JUNGE LEUTE

Nach dramatischem Start: Schüler schicken Sonde auf 36.000 Meter Höhe

lw; 18.05.2026, 13:18 Uhr
Fotos: Lars Weber --- Kurz vor dem Start, den die Schüler ebenso gespannt verfolgten wie Lehrer und Eltern.
JUNGE LEUTE

Nach dramatischem Start: Schüler schicken Sonde auf 36.000 Meter Höhe

  • 0
lw; 18.05.2026, 13:18 Uhr
Bergneustadt – Stratosphärenflug des Wüllenweber-Gymnasiums im Rahmen der Projektwoche ist ein Erfolg – Mehr als zehn Millionen Messdaten wurden gesammelt – Abenteuerliche Suche nach der Sonde nach der Rückkehr zur Erde.

Von Lars Weber

 

Am Ende wurde es kurz vor dem wichtigen Start richtig knapp für die Bergneustädter Schülerinnen und Schüler des Wüllenweber-Gymnasiums bei ihrem ambitionierten Experiment, das sie im Rahmen der Projektwoche durchführen wollten. Dabei sollte ein Heliumballon inklusive einer Sonde bestückt mit diversen Messgeräten auf bis zu 40.000 Meter in die Stratosphäre steigen. Doch dann erhöhte sich der Puls der Beteiligten: Der GPS-Tracker funktionierte nicht richtig, dabei lief die Zeit ab, in der der Luftraum extra für das Experiment gesperrt war. Just in den Momenten, als sich der Ballon endlich unter dem Jubel der anwesenden Schüler, Lehrer und Eltern und zu den Klängen von „Major Tom“ in die Lüfte erhob, war dann klar: Die Zeit wurde eingehalten. Und auch danach lief das Experiment glatt: Auf 36.047 Meter stieg der Ballon, bis er platzte – und wiedergefunden wurde die Sonde nach ihrer Rückkehr zur Erde auch. „Der Stratosphärenflug des Wetterballons war ein voller Erfolg – fachlich wie auch pädagogisch“, resümierte Lehrer Philipp Krumm, der zusammen mit Stephanie Zimmermann die 30 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 5 bis 11 betreut hatte.

 

WERBUNG

Abgesehen von der Vorbereitung und der Bestellung der Bauteile haben die Schülerinnen und Schüler alles selbst gemacht. In nur drei Tagen wurden die Teile verbaut, die Sensoren kalibriert, die Inszenierung geplant und für die nötige Technik gesorgt. Dazu wurden diverse Gruppen eingeteilt, jeder hatte seine Aufgabe und seinen Verantwortungsbereich. Und am Start-Tag am Freitag spielte letztlich auch das Wetter mit und sorgte für ordentliche Bedingungen.

 

[Die inneren Werte zählen: In der Sonde waren allerei Messgeräte verbaut.]

 

Laut Krumm sei gerade die Bestückung der Sonde ziemlich einmalig für ein solches Schulexperiment gewesen. So wurden nicht nur Fluggeschwindigkeit, Höhe und die Beschleunigung oder die Temperaturen, Luftfeuchtigkeit oder Luftdruck gemessen. Auch UVA- und UVB-Strahlung, Röntgenstrahlung und sogar radioaktive Beta- und Gammastrahlung wurden gemessen. Mit an Bord befand sich außerdem jener GPS-Tracker, der beim Start für ordentlich Nervenkitzel gesorgt hatte. Der "Plan B", ein AirTag zur Bestimmung des Standorts nach der Landung, lag aber schon bereit und wurde noch zusätzlich an die Styroporsonde angebracht – das beruhigte die Nerven etwas.

 

[Vorsicht war angesagt, als der Ballon mit Helium gefüllt wurde. Jeder Dreck auf dem Stoff hätte dafür sorgen können, dass der Ballon früher platzt als gewollt.]

 

Um den Wetterballon – dieser durfte während des Befüllungsvorgangs über fast eine Stunde nur mit Handschuhen angefasst werden (Platzgefahr!) – in die gewünschte Höhe zu bekommen, verwendeten die Schülerinnen und Schüler etwa 6.100 Liter reines Helium, das der Förderverein der Schule gesponsert hatte. Dem Zufall sollte so wenig wie möglich überlassen werden. Von der Flughöhe über den Zeitpunkt des Platzens des Ballons über den Weg der Sonde am Fallschirm zurück auf die Erde – alles wurde berechnet und simuliert. Rund drei Stunden sollten vom Start bis zur Landung etwa vergehen. Das Team wusste schon beim Start, dass sie sich Richtung Meinerzhagen aufmachen müssen, um ihre Sonde wieder einzusammeln.

 

[Grafik: Wüllenweber-Gymnasium --- Die Flugroute der Sonde wurde aufgezeichnet und zeigt, wie sie von Bergneustadt nach Olpe kam.]

 

Gelandet ist die Sonde schließlich in Drolshagen-Öhringhausen. „Die Aufzeichnung der Flugroute habe sehr gut funktioniert, sagte Krumm einen Tag nach dem Experiment glücklich. Spannend sei aber die Ortung gewesen. „Wir haben den Kontakt zur Sonde planmäßig um 15:17 Uhr verloren, da die Sonde schon zu hoch war, um sich tracken zu lassen. Es war bis kurz vor der Landung nicht klar, ob wir orten können.“ Mit fünf Autos sei man dann in die Gegend gefahren, wo die Sonde vermutet wurde. „Fünf Minuten vor Landung haben wir dann ein Signal erhalten und sind der Sonde entgegengefahren.“

 

Durch starke Seitenwinde sei die Sonde dann auf den letzten gut 200 Metern noch mal ordentlich abgetrieben. Bei dem Versuch, an die Stelle im Wald zu kommen, habe sich außerdem ein Auto zwischendurch festgefahren. „Wir sind aber recht nah rangekommen, mussten zu Fuß einen Bach überqueren, einen Berg hinauf und durch dichten Wald hindurch. Die Sonde war glücklicherweise nicht im Baum, sondern konnte von uns auf einer Art Lichtung geborgen werden. Direkt vor Ort haben wir noch alle Daten gesichert und ausgelesen.“

 

Die Ergebnisse (siehe Kasten) werden nun Teil des Unterrichts sein. Krumm ist jetzt aber schon begeistert von der Erfahrung. „Die Jugendlichen haben naturwissenschaftliche Inhalte hautnah erlebt, haben Verantwortung übernommen und als echtes Team zusammengearbeitet.“ Man habe sich aufeinander verlassen können. Und nicht zuletzt sei die Freude und der Spaß am Experiment während des gesamten Projekts spürbar gewesen.

 

Erste Erkenntnisse
 

Mehr als zehn Millionen Messdaten sind während des Flugs gesammelt worden. „Wir haben alles ausgereizt, was ging“, sagte Lehrer Krumm. „Wir haben die geplante Aufstiegsgeschwindigkeit perfekt getroffen (5 m/s). Der Ballon habe eine maximale Geschwindigkeit von über 200 km/h im direkten Sinkflug erreicht. „Das ist mehr als ursprünglich gedacht.“ Dass die Sonde mit allen Geräten heil geblieben ist, zeige, wie sorgfältig die Schülerinnen und Schüler gearbeitet haben. „Seile, Knoten, Dichtungen – all das musste unter wirklichen Extrembedingungen halten.“

Innerhalb der Sonde wurde es sehr kalt, „kälter als gedacht“. Mit -15,6 Grad Celsius seien die Geräte einer sehr niedrigen Temperatur ausgesetzt gewesen. „Wenn man bedenkt, dass die Temperatur innen zwischen -15,6 und +29,1 Grad Celsius innerhalb kurzer Zeit geschwankt hat, zeigt das, wie strapaziös das für die Elektronik war.“

Beim Sinkflug sei eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit (99,9 Prozent) erreicht worden, da die Sonde genau durch Regenwolken durchgeflogen ist. In der Stratosphäre selbst sei es wie erwartet trocken (da kein Wetter, keine Wolken, trockene und enge Luftschichtung) gewesen mit 0,1 Prozent Luftfeuchtigkeit.

 

„Die Strahlungsintensität war sehr, sehr hoch. Das bedarf noch einer genaueren Analyse. Wir haben aber allein im radioaktiven Bereich über 40.000 Ereignisse zählen können, die dann aber in der Schule noch näher ausgewertet werden können“, erklärte Lehrer Krumm.

BILDERGALERIE

KOMMENTARE

0 von 800 Zeichen
Jeder Nutzer dieser Kommentar-Funktion darf seine Meinung frei äußern, solange er niemanden beleidigt oder beschimpft. Sachlichkeit ist das Gebot. Wenn Sie auf Meinungen treffen, die Ihren Ansichten nicht entsprechen, sehen Sie von persönlichen Angriffen ab. Die Einstellung folgender Inhalte ist nicht zulässig: Inhalte, die vorsätzlich unsachlich oder unwahr sind, Urheberrechte oder sonstige Rechte Dritter verletzen oder verletzen könnten, pornographische, sittenwidrige oder sonstige anstößige Elemente sowie Beschimpfungen, Beleidigungen, die illegale und ethisch-moralisch problematische Inhalte enthalten, Jugendliche gefährden, beeinträchtigen oder nachhaltig schädigen könnten, strafbarer oder verleumderischer Art sind, verfassungsfeindlich oder extremistisch sind oder von verbotenen Gruppierungen stammen.
Links zu fremden Internetseiten werden nicht veröffentlicht. Die Verantwortung für die eingestellten Inhalte sowie mögliche Konsequenzen tragen die User bzw. deren gesetzliche Vertreter selbst. OA kann nicht für den Inhalt der jeweiligen Beiträge verantwortlich gemacht werden. Wir behalten uns vor, Beiträge zu kürzen oder nicht zu veröffentlichen.
WERBUNG