GUMMERSBACH

Musikschule Gummersbach kämpft um ihre Finanzierung

pn; 15.10.2026, 11:45 Uhr
Symbolfoto: wal_172619 from Pixabay
GUMMERSBACH

Musikschule Gummersbach kämpft um ihre Finanzierung

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pn; 15.10.2026, 11:45 Uhr
Gummersbach - Das Herrenberg-Urteil trifft auch die Musikschule Gummersbach hart - Ensemblemitglieder müssen künftig wahrscheinlich doppelt zahlen.

Von Peter Notbohm

 

Seit dem sogenannten Herrenberg-Urteil kämpfen Musikschulen bundesweit ums Überleben. Auch an der Musikschule Gummersbach müssen nun die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Am heutigen Donnerstag findet eine außerordentliche Mitgliederversammlung des gemeinnützigen Vereins statt. Auf die Mitglieder und wohl auch die Ensemblemitglieder werden höhere Gebühren zukommen. Schon im Gummersbacher Stadtrat hatten Schulleiter Markus Missbrandt und Felix Jaffke, 1. Vorsitzender des Vereins, auf die prekäre finanzielle Lage der Musikschule hingewiesen und um Unterstützung seitens der Politik geworben.

 

Mit dem wegweisenden Urteil des Bundessozialgerichts müssen alle Honorarverträge von Lehrkräften der Musikschulen, die bislang als freie Mitarbeiter tätig waren, in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen oder Minijobs umgewandelt werden. Die dafür fälligen Sozialabgaben führen jedoch zu deutlichen Mehrausgaben für alle Einrichtungen. Missbrandt spricht von einem Urteil, das „die Musiklandschaft in den vergangenen Jahren sehr verändert hat“ – obwohl er dessen Tenor durchaus begrüßt.

 

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24 Lehrkräfte unterrichten derzeit an der Musikschule Gummersbach 485 Schüler. Nach Angaben Missbrandts wurden mittlerweile alle Lehrkräfte in Festanstellung gebracht. Das führt allerdings dazu, dass die Lohnnebenkosten durch die Musikschule getragen werden müssen und nicht mehr durch die Künstlersozialkasse übernommen werden. Die Kosten für den Verein steigen dadurch um 25 Prozent. „Eine gewaltige Menge“, sagt Missbrandt. Das Problem der Musikschule: Die Gebühren kann man nicht derart anheben, um den Fehlbetrag aufzufangen.

 

Bislang hat die Musikschule die Zusage von Stadt und Sparkassenstiftung, dass die Sozialversicherungskosten in Höhe von 70.000 Euro jeweils hälftig für zwei Jahre übernommen werden. Ohne das Sponsoring der Sparkasse könnten auch viele Veranstaltungen nicht mehr durchgeführt werden. Zumindest die Sparkassen- und Bürgerstiftung für Gummersbach wird diesen Zuschuss nach dem Ablauf aber einstellen müssen, da sie keine strukturelle Dauerunterstützung leisten darf. Bürgermeister Raoul Halding-Hoppenheit (CDU), für den die Musikschule unverzichtbare Arbeit leistet, wies zudem darauf hin, dass der Zuschuss im kommenden Haushalt noch nicht bewilligt sei. Es seien in den Haushaltsberatungen bereits Fragen aufgekommen, ob sich die Stadt das noch leisten könne.

 

Keine Alternative ist laut Missbrandt eine Reduzierung der Löhne. Man befinde sich in großer Konkurrenz zu städtischen Schulen und habe bereits jetzt massive Probleme, Stellen nachzubesetzen. „Wir können keine konkurrenzfähigen Löhne zahlen. Es gibt Musiklehrer, die lieber im eigenen Haus sitzen und dort Privatunterricht geben, weil sie mehr davon haben“, so der Musikschulleiter.

 

Anfang des Jahres hat der Vorstand der Musikschule Gummersbach sich daher bereits die laufenden Kosten angeschaut und sei dabei laut Missbrandt zu „unbequemen Zahlen“ im 500.000 Euro starken Etat gekommen. Noch vor den Sommerferien habe der Haushalt der Musikschule eine Unterdeckung von 50.000 Euro aufgewiesen, obwohl man bereits im Februar auf einer Versammlung beschlossen hatte, die Gebühren anzupassen und zusätzlich Sponsoren und Stiftungen angeschrieben habe. Die monatliche Gebühr für eine Stunde Unterricht pro Woche à 45 Minuten kostet beispielsweise 111 Euro. In den kommenden beiden Jahren soll diese jeweils um sechs Euro angehoben werden. Auch die Gebühren für Gruppen werden sukzessive angehoben.

 

Dass inzwischen nur noch eine Unterdeckung von 7.000 Euro besteht, habe man Jaffke und dessen Stellvertreter Dr. Lothar Scheuer zu verdanken, die die Zahlen noch einmal auf links gedreht hätten, sagt Missbrandt. Vor allem die Arbeit der 13 Ensembles gilt als kostenintensiv. Die Lohnkosten hierfür betragen jährlich 52.000 Euro (zum Vergleich: für die Unterrichtslöhne sind für 2027 337.000 Euro eingeplant).

 

Die Auftritte der Ensembles finden in der Halle 32 oder kleineren Hallen statt. Eintritt wird dafür nicht genommen, der Verein ist auf die Spendenbereitschaft der Zuhörer angewiesen und setzt dabei auch auf das Solidaritätsprinzip, dass gut situierte Menschen mehr geben. Damit soll auch ärmeren Menschen kulturelles Leben ermöglicht werden. Zudem ist man gerade bei Sommerveranstaltungen auch wetterabhängig. „Jeder Euro im Geigenkasten hilft uns, das Fortbestehen der Musikschule zu sichern“, sagt Jaffke.

 

Derzeit ist die Ensemblegebühr per Vorstandsbeschluss ausgesetzt. Ein neues Modell soll auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung heute Abend beschlossen werden. Jaffke rechnet schon jetzt mit kontroversen Diskussionen, weil Musikschüler, die auch Ensemblemitglieder sind, künftig wohl doppelt zur Kasse gebeten werden müssen. Im Vorfeld habe es im Verein deshalb schon erhebliche Unruhe gegeben, sagt der Vorstandsvorsitzende, „allerdings sehe ich keine andere Möglichkeit, das Gerüst zu stemmen.“

 

Die Bitte der Musikschule an die Stadtpolitik: Den Zuschuss von 35.000 Euro nach fünf Jahren inflationsbereinigt aufzustocken. Eine weitere Möglichkeit die Musikschule zu unterstützen, sind Fördermitgliedschaften (beginnen bei 100 Euro/Jahr), die Jaffke ausdrücklich bewarb: „Wenn wir dafür viele Gummersbacher begeistern können, würde das langfristig unser Defizit verbessern und wäre hilfreicher als jede Förderung durch den Stadtrat.“

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