JUNGE LEUTE

Schüler setzen Zeichen gegen Rassismus

pn; 05.02.2026, 18:00 Uhr
Fotos: Peter Notbohm ---- Friedhelm Julius Beucher (r.) hatte Para-Sportlerin Kim Vaske (m.) und Jörg Frischmann (l., Geschäftsführer Parasport Bayer Leverkusen) zum Projekttag „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ an der Gesamtschule Derschlag eingeladen. Mit Siebtklässlern wurde über das Leben mit einer körperlichen Behinderung gesprochen.
JUNGE LEUTE

Schüler setzen Zeichen gegen Rassismus

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pn; 05.02.2026, 18:00 Uhr
Gummersbach – Die Gesamtschule Derschlag ist Teil des Netzwerks "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" – Beim Projekttag widmeten sich Schülerinnen und Schüler dem Thema.

Von Peter Notbohm

 

Seit 2013 ist die Gesamtschule Gummersbach-Derschlag Mitglied im Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Mit ihrer Vielfalt an Schülerinnen und Schülern ist die Schule ein Musterbeispiel eines Schmelztiegels, in dem unterschiedliche kulturelle Hintergründe, Werte und Herkünfte zu einer neuen, gemeinsamen Schulkultur verschmelzen. Ein Teil des Schulprogramms ist der aktive Einsatz gegen Rassismus, Diskriminierung und Gewalt. Dazu gehören Projekttage, wie zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar, an dem an die Befreiung des Konzentrationslagers Ausschwitz erinnert wird. Über zwei Tage setzten sich die Schüler diese Woche in Workshops mit Themen zu Vielfalt, Toleranz und einem respektvollen Miteinander auseinander. Für mehrere Klassen ging es zudem auf Exkursion zu Gedenkstätten.

 

Mit eindringlichen Worten richtete sich Schulleiter Ingolf Weber bei der Auftaktveranstaltung in der Mensa der Schule an die anwesenden Schüler. Sie seien nicht schuld an den Taten der Nazis, die Erinnerung an diese sei aber wichtig, damit sich Geschichte nicht wiederholt, sagte er. Gleichzeitig berichtete er von besorgniserregenden Umfragen, wonach 60 Prozent der 14- bis 20-Jährigen in Deutschland heute mit dem Begriff „Ausschwitz“ – dem Synonym für den Massenmord der Nazis - nichts mehr anfangen könnten. Umso wichtiger sei der gesellschaftliche Einsatz an der Schule, die mit dem Projekttag ein Zeichen für Offenheit, Toleranz und vielfältige Gesellschaft setzen will.

 

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Eingeladen war auch in diesem Jahr wieder Friedhelm Julius Beucher (Foto). Der SPD-Politiker aus Bergneustadt und Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes hat 2013 die Patenschaft für das Siegel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ in Gummersbach übernommen. Auch er mahnte, dass man aus Geschichte lernen müsse und rief dazu auf, sich gegen Hass und Fremdenfeindlichkeit zu positionieren. Dabei zog er Parallelen zu den aktuellen Entwicklungen in den USA rund um die Einwanderungsbehörde ICE oder der Inhaftierung des Istanbuler Bürgermeisters Ekrem Imamoğlu.

 

„Hinterfragt Dinge und glaubt nicht alles, was man euch sagt. Gegen Rassismus und Fremdenhass müsst ihr euch wehren, denn alle Menschen sind gleich“, sagte das ehemalige Bundestagsmitglied und scheute sich auch nicht, eine einzelne Schülerin direkt anzusprechen und zu konfrontieren, als diese beim Thema Massenvernichtung der Juden lachte. Ein Einzelfall - ansonsten hörten die Schüler gebannt zu.

 

Beucher hatte auch in diesem Jahr wieder eine Para-Sportlerin vom TSV Bayer Leverkusen mit nach Derschlag gebracht, die den Schülern der siebten Klassen im Rahmen der Workshops einen kleinen Einblick in ihr Leben mit einer körperlichen Behinderung gab. Kim Vaske (20), Sprinterin und Kugelstoßerin aus Münster, ist mehrfache Deutsche Meisterin und gehörte 2024 zum deutschen Team bei den Paralympics in Paris. Seit ihrer Geburt fehlt ihr ein Teil des rechten Unterarms.

 

[Selfies und Autogramme mit der Para-Athletin Kim Vaske waren nach der Fragerunde heiß begehrt.]

 

Spätestens als die Para-Athletin ihre Armprothese präsentierte, war bei den Schülern die letzte Zurückhaltung gebrochen und Vaske wurde mit Fragen über Sport, Prämien, Studium und ihre Behinderung gelöchert. Vaskes Botschaft: „Ich kann meine Behinderung nicht verstecken, aber ich gehe damit total offen um. Für mich ist es normal, keine rechte Hand zu haben.“ Die Lehramtsstudentin der Universität Köln zeigte sich dankbar für den Termin mit den „wissbegierigen Schülern“ und hofft, dass diese durch die Erfahrung offener mit Menschen mit Behinderung umgehen. Schulleiter Weber ist davon überzeugt und sprach von großem Interesse seiner Schüler.

 

Weitere Workshops wurden von der Tänzerin und Choreografin Paulina Jürgens, dem Musiker Robert Schuller, der Kölner Comic-Künstlerin Jessica Kikisch und der Theaterpädagogin Kathleen Wojahn, dem Team von Wegweiser sowie Tanja Berghoff (Caritas Gummersbach) durchgeführt. Ebenfalls ein Dauergast in Derschlag: Bodo Isenhardt vom Blindenverein in Wiehl, der mit Schülern über seinen Alltag mit einer Seheinschränkung sprach.

 

Im Gebäude war zudem die Ausstellung „Du Jude!“ – Alltäglicher Antisemitismus“ zu sehen, die von den Geschichtskursen der Oberstufe betreut wurde. Für die neunten Klassen ging es zur Gedenkstätte Brauweiler, die zehnten Klassen besuchten das Theaterstück „Nie wieder – ist jetzt!“ des Jungen Theaters in Köln und die Q2 die Gedenkstätte Vogelsang. Zum Abschluss des Tages stellten mehrere Gruppen ihre Ergebnisse aus den Workshops vor.

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