GUMMERSBACH

Von Oberberg hinaus in die Welt

jt; 26.09.2026, 06:00 Uhr
Fotos: Seamus Kelm / Klaus Stange --- Angel-Guide Seamus Kelm präsentiert stolz seinen gefangenen Seelachs.
GUMMERSBACH

Von Oberberg hinaus in die Welt

jt; 26.09.2026, 06:00 Uhr
Gummersbach – Seamus Kelm kann stolz von sich behaupten, dass er sein Hobby zum Beruf gemacht hat – Wie ihn seine Leidenschaft nach Norwegen verschlug.

Von Josephine Tscheliesnigg

 

Die unberührte Natur direkt vor der Tür genießen, jeden Tag leidenschaftlich zur Arbeit gehen und vollkommen abgeschieden leben – zehn Meilen nördlich des Polarkreises: So sieht das Leben des 32-jährigen Seamus Kelm aus. Der gebürtige Gummersbacher entschied sich für seinen Lebenstraum, als sich ihm die Chance bot, und kann nun voller Freude sagen, dass er seine Passion zum Beruf gemacht hat. Kelm ist Touristenführer für Angler in Norwegen und bietet neben Touren auf dem Wasser auch andere Abenteuer in seiner Wahlheimat an. Wie zum Beispiel Führungen durch den zweitgrößten Gletscher Norwegens – der befindet sich nämlich direkt vor seiner Haustür. Dass sein Leben mal so aussehen könnte, hätte er sich als Kind jedoch nicht erträumt.

 

[Der Fang für leidenschaftliche Angler: Ein Heilbutt.]

 

Den ersten Fisch hat Seamus mit 14 Jahren in den schottischen Highlands gefangen. „Seit dem Tag war es um mich geschehen“, erinnert er sich heute. Dass er damit jedoch mal sein Geld verdienen könnte, kam ihm damals noch nicht in den Sinn. Nach seinem Schulabschluss absolvierte Kelm eine Ausbildung als Stahlbauer und entschied sich anschließend für ein Abenteuer als „Packer“ in Alaska – das sogenannte „Mädchen für alles“ während der Jagd: „Wir waren zu dritt in der Natur und gefühlt am Ende der Welt, denn wir waren zwei Flugstunden von der nächsten Straße entfernt“, so Kelm. Diese Zeit habe ihn sehr geprägt und seine große Leidenschaft für die Natur entfacht.

 

Nichtsdestotrotz kehrte er nach vier Monaten aus der Wildnis nach Hause zurück in einen Job, der ihn nicht erfüllte, in einen Alltag, der ihm bereits bekannt war – bis er schließlich ein besonderes Angebot bekam. Ein alter Freund seines Vaters meldete sich bei ihm mit der Bitte um Hilfe: Auf seinem Fjord in Norwegen musste ein Bootssteg gebaut werden. Kelm war 23 Jahre alt und getreu dem Motto „Das Leben ist zu kurz“ ergriff er die Möglichkeit. Recht schnell faszinierten ihn sowohl das Land als auch die Arbeit dort – in seinem Kopf formte sich der Wunsch, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen.

 

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Schon nach kurzer Zeit bietet sich ihm genau diese Chance: „Wir waren auf dem Boot und haben gefischt. Vor uns ein typisch norwegischer Sonnenuntergang – einer, der niemals endet. Wir fingen einen Dorsch und auf einmal fragte mich der Freund meines Vaters: ‚Willst du hier für mich arbeiten?‘. Mir war sofort klar, ‚Ja, ich mache das!‘“ Der Entschluss stand fest und eine Saison später war Seamus Kelm bereits ein fester Bestandteil des Teams.

 

„Es erfüllt mich mit Stolz, dass ich das machen kann, was ich liebe. Menschen die raue Natur zu zeigen, sodass sie mit einem Lächeln nach Hause fahren, ist jedes Mal geil“, erzählt Kelm. Neben der „brachialen“ Natur und der grenzenlosen Freiheit, begeistern ihn besonders der andere Lebensstil der Norweger sowie die hohe Lebensqualität. Doch manchmal kann es auch sehr einsam werden in der Kommune: „Bei uns ist nicht viel los. Du siehst hier immer die gleichen Menschen – dafür muss man sich auch entscheiden.“ Deshalb freut sich der leidenschaftliche Angel-Guide auch stets auf seinen Besuch in der Heimat. Nach sechs Monaten in Norwegen geht es nämlich zurück ins Oberbergische. „Ich freue mich jedes Mal, wenn ich wieder in Deutschland bin. Ich genieße es richtig unter Menschen zu kommen, die ich nicht kenne“, erzählt er.

 

 

Selbst nach acht Jahren in der Abgeschiedenheit ist Kelm aber immer noch voller Leidenschaft für seinen Beruf und überzeugt, dass seine damalige Entscheidung, die absolut richtige war. Was ihn daran reizt jeden Tag aufs Wasser zu fahren? „Es ist wie ein Glücksspiel, denn du weißt nie, was du bekommst. Es kann sein, dass du gar nichts fängst oder den Fisch deines Lebens erwischt.“ Verkaufen müsse er das, was er tut, nicht, denn er stehe mit ganzem Herzen dahinter, erzählt er. „Es würde mich freuen, wenn mehr Menschen ihre Passion finden“ – denn für ihn fühlt sich heute kein Tag mehr wie ein Arbeitstag an.

 

Weitere Einblicke in Seamus Kelms Leben gibt es auf seinem Instagram-Profil.

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