JUNGE LEUTE
Kleine Entdecker in und an der Aggertalhöhle
Engelskirchen – Die Bergische Waldschule des Landesbetriebs Wald und Holz Nordrhein-Westfalen hat in Engelskirchen zum zweiten Mal die Waldjugendspiele veranstaltet.
Im Wald herumtollen, Eichhörnchen und Vögel beobachten, Verstecken spielen, Blätter bestimmen oder auch Bucheckern sammeln: Als Kind den Wald zu entdecken, das dürfte wohl für viele Oberberger zum Aufwachsen dazugehört haben. Doch obwohl der nächste Wald in der Regel nicht weit entfernt ist, gibt es auch im Oberbergischen Kinder, denen dieser Lebensraum völlig fremd ist. Um das zu ändern, finden heute und am kommenden Donnerstag nach der Premiere im vergangenen Jahr zum zweiten Mal die Engelskirchener Waldjugendspiele statt. Dabei können die jungen Schülerinnen und Schüler nicht nur den Wald rund um die Aggertalhöhle entdecken, sondern auch die beeindruckenden Felsformationen in der Höhle erkunden.
Organisiert werden die Engelskirchener Waldjugendspiele von der Bergischen Waldschule des Landesbetriebes Wald und Holz Nordrhein-Westfalen in Zusammenarbeit mit regionalen Partnern, so zum Beispiel mit dem Bienenzuchtverein Engelskirchen, der Bergischen Agentur für Kulturlandschaft und dem Rückepferdebetrieb Hermann. In diesem Jahr nehmen rund 200 Kinder teil, sagte Sina Rogge, die Leiterin der Bergischen Waldschule, im Gespräch mit OA. Mit dabei sind Schülerinnen und Schüler der 3. und 4. Klassen aller vier Engelskirchener Grundschulen – der GGS Engelskirchen, der GGS Ründeroth, der GGS Schnellenbach und der Katholischen Grundschule Loope.
Los geht es für die Kinder am Parkplatz an der Aggertalhöhle. Auf einem etwa drei Kilometer langen Parcours kommen sie an insgesamt acht Stationen vorbei. Dabei können sie sich mit ganz unterschiedlichen Themen beschäftigen, so etwa den Baumarten, Waldregeln, der Imkerei, der Jagd, Waldarbeit und Fledermäusen. Zwei besondere Highlights sind dabei, zu sehen, wie ein Rückepferd in einem Wald arbeitet, und natürlich der Besuch der Höhle im Rahmen einer kleinen Führung. Laut Sylvia-Kathrin Tanneberger vom Führungsbetrieb der Aggertalhöhle wird den Kindern dabei nicht nur der Eingangsbereich der Höhle gezeigt, sondern auch der Hauptgang.
[In der Aggertalhöhle haben viele Kinder diesen besonderen Stein entdeckt, der – je nach Perspektive – an einen Raben oder einen Adler erinnert.]
Aus Erfahrung weiß Sina Rogge, dass immer mehr Kindern der Zugang zur Natur fehlt. Doch die Leiterin der Bergischen Waldschule findet es wichtig, dass die jungen Menschen die Natur erfahren und kennenlernen. „Denn nur dann kann sie auch geschützt werden“, sagte Rogge. Außerdem würden ihr Lehrkräfte immer wieder rückmelden, dass insbesondere Kinder, die in der Schule eher Schwierigkeiten haben, im Wald aufblühen und sich Dinge merken würden – so zum Beispiel, welche Sachen in einem Wald nichts verloren haben, wie Müll, Feuer, glimmende Zigaretten oder auch Gartenabfälle.
Die Waldjugendspiele wurden erstmals 1970 in der Nähe von Nürnberg durchgeführt und kamen 1977 nach Nordrhein-Westfalen. Heute sind sie in vielen Orten fester Bestandteil der Umweltbildung. Die Bergische Waldschule wurde 2005 in Lindlar als außerschulischer Lernort für Umweltbildung im Wald gegründet. Seit 2019 besteht zwischen der GGS Schnellenbach, der Gemeinde Engelskirchen und dem Regionalforstamt Bergisches Land, Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen, eine Kooperation. Seitdem befindet sich die Bergische Waldschule in Engelskirchen. 2020 wurde die Bergische Waldschule BNE-zertifiziert und erfüllt damit laut Sina Rogge besondere Qualitätsstandards in der Umwelt – und Nachhaltigkeitsbildung.
„Engelskirchen ist eine der waldreichsten Gemeinden in ganz NRW“, sagte Bürgermeister Lukas Miebach. Dass die Kinder bei den Waldjugendspielen etwas über ihre Heimat und die Umgebung lernen und bestenfalls noch etwas für ihr Leben mitnehmen würden, gefiel dem Bürgermeister sehr gut.
Die Aggertalhöhle kann übrigens noch bis zum 1. November besucht werden. „Ab dem 2. November gehört die Höhle den Fledermäusen“, sagte Sylvia-Kathrin Tanneberger schmunzelnd. Im April werden dann wieder Führungen durch die Aggertalhöhle angeboten. Die neue Saison beginnt am 1. April.
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