HANDBALL
Roganovic geht voran: Ungefährdeter VfL-Sieg in Wetzlar
Gummersbach – Nur Bundesliga-Neuling Pantel bringt Gummersbach mit seinen Paraden zum Nachdenken - Ambulantes Therapie- und Reha-Zentrum' und AggerEnergie präsentieren die Berichterstattung über den VfL Gummersbach.
Von Benjamin Maus
HSG Wetzlar – VfL Gummersbach 33:36 (15:20).
Der VfL Gummersbach hat sich bei der Auswärtspartie gegen die HSG Wetzlar souveräner aus der Affäre gezogen, als es das Ergebnis vermuten lässt. Besonders die Torgefahr durch Shootingstar Nikola Roganovic und eine starke Leistung des dänisches Keepers Bertram Obling sorgten für einen nie gefährdeten Sieg in Hessen. Während Matthis Häseler sein Comeback feierte, kam auch Alex Dujshebaev zu vielen Einsatzminuten. Ludvig Hallbäck hingegen musste fast 60 Minuten auf der Bank Platz nehmen.
Trainer Gudjon Valur Sigurdsson hatte unter der Woche vor der verstärkten gegnerischen Mannschaft gewarnt und seine Spieler schienen ihm zugehört zu haben. Ab der ersten Minute gingen die Gummersbacher, die wie üblich mit dem Rückraum Schluroff, Roganovic und Smits starteten, mit hohem Tempo nach vorne. Nach Toren oder Ballverlusten der Gastgeber startete der VfL-Express direkt in die zweite Welle und erzielte schnell hohe Führungen wie beim 8:4 (10.) und 12:7 (15.).
Die Zuschauer durften in der Anfangsphase spektakuläre Tore von Nikola Roganovic per Fernwurf aus dem Rückraum sowie Tilen Kodrin und Lukas Blohme beim Tempogegenstoß bestaunen. Nachdem Wetzlars Torhüter Bart Ravensbergen kaum eine Hand an den Ball bekam, schlug die große Stunde des Hendrik Pantel. Der 20-jährige Holländer vertrat den verletzten Lázló Bartucz und brachte die Buderus-Arena zum Kochen. Innerhalb kürzester Zeit entschärfte er je zwei Würfe von Vidarsson und Dujshebaev, sodass die HSG im Spiel blieb.
Trainer Sigurdsson machte seinem Unmut in seiner ersten Auszeit Luft: „Wir wollten 30 Minuten effektiv sein. Jetzt lässt die Konzentration nach. Das ist kein Respekt vor dem Gegner, wie wir mit unseren Chancen umgehen.“ Im weiteren Verlauf der ersten Halbzeit drehte dann auch Bertram Obling im Tor der Gäste auf, sodass das Tempospiel wieder voll in Fahrt kam. Über 12:19 (27.) nahmen die Oberberger einen 20:15-Vorsprung mit in die Kabine.
Nach der Pause übernahmen vor allem Miro Schluroff und Nikola Roganovic die Regie im Gummersbacher Angriff. Nachdem der Schwede zwei Mal per „Hammer“ aus dem Rückraum traf, setzte er sich in der 37. Minute an den Kreis ab, erhielt ein Anspiel von Schluroff und vollendete sehenswert per Dreher zum 18:26. Spätestens beim 20:29 (40.) schien das Spiel gelaufen zu sein, doch die Südhessen legten nach einer Auszeit nochmal eine Schippe drauf.
Als die Ansagen von Trainer Rúnar Sigtryggsson ihre Wirkung entfalteten und die HSG Wetzlar auf 25:30 (48.) verkürzte, drückte auch Sigurdsson auf den Buzzer. Das beorderte Sieben-gegen-Sechs wurde zwar nach zwei vergeblichen Versuchen beendet, aber danach spielte der VfL die Führung im Stile einer Spitzenmannschaft herunter. Schluroff, Horzen und wiederum Roganovic sicherten den doppelten Punktgewinn. In einem teilweise wilden Run-and-Gun auf beiden Seiten geriet der schlussendlich etwas knappe 36:33-Auswärtsieg nie wirklich in Gefahr.
Neben der individuellen Klasse von Nikola Roganovic und Bertram Obling waren vor allem das Tempospiel und die Pässe an den Kreis zu Kristjan Horzen die wichtigsten Faktoren des Erfolgs. In der Deckung fehlte hingegen phasenweise die Aggressivität und Absprache. Hier wird Tom Kiesler weiterhin schmerzlich vermisst. Auch die Gastgeber durften erhobenen Hauptes vom Platz gehen. Beim Comeback ihres neuen Kapitäns Josip Simic haben sie sich nie aufgegeben und sich vor ihrem Heimpublikum kämpferisch präsentiert.
„Das war das erwartet umkämpfte Spiel, was wir immer in Wetzlar haben. Wir können in der ersten Halbzeit eigentlich mit zehn weggehen und entscheiden das Ding dann nicht“, haderte Miro Schluroff im DYN-Interview mit der „katastrophalen Wurfquote“. Angesprochen auf die Saisonziele wagte der Rückraumshooter auch einen Blick über die Bundesliga hinaus: „Wir wollen in allen Wettbewerben so weit kommen wie möglich und im Optimalfall zu zwei Final Fours.“
Am Mittwoch steht für den VfL Gummersbach die zweite Runde im DHB-Pokal beim Dessau-Rosslauer HV an. Schluroff ist hochmotiviert: „Das Final Four in Köln wäre quasi ein Heimspiel für uns und man sieht, welche Magie es hat. Wir standen schon so oft kurz davor, es zu erreichen. Das ist ein ganz, ganz großer Traum.“
Wetzlar: Tristan Kirschner (10/3), Josip Simic (4), Dominik Mappes, Doruk Pelivan, Paul Kompenhans, Marti Soler (je 3), Ahmed Nafea, Tomas Piroch, Nikolaj Læsø (je 2) Niklas Theiß (1).
Gummersbach: Nikola Roganovic (8), Kristjan Horzen, Kay Smits (je 6) Miro Schluroff (4), Lukas Blohme, Alex Dujshebaev, Mathis Häseler (je 3) Tilen Kodrin (2), Ellidi Vidarsson (1).
Zeitstrafen
2:4 Minuten (Simic - Kodrin, Sigurdsson).
Siebenmeter
3/3 – 2/2.
Schiedsrichter
Robert Schulze/Tobias Tönnies
Zuschauer
3545.
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