HANDBALL
Nümbrecht nach Derby-Pleite am Abgrund: „Wir sind jetzt in der Bringschuld!“
Oberberg – Nümbrecht gibt gegen Gelpe/Strombach ein vermeintlich schon gewonnenes Spiel nach der Pause aus der Hand - Die Handball-Regionalliga wird präsentiert von ‚Sportsbar Lutter‘.
SSV Nümbrecht – HC Gelpe/Strombach 29:31 (18:10).
Die Regionalliga-Handballer des SSV Nümbrecht taumeln in Richtung Oberliga. Nach der 29:31-Derby-Pleite gegen den HC Gelpe/Strombach herrscht beim Aufsteiger Alarmstufe Rot. Der Abstiegskampf biegt in seine heiße Phase ein. Während BTB Aachen (31:29 in Aldekerk) und Borussia Mönchengladbach (39:30 gegen am Hallo Essen) am drittletzten Spieltag punkteten, rutscht das Team von Manuel Seinsche auf den vorletzten Tabellenplatz ab. Die gute Nachricht aus oberbergischer Sicht: Die SSV-Handballer haben den Klassenerhalt weiter in der eigenen Hand. Der Rückstand auf das rettende Ufer beträgt derzeit einen Punkt. Am kommenden Samstag kommt es zum großen Showdown in Aachen.
[Der junge Lennart Last übernahm viel Verantwortung und traf siebenmal.]
Die über 400 Zuschauer erlebten einen Tag nach dem Kreispokalendspiel in Bergneustadt, wo Gelpe/Strombach gegen eine wild zusammengemixte SSV-Mannschaft den Zunft Kölsch Cup gewonnen hatte, ein verrücktes Derby. Gästetrainer Daniel Rodriguez beorderte mit Mike Heinzerling, Leonard Viebahn, Malte Meinhardt, Felix Maier und Torhüter Islam Elnoamany fast die komplette Stammsieben zunächst auf die Bank. Er begründete den Schritt mit dem Kräfteverschleiß vom Vortag „und, weil ich jedem Spieler die Möglichkeit geben wollte, sich zu beweisen“.
Das umgebaute HC-Team ging zunächst noch mit 2:0 (2.) in Führung, anschließend spielte aber fast nur noch Nümbrecht. Die Hausherren erarbeiteten sich defensiv immer wieder Bälle und drehten das Match zum 8:4 (11.), ehe Rodriguez reagierte und die erste Garde losließ. Die fand aber nur schwer ins Spiel. Über 10:6 (17.) und 14:8 (21.) beherrschten die Gastgeber das Geschehen weiterhin. Daran änderte auch die Einwechslung von Elnoamany nach 19 Minuten nichts. Philip Winkler (insgesamt neun Paraden) war bis zum Seitenwechsel der stärkere Torhüter. „Bis zur Pause haben wir uns komplett an unseren Plan gehalten“, blickte Seinsche nach dem Match auf den ersten Durchgang zurück.
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[Malte Meinhardt war in den Schlussminuten kaum zu stoppen. Mit seinen drei Toren in Folge - alle per Gegenstoß - kippte das Match.]
Dem HC merkte man nach dem Seitenwechsel zwar an, dass er sich nun anders präsentieren wollte, bis zum 19:13 (35.) agierte Nümbrecht trotzdem noch relativ kontrolliert. Doch dann erhitzte ein Foul die Gemüter. Tobias Schröter griff Malte Meinhardt bei einem langen Pass an den Wurfarm. Die Konsequenz: Zwei Minuten für den Rechtsaußen, Siebenmeter für die Gäste und eine HC-Mannschaft, die plötzlich auf Betriebstemperatur kam.
„Dieses Foul hat meinen Jungs einen Schub gegeben. Die Jungs waren danach angezündet“, sah Rodriguez nun eine Aufholjagd, die auch von weiteren Undiszipliniertheiten der Gastgeber unterstützt wurde. SSV-Torhüter Tom Rydzewski legte sich nach einem weggepfiffenen Abwurf mit den Schiedsrichtern an und kassierte beim 21:18 (42.) ebenfalls eine Zeitstrafe. Trotzdem sah es bis zum 28:24 (52.) weiter nach einem SSV-Sieg aus, auch weil sich Leonard Viebahn mit einer Zerrung durchs Spiel schleppte und Malte Meinhardt auf der ungewohnten Halbposition decken musste.
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[Auch die fünf Tore von Marcel Miebach konnten die SSV-Niederlage nicht verhindern.]
Dann implodierte die Nümbrechter Offensive aber vollkommen. „Wir geben nach 35 Minuten unseren Plan auf und bringen den HC über Undiszipliniertheiten ins Spiel. Wenn jeder Spieler meint, eine eigene Idee zu haben und versucht, mit dem Kopf durch die Wand zu gehen, kann man im Mannschaftssport nicht gewinnen“, analysierte Seinsche die Schlussphase, in der Islam Elnoamany (13 Paraden) zum Alptraum der Nümbrechter wurde. Allein in den Schlussminuten entschärfte der HC-Keeper sieben Großchancen. Das Match kippte zum 28:30 (57.) und spätestens mit dem verworfenen Siebenmeter von Lennart Last war die Entscheidung gefallen.
[HC-Topshooter Mike Heinzerling steuerte vier Tore zum Gästesieg bei.]
„Nümbrecht war in der ersten Hälfte klar besser, hat dann aber den Sack nicht zugemacht und uns wieder ins Spiel geholt. Die Moral, die meine Mannschaft bewiesen hat, ist sensationell“, meinte Rodriguez. Auf Manuel Seinsche wartet dagegen die schwierigen Aufgabe, seine Spieler für kommende Woche wieder aufzurichten: „Ich hoffe, wir glauben noch dran, sonst brauchen wir nicht nach Aachen zu fahren. Wir werden versuchen, uns bestmöglich vorzubereiten. Aber eins ist klar: Diese Liga ist brutal und eine andere Hausnummer. Da reichen 40 gute Minuten nicht. Wir sind jetzt in der Bringschuld.“
Nümbrecht: Lennart Last (7/1), Marcel Miebach (5), Dag Dissmann (4), Fabian Benger, Tim Hartmann (je 3), Niklas Witthaut (3/2), Dominik Donath (2), Johannes Urbach, Philipp Donath (je 1).
Gelpe/Strombach: Malte Meinhardt, Leonard Viebahn (je 6), Mike Heinzerling, Arvid Pötz (je 4), Jerome Dräger (3), Felix Maier (3/1), Lars Rostalski (2), Lukas Altjohann (2/1), Karol Makowiecki (1).
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