: Auf selbstbebilderten Collagen hängt die komplette Liebesgeschichte der beiden anlässlich der Diamantenen Hochzeit vor fünf Jahren.

 

Gefeiert wird das Jubiläum im ganz kleinen Kreis mit der Familie und zwei befreundeten Ehepaaren. Zum Gratulieren kommt heute Gummersbachs stellvertretender Bürgermeister Jürgen Marquardt vorbei. Auch der Landrat hat sich angekündigt. Glückwünsche und Blumen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier waren schon vergangene Woche eingetroffen.

WERBUNG

KOMMENTARE

1

Was für eine schöne Geschichte.
Gottes Segen dem Ehepaar und herzlichen Glückwunsch!

Muthe, 16.06.2026, 19:37 Uhr
0 von 800 Zeichen
Jeder Nutzer dieser Kommentar-Funktion darf seine Meinung frei äußern, solange er niemanden beleidigt oder beschimpft. Sachlichkeit ist das Gebot. Wenn Sie auf Meinungen treffen, die Ihren Ansichten nicht entsprechen, sehen Sie von persönlichen Angriffen ab. Die Einstellung folgender Inhalte ist nicht zulässig: Inhalte, die vorsätzlich unsachlich oder unwahr sind, Urheberrechte oder sonstige Rechte Dritter verletzen oder verletzen könnten, pornographische, sittenwidrige oder sonstige anstößige Elemente sowie Beschimpfungen, Beleidigungen, die illegale und ethisch-moralisch problematische Inhalte enthalten, Jugendliche gefährden, beeinträchtigen oder nachhaltig schädigen könnten, strafbarer oder verleumderischer Art sind, verfassungsfeindlich oder extremistisch sind oder von verbotenen Gruppierungen stammen.
Links zu fremden Internetseiten werden nicht veröffentlicht. Die Verantwortung für die eingestellten Inhalte sowie mögliche Konsequenzen tragen die User bzw. deren gesetzliche Vertreter selbst. OA kann nicht für den Inhalt der jeweiligen Beiträge verantwortlich gemacht werden. Wir behalten uns vor, Beiträge zu kürzen oder nicht zu veröffentlichen.
WERBUNG