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AOK präsentiert Top-Unternehmen in Oberberg: Erzquell-Brauerei
(om/23.6.2004-16:45) Von Oliver Mengedoht
Wiehl-Bielstein In dieser Reihe stellt Oberberg-Aktuell die größten und bekanntesten Unternehmen der Region vor präsentiert von der AOK Rheinland heute die Erzquell-Brauerei Bielstein.

Kölsch nur aus der Rheinmetropole? Von wegen - im traditionsreichen oberbergischen Ort Bielstein wird schon seit 1900 Bier gebraut, bereits an der Ortseinfahrt liest man: "Bierdorf Bielstein". Hier hat die Erzquell-Brauerei als "höchstgelegene Kölschbrauerei der Welt" ihre Braustätte. Darf Kölsch nicht nur in den Stadtgrenzen Kölns gebraut werden? Im Prinzip richtig, doch genießen die traditionsreichen Brauereien im Umland, die sich schon immer auf das helle Obergärige spezialisiert haben, einen Bestandsschutz.
Seit vier Generationen im Familienbesitz wurde die Brauerei im Jahr 1900 als "Adler Brauerei GmbH" gegründet und am 5. September 1900 verließ das erste in Bielstein hergestellte Bier die Brauerei. Im Jubiläumsjahr 2000 gab es in Bielstein eine Fülle von Veranstaltungen während des ganzen Jahres, vom Prinzenempfang zu Karneval, einer Kunstausstellung im Sudhaus über Preisverleihungen in Sport, Wissenschaft und Kultur, bis zu den großen Brauerei Open Air-Konzerten, Veranstaltungen mit internationalen Künstlern auf dem Gelände der Brauerei.

Der ganz große Tag war dann der 9. September: In zwei großen Festzelten und auf zwei Open Air-Bühnen mit 20 Bands und Kapellen, Brauereibesichtigung, Kinderbelustigung, Ochs am Spieß und vielen anderen Attraktionen wurde den ganzen Tag gefeiert, natürlich mit Zunft Kölsch, dem zünftigen Schluck. Über 10.000 grüne Ballons wurden in die Luft gelassen, rund 15.000 Menschen nutzten die Möglichkeit einer Brauereibesichtigung und insgesamt feierten über 40.000 Besucher das Jubiläum auf dem Firmengelände in Bielstein mit.
Bei Weihenstephan gelernt - Wiehltalbahn war ideal

Die Kunst des Bierbrauens lernte Kind in der bayrischen Brauerschule Weihenstephan. Seinen späteren Neffen Fritz Ehrlicher stellte er als Braumeister ein. Um Quellwasser ins Brauhaus zu leiten, musste zunächst eine mehrere Kilomter lange Wasserleitung gebaut werden. Die 1897 gegründete Wiehltalbahn war ideal, um die notwendigen Rohstoffe angeliefert zu bekommen, gleichzeitig konnte das Bier abtransportiert werden. Am 5. September 1900 verließ das erste Bier der Adler-Brauerei GmbH - so der damalige Name - das Sudhaus in Bielstein. 15.000 Hektoliter Bier wurden im Gründungsjahr gebraut, doppelt soviel Gerstensaft war es bereits 1913.


Nach dem Zweiten Weltkrieg lief die Produktion 1948 wieder an. Werner Haas übernahm die Geschäftsführung. Unter seiner Leitung wurden umfangreiche Modernisierungsmaßnahmen vorgenommen und mit "Zunft Kölsch" eine neue Marke etabliert. Die Kooperation mit der Schwesterbrauerei in Siegtal führte zum seit 1979 beibehaltenen Namen Erzquell Brauerei. Nachdem Axel Haas in diesem Jahr die Geschäftsführung der Siegener Braustätte übernommen hatte, wurde er 1983 nach dem Tod seines Vaters auch Geschäftsführer für den Standort Bielstein.

Das Herzstück der Brauerei bildet seit eh und je das Sudhaus mit den kupfernen Kesseln. Hier wird aus den Rohstoffen Wasser, Gerstenmalz und Hopfen Zunft Kölsch und Erzquell Pils eingebraut. In riesigen Gärtanks entwickelt das Bier unter Zugabe von Hefe seinen vollendeten und typischen Geschmack. Bei tiefen Temperaturen reift es im Lagerkeller langsam heran und klärt sich zur vollkommenen Geschmacksabrundung. In der Filtration wird das Bier schonend kristallklar gefiltert.
"Qualitätssicherung und -kontrolle sind in unserem Hause oberstes Gebot", erläutert Haas. Vom Sudhaus bis zur Abfüllung werde Zunft Kölsch im hauseigenen Labor ständig kontrolliert. In der KEG-Abfüllung werden die Fässer für die Gastronomie vollautomatisch gereinigt, kontrolliert und befüllt. Bis zu 40.000 Flaschen pro Stunde können in der modernen, vollautomatischen Flaschenabfüllanlage gereinigt, kontrolliert, befüllt, etikettiert und in Kästen verpackt werden. Frisch aus der Abfüllung wird dann der Gerstensaft verladen und in die Gastronomie und den Handel gebracht.
Nicht nur in der Flasche kommt Zunft Kölsch gut an, auch im Gastronomiebereich ist der zünftige Schluck ein Renner: 40 Prozent des Gesamtausstoßes von über 200.000 Hektolitern werden an die Restaurants, Bistros und Cafés der Region abgegeben. Für die Beliebtheit spiele die Wahl des Wassers eine bedeutende Rolle, erläutert Marketingleiter Oliver Pack "Hier bedient man sich aus einer eigenen Quelle nahe der Brauerei: frisches, weiches und klares Wasser."

Auf dem Markt der Mischgetränke habe sich in den letzten Jahren sehr viel getan, erklärte der Brauerei-Chef, "da gibt es ein sehr starkes Wachstum". Er ist sicher, dass Kölsch sich zum Mischen besonders gut eigne, weil es leicht und bekömmlich sei, zudem erfrischend. "Die Zielgruppe ist natürlich die Jugend, die ja immer sehr innovativ ist, aber auch die Autofahrer, denn mit 2,4 Prozent Alkohol zählt es zu den alkoholarmen Erfrischungsgetränken."

Mit 2,4 Volumenprozent Alkoholgehalt zählt es zu den alkoholarmen Erfrischungsgetränken und wird in einer 0,33 Liter "Longneck"-Flasche verkauft. Das ursprüngliche Radler, Bier mit Zitronenlimonade, ist bereits seit 100 Jahren bekannt und mittlerweile als Klassiker aus dem Sortiment der Gaststätten und Getränkemärkte nicht mehr wegzudenken. Der Münchener Wirt Franz Xaver Kugler gab Anfang des 20. Jahrhunderts dem Radler seinen Namen, als er auf seiner Kugler-Alm den zahlreichen radfahrenden Gästen ein aus Mangel an Gerstensaft zur Hälfte mit Zitronenlimonade versetztes Bier als eigens für die Radfahrer erfundenes "Radlermaß" verkaufte.
Und seit dem Mai bietet die Erzquell-Brauerei zusätzlich zu ihrem bekannten Sortiment ihr Pils unter dem Motto "Eine Legende kehrt zurück" auch wieder in einer 0,5 Liter-Bügelflasche im neuen und modernen 16-er Kasten an. Die Bügelflasche war ursprünglich das erste Bierflaschenformat und wurde erst Mitte der 60-er durch die Kronkorken verdrängt. Lediglich eine Marke blieb bei der Bügelflache, die durch die Comicfigur Werner Brösel wieder populär wurde. Die Retrowelle habe auch die Bierflasche erfasst, erklärte Werbeleiter Oliver Pack, und damit habe die Bügelflasche einen echten Kultstatus bei den Biertrinkern bekommen. "Sie passt heute besser denn je in den Markt, auf dem für die Verbraucher neben der Produktqualität auch eine trendige Verpackung eine große Rolle spielt", ist sich Haas sicher. Im Unterschied zur Produktion vor 30 bis 40 Jahren werden die Bügel aber nicht per Hand geschlossen, sondern mit einer hochmodernen Maschine. Als einzige Brauerei der Region lässt die Erzquell-Brauerei es seitdem wieder "ploppen".

Sie richtet seit 20 Jahren den Zunft Kölsch-Lauf von Köln nach Bielstein aus und hat mit ihrer Brauerei Open Air-Konzertreihe in den Wiehlauen hinter der Brauerei eine feste kulturelle Veranstaltung etabliert. Neben Bläck Fööss oder Guildo Horn sowie lokalen Vorbands traten hier schon die SAS Band (unter anderem mit Paul Young), T.Rex, Sweet und Slade, The Hollies, Hot Chocolate, die Weather Girls und Creedence Clearwater Revisited auf, in diesem Jahr stehen die Musiklegende von Status Quo und die Kölschrocker von BAP auf dem Programm.

Haas sieht die Brauerei heute auf einer soliden Basis. Es gelte weiterhin, die regionale Kompetenz von Erzquell zu stärken und die Geschäftspolitik im Sinne eines Familienunternehmens weiter zu betreiben, weil darauf das Vertrauensverhältnis zu den Geschäftspartnern beruhe.
Auch in der derzeit sicherlich nicht einfachen wirtschaftlichen Situation konnte Erzquell mit seinem Hauptprodukt "Zunft Kölsch" seine Marktposition als eine der führenden Kölsch-Brauereien festigen und ausbauen. "Wir konnten bei vielfältigen Aktionen und Veranstaltungen erleben, wie eng die Verbraucher mit unserer Brauerei und unseren Spezialitäten verbunden sind."

Zuversichtlich sieht er aufgrund der positiven Ertragslage auch in die Zukunft. Der Biermarkt werde zwar in den kommenden Jahren sicher nicht einfacher werden, bekannte Haas, "jedoch haben wir eine solide Basis geschaffen, um uns als mittelständische Privatbrauerei den Herausforderungen des Wettbewerbs stellen zu können und damit auch in Zukunft für die Entwicklung unseres Unternehmens positive Aussichten zu haben."
Unternehmens-Historie
1900 Ernst Kind gründet die Adler-Brauerei GmbH
1920 Schwiegersohn Carl Haas übernimmt die Geschäftsführung
1936 Umwandlung und Umbenennung in "Bielsteiner Brauerei" nach Übernahme der Siegtal-Brauerei Burgmann & Wildenberg
1948 Produktion nach dem Zweiten Weltkrieg läuft wieder an; Werner Haas übernimmt die Geschäftsführung
1979 Umbenennung in Erzquell-Brauerei
1983 Dr. Axel Haas übernimmt die Geschäftsführung
1987 Als Höhepunkt großer Investitionen wird das kupferne Sudhaus in Betrieb genommen
2000 Große Jubiläumsfeierlichkeiten über eine ganze Woche zum 100. Geburtstag
2001 BLACK, das erste Kölsch-Mixgetränk einer deutschen Brauerei wird eingeführt
2002 Die Association of Brewers verleiht den World Beer Cup 2002 für Zunft Kölsch in Aspen/Colorado, USA
2003 Zunft Radler wird als alkoholarmes Erfrischungsgetränk (2,4 Volumenprozent Alkoholgehalt) in der 0,33 Liter "Longneck"-Flasche auf den Markt gebracht
2004 Erzquell Pils wird auch wieder in Bügelflaschen angeboten

Unternehmensform: Erzquell-Brauerei Bielstein Haas & Co. KG
Leitung: Geschäftsführender Gesellschafter Dr. Axel Haas
Beschäftigte: 60
Produktionsstandorte: Wiehl-Bielstein, Siegen
Produkte: Zunft Kölsch, Zunft Kölsch Light, Zunft Radler, Erzquell Pils, Erzquell Pils alkoholfrei,
Black Kölsch&Cola, Golden Malz, Kupfer Alt
Kunden/Märkte: Getränkefachgroßhandel, Gastronomie und Lebensmittelhandel in Oberberg, Rhein-Berg, Rhein-Sieg, Köln, Siegerland, Kreis Altenkirchen und Westerwald
Sitz der Gesellschaft: Bielsteiner Straße 108, 51674 Wiehl
Internet: www.zunft-koelsch.de

Den Firmenservice der AOK Rheinland, die bei Oberberg-Aktuell die Top-Unternehmen präsentiert, finden Sie hier.