HANDBALL

Gummersbach scheitert dramatisch in den Playoffs

pn; 01.04.2025, 22:30 Uhr
Fotos: Thomas Wirczikowski ---- Ole Pregler war bei seinem Heimatverein einer der absoluten Aktivposten, konnte das Ausscheiden des VfL Gummersbach aber auch nicht verhindern.
HANDBALL

Gummersbach scheitert dramatisch in den Playoffs

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pn; 01.04.2025, 22:30 Uhr
Kassel/Gummersbach - Die Reise durch Europa ist für den VfL Gummersbach nach der 25:29-Niederlage bei der MT Melsungen beendet – 'RPP - Ambulantes Therapie- und Reha-Zentrum' und AggerEnergie präsentieren die Berichterstattung über den VfL Gummersbach.

Von Peter Notbohm

 

MT Melsungen - VfL Gummersbach 29:25 (14:13).

 

Aus, Schluss und vorbei: Die Europapokal-Reise des VfL Gummersbach ist beendet. Dieses Match hatte Drama versprochen und es war an Dramatik kaum zu überbieten. Mit hängenden Köpfen schlichen die VfL-Handballer aus dem Hexenkessel der Rothenbachhalle in Kassel. Sekunden zuvor hatte sich die Mannschaft von Gudjon Valur Sigurdsson aus der EHF European League verabschiedet. Der MT Melsungen reichte im Rückspiel der Achtelfinal-Playoffs ein 29:25-Sieg, das Hinspiel hatte Gummersbach vor einer Woche mit 29:26 für sich entschieden.

 

[Dominik Kuzmanovic gewann das Torhüterduell gegen Nebosja Simic klar, konnte das VfL-Aus aber auch nicht verhindern.]

 

„Das war der letzte Titel, den wir diese Saison holen konnten. Das ist einfach bitter“, suchte ein von 60 Minuten Handballschlacht gezeichneter Ole Pregler nach dem Spiel nach Worten. Gegen seinen Heimatverein war der Mittelmann bester Gummersbacher. Ähnlich enttäuscht äußerte sich Tom Kiesler nach dem Abpfiff: „Wir haben alles gegeben, trotzdem hat es am Ende nicht gereicht.“

 

 

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Ein Tor fehlte Gummersbach, um sich ins direkte Siebenmeterwerfen zu retten. Nachdem Melsungen seinen letzten Angriff bis aufs Letzte ausgereizt hatte, hatten die VfL-Handballer auch noch Pech: Der letzte Wurf von MT-Spielmacher Eric Balenciaga landete derart unglücklich hinter dem Tor, dass wertvolle Sekunden verrannen, bis VfL-Torhüter Bertram Obling den Ball endlich in Händen hielt, um einen letzten Pass zu spielen. Die verbleibenden drei Sekunden gingen aber bereits im Melsunger Jubel unter.

 

[Zuletzt kaum berücksichtigt: Giorgi Tskhovrebadze war nach dem Ausfall von Julian Köster wieder gefragt. Von seinem Trainer gab es nach dem Schlusspfiff lobende Worte für den Georgier.]

 

„So ist Sport. Manchmal ist es Pfosten rein, manchmal Pfosten raus. Natürlich sind wir traurig. Aber ich kann den Jungs heute keinen Vorwurf machen. Melsungen war am Ende etwas abgezockter und cleverer“, meinte VfL-Cheftrainer Gudjon Valur Sigurdsson. Sein Team lobte er für einen unfassbaren Kampf: „Ich habe die Mannschaft selten so fokussiert erlebt wie in den letzten Tagen. Die Jungs waren bereit, alles zu geben.“ Besonders in der Schlussphase merkte man dem VfL den Kräfteverschleiß nach dem kurzfristigen Ausfall von Julian Köster (OA berichtete) aber an.

 

Dabei hatte das Match ganz nach dem Geschmack der Gummersbacher begonnen: Gleich den ersten Wurf von Dainis Kristopans entschärfte VfL-Torhüter Dominik Kuzmanovic (10 Paraden). Auf der Gegenseite traf Miro Schluroff, der nach dem Ausfall Kösters zunächst mit Kentin Mahé auf der Mitte und Ole Pregler im rechten Rückraum die zweite Reihe bildete, zur 1:0-Führung für die Oberberger. Überhaupt zeigten sich die Gäste in den Anfangsminuten von ihrer aggressiven Seite und zwangen Melsungen sofort mehrfach ins passive Spiel. Der verdiente Lohn das frühe 2:4 (5.) durch Milos Vujovic.

 

[Kentin Mahé rackerte unermüdlich, seine Würfe verendeten aber häufig im MT-Block.]

 

Doch Melsungen stellte sich auf Gummersbachs Aggressivität zunehmend besser ein. Ein technischer Fehler Preglers leitete die stärkste Phase der Hessen im ersten Durchgang ein. Über 5:5 (9.) stellten sich nun auch die MT-Handballer zunehmend besser auf den Rechtshänder-Rückraum des VfL ein und zwangen ihrerseits Gummersbach mehrfach ins passive Spiel. Nur wenig später traf Nationalspieler Timo Kastening zum 7:5 (12.). Der VfL-Vorsprung aus dem Hinspiel war damit zum ersten Mal auf ein Tor zusammengeschmolzen, auch weil Kentin Mahé kaum ein Durchkommen gegen den breit gebauten MT-Innenblock fand. Der Franzose blieb trotz mehrerer Versuche torlos.

 

In der Folge entwickelte sich ein umkämpftes Spiel, in dem die beiden norwegischen Schiedsrichter ihre konsequente Passivlinie durchzogen, allerdings die zunehmende Härte nur schwer in den Griff bekamen. Über 8:8 (19.) und 12:12 (28.) hatten sich die Fans in der mit 2.851 Zuschauern gefüllten Halle schon fast mit einem Unentschieden zur Pause abgefunden. Der letzte Wurf von Dainis Kristopans rutschte Kuzmanovic aber unglücklich durch die Hände in den Winkel zum 14:13-Halbzeitstand.

 

Auch nach dem Seitenwechsel verlor die Partie nichts von ihrer Intensität. Sigurdsson ließ nun auch Giorgi Tskhovrebadze von der Leine. Der Geogier, der zuletzt fast gar nicht mehr berücksichtigt wurde, schraubte sich nach  fünf Minuten in die Luft und traf mit einem wuchtigen Wurf in den Winkel zum 15:15. Von Sigurdsson gab es nach dem Spiel ein Lob für den Nationalspieler, der insgesamt drei Tore erzielte: „Er war wieder da und hat gute Sachen gemacht.“

 

[Für Ian Barrufet war die Partie nach einem Foul an Ole Pregler vorzeitig beendet. Nationalspieler Timo Kastening (r.) war mit sieben Toren kaum zu stoppen.]

 

Über 17:15 (37.) gingen die Gäste beim 17:18 (39.) letztmals in Führung. Die rund 200 VfL-Fans im Gummersbacher Fanblock, die sich am Dienstagabend mit auf den Weg nach Kassel gemacht hatten, träumten vom Viertelfinale. Doch Melsungen berappelte sich: Beim 22:19 durch Balenciaga (45.) hatten die Gastgeber das Hinspielergebnis erstmals egalisiert und das obwohl man doch nicht auf Elvar Jonsson zurückgreifen konnte. Der Isländer hatte erst am Wochenende sein Comeback gegeben, war aber im Abschlusstraining umgeknickt.

 

Dass die ohnehin bereits brodelnde Stimmung in der Rothenbachhalle nun überkochte, lag an der folgenden Szene. Ole Pregler wurde von Meslungens Ian Barrufet aus der Luft geholt. Der VfL-Spielmacher landete unkontrolliert auf dem Rücken. Die fällige rote Karte für ihren sicheren Siebenmeterschützen quittierten die MT-Fans mit einem gellenden Pfeifkonzert. Das 22:21 (48.) durch Kristjan Horzen erwies sich anschließend nur als kurzes Gummersbacher Strohfeuer.

 

 [Miro Schluroff fehlte in den Schlussminuten bei seinen Würfen die letzte Präzision, nachdem der Shooter durch den Ausfall Kösters fast 60 Minuten durchspielen musste.]

 

Obwohl Sigurdsson inzwischen auch Teitur Einarsson bei seinem Comeback nach wochenlanger Pause dosiert einsetzte, sah man den Gummersbachern den Kräfteverschleiß zunehmend an. Miro Schluroff lief in der Schlussphase von Schmerzen gezeichnet über das Spielfeld. Über 25:22 (51.) ging Melsungen beim 27:23 (53.) erstmals mit vier Toren in Führung. Das Achtelfinal-Aus nahm erstmals Formen an, zumal kurz darauf Timo Kasting per Siebenmeter sogar zum 28:23 (55.) erhöhte.

 

Sigurdsson griff zur letzten grünen Karte und brachte den siebten Feldspieler. Tskhovrebadze zum 28:24 (56.) und Mathis Häseler zum 29:25 70 Sekunden vor Schluss hielten den Gummersbacher Traum noch am Leben. Doch Melsungen spielte die Schlussminute abgezockt herunter und feierte den Einzug ins Viertelfinale. Viel Zeit bleibt Gummersbach nicht, die Niederlage zu verarbeiten. Bereits am Samstag wartet das schwierige Auswärtsspiel in Kiel. Kiesler: „Ab morgen geht es weiter. Wir wollen weiter jedes Spiel gewinnen. Verlieren macht keinen Spaß!“

 

Melsungen: Eric Balanciaga (2), Nikolaij Enderleit (4), Adrian Sipos (2), Dainis Kristopans (3), Rogerio Moraes Ferreira (4), Marti Soler (1), Jonathan Svensson (2), Timo Kastening (7/1), Ian Barrufet (4/3).

 

Gummersbach: Miro Schluroff (4), Milos Vujovic (5/2), Ole Pregler (6), Mathis Häseler (2), Kristjan Horzen (4), Giorgi Tskhovrebadze (3), Stepan Zeman (1).

 

Zeitstrafen

10:12 Minuten (3x Moraes (Rot), Enderleit, Barrufet (Rot)- Blohme, Kiesler, 2x Schluroff, Horzen, Kodrin).

 

Siebenmeter

4/4 – 2/2.

 

Schiedsrichter

Andreas Davikbes Borge/Magnus Nuri Nygren (Norwegen).

 

Zuschauer

2.851.

 

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