GUMMERSBACH

Mit Mut und Kreativität die Bühne erobern

jt; 31.10.2026, 13:00 Uhr
Fotos: Greta Dünzer --- Die Zwölftklässler bei den Proben für ihr letztes Theaterstück an der Schule.
GUMMERSBACH

Mit Mut und Kreativität die Bühne erobern

jt; 31.10.2026, 13:00 Uhr
Gummersbach – An der Freien Waldorfschule Oberberg wird in diesem Jahr der „Club der toten Dichter“ aufgeführt – Was hinter dem intensiven Probenprozess steckt.

Von Josephine Tscheliesnigg

 

An der Freien Waldorfschule Oberberg in Gummersbach-Vollmerhausen steht Kreativität an erster Stelle. Sowohl in der achten als auch in der zwölften Klasse bekommen die Schüler die Möglichkeit, an einem Theaterstück mitzuwirken. Von der Auswahl über die Dramaturgie bis hin zur Umsetzung auf der Bühne, ist jeder Schüler eng in den Prozess eingebunden. Vier Wochen lang wird intensiv geprobt, damit die Aufführungen ein voller Erfolg werden.

 

In diesem Jahr wird „Der Club der toten Dichter“ aufgeführt – ein Stück, das viele Zuschauer vielleicht bereits kennen. Doch was es so besonders macht, ist vor allem das intensive Mitarbeiten der Schüler. Aufgeteilt in verschiedene Teams, hat jedes eine eigene Aufgabe: Das Dramaturgieteam schreibt das Stück um, das Kostümteam kümmert sich um das Aussehen der Schauspieler, das Bühnenteam gestaltet die Kulisse. „Es braucht viel Zeit zur Vorbereitung: Man sucht gemeinsam das Stück raus, kürzt es und bringt es in eine Form, die für die Klasse passt“, erzählt Melanie Monyer. Sie ist Theaterpädagogin und unterstützt bereits seit vier Jahren die Waldorfschüler bei diesem besonderen Projekt.

 

[Die Kostüme hängen schon bereit für die Premiere.]

 

Übertragen auf die heutige Zeit, haben die Schüler aktuelle Herausforderungen im Stück untergebracht und wollen damit eine ganz bestimmte Botschaft übermitteln: „Der Club ist wie ein Safe Space, den sie sich schaffen. Dort können sie Gedanken teilen, Fragen stellen und über all das reden, was sie beschäftigt. Das ist sehr inspirierend“, erläutert Monyer. Neben den eigenen Texten der Klasse, unterstützen auch choreografische Elemente die Darbietung. „Die Choreos sollen verdeutlichen, wie wir uns in dem Moment fühlen und was wir denken. Sie stellen also unser Innerstes dar“, erläutert Greta. Sie ist Schülerin der zwölften Klasse und spielt somit bereits ihr zweites Theaterstück auf der Bühne. Trotzdem begegnen auch ihr noch neue Herausforderungen: „Man ist zwar einerseits man selbst, allerdings muss man auch lernen, einen anderen Menschen zu spielen und sich in die Person hineinzuversetzen. Wichtig ist dabei, sich nicht zu verlieren.“

 

Die Theaterpädagogin sieht vor allem im Ausdrücken der eigenen Gefühle auf der Bühne die größte Aufgabe der Schüler: „Da gehört viel Mut dazu, auf der Bühne so durchlässig zu sein und zu zeigen, welche Gefühle in einem los sind. Doch, wenn man das kann, ist es auch ein echtes Geschenk für den Alltag – denn dann kann man mit den eigenen Gefühlen viel offener umgehen.“ Nicht nur dieser Lernprozess kommt den Mitwirkenden für das spätere Leben zugute. „Wir lernen gut miteinander umzugehen und aufeinander zu achten. Man ist auch als Klasse viel verbundener dadurch, da man ein anderes Gefühl für die Mitschüler bekommt“, macht Greta deutlich.

 

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Besonders spannend sei es, dass man die anderen Personen in unterschiedlichen Rollen kennenlerne. „So kennt man sie gar nicht, man erlebt viele von einer ganz neuen Seite“, erzählt sie. Auch Monyer sieht in diesem Angebot eine wichtige Grundlage für das spätere Leben: „Es geht auch darum, zu sehen, was man als Gruppe auf die Bühne bringen kann, denn jede Person hat auch immer eigene kleine Herausforderungen zu bewältigen.“

 

Oft bemerke man Veränderungen bei den Schülern während der Probenzeit. Etwas, was sich zu Beginn komisch anfühlt, geht im Laufe der Zeit stets leichter von der Hand. Im Fokus stehe jedoch immer das Veto-Prinzip. „Das ist der Grundsatz meiner Arbeit. Jede Person hat zu jeder Zeit das Recht, sich herauszunehmen – niemand wird zu etwas gezwungen. Die Idee dahinter ist, dass man lernt, Entscheidungen zusammen zu treffen und sich auf Augenhöhe zu begegnen“, erläutert Monyer.

 

Das Angebot bedeutet den Schülern viel. „Es sammelt nicht jeder die Erfahrung, Theater zu spielen. Das ist sehr besonders, mal in eine andere Rolle zu schlüpfen und auf Knopfdruck sagen zu können ‚Ich bin nicht mehr ich‘“, verdeutlicht die Zwölftklässlerin.

 

[Choreografische Elemente sind ebenfalls Bestandteil des Stücks.]

 

Viele intensive Wochen liegen nun hinter den Schülern und die Premiere rückt immer näher. Doch die Aufregung ist noch nicht groß. „Ich glaube, es ist bei manchen noch gar nicht angekommen, dass wir schon nächste Woche auf der Bühne stehen“, merkt Greta an. Sehenswert sei das Stück auf jeden Fall. „Es ist interessant für das Publikum, zu erleben, was aus dem Stück geworden ist. Statt in einem Jungs-Internat spielt es in einer gemischten Schule. Manche Strukturen haben wir zwar beibehalten, aber vieles haben wir auch modernisiert. Besonders spannend wird es zu sehen, wie die Schüler für sich selbst einstehen – und vor allem, welche Entwicklung sie während des Stücks machen“, führt die Pädagogin aus. Greta spielt eine Rolle, bei der dies besonders deutlich werde. Sie sieht in dem Stück eine wichtige Botschaft: „Es gibt immer Leute, die querschießen. Aber, wenn man sich aufeinander verlassen kann und zusammenhält, dann kann man sich gut dagegen durchsetzen.“

 

Wer das Stück nicht verpassen möchte, der sollte sich das nächste Wochenende freihalten. Am 6. November um 20 Uhr findet in der Schule (Kirchhellstraße 32) die Premiere statt. Zwei weitere Aufführungen wird es am Samstag um 20 Uhr und am Sonntag um 18 Uhr geben.