JUNGE LEUTE

Waldbaden zum Stressabbau

pra; 14.07.2026, 19:00 Uhr
Fotos: Josephine Tscheliesnigg --- (v. l.) Larissa Weber (Bürgermeisterin Stadt Waldbröl), Erika Birich und Torben Schenk (Erzieher KiTa Sonnenstrahl), Nadja Kapschefsky (durchführende Waldpädagogin), Daniel Vankerkom (stellvertretender Regionaldirektor der AOK Rheinland/Hamburg) und Carmen Muñoz-Berz (Kinder- und Seniorenarbeit Stadt Waldbröl).
JUNGE LEUTE

Waldbaden zum Stressabbau

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pra; 14.07.2026, 19:00 Uhr
Waldbröl – Präventionsprojekt „AOK-Waldkinder“: Zertifikat für KiTa Sonnenstrahl – Drei weitere Einrichtungen noch in der Durchführung.

Von Josephine Tscheliesnigg

 

„Wir wohnen hier mitten im Grünen und trotzdem brauchen manche eine Anleitung“, findet Larissa Weber, Bürgermeisterin der Stadt Waldbröl, klare Worte. Das Präventionsprojekt „AOK-Waldkinder“ sollte eben diese Anleitung liefern. Das Projekt startete im Herbst letzten Jahres mit 18 Vorschulkindern als Kooperation zwischen der Stadt Waldbröl, der Waldpädagogin Nadja Kapschefsky und der KiTa Sonnenstrahl in Waldbröl. Finanziert von der AOK Rheinland/Hamburg konnte das achtwöchige Projekt in der Pilot-KiTa Sonnenstrahl umgesetzt werden. Im Frühjahr gab es eine Multiplikatorenschulung für die Erzieher. Seitdem wird das Projekt sogar eigenständig von ihnen weitergeführt. Gestern wurde der KiTa nun ein Teilnahmezertifikat überreicht und im Rahmen des Termins wichtige Erkenntnisse ausgetauscht.

 

[Waldpädagogin Nadja Kapschefsky mit Eichhörnchen Fynn.]

 

Nadja Kapschefsky, die durchführende Waldpädagogin, erlebte die Zeit als sehr intensiv und machte spannende Erfahrungen. „Der Wald war ein Dschungel für viele Kinder“, so Kapschefsky. Daher mussten sie vorbereitet und daran gewöhnt werden. Dies unterstützte die Pädagogin unter anderem mit Achtsamkeitsübungen und Körperregulationsmethoden.

Besondere Schwierigkeiten traten vor allem auf, wenn die Kinder zur Ruhe kommen sollten. Dabei wurde festgestellt, dass die Kleinen die ungelösten Konflikte aus den Familien mit in die KiTa nehmen. „Das Innerste wird in der Ruhe nach und nach lebendiger und fängt an, in den Kopf und den Körper zu steigen“, so die Pädagogin.

 

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„Am Anfang wollten sie sich nicht auf den Boden setzen wegen der Tiere. Die Reize waren neu“, so Kapschefsky. Um den Kindern die Angst vor dem Wald zu nehmen und ihre Emotionen greifbarer zu machen, nutzte Kapschefsky Stofftiere, die sinnbildlich für verschiedene Charaktere standen. Fynn, das Eichhörnchen, war der Hauptdarsteller. Er verkörperte das wuselige Verhalten eines Kindes. Balduin, das Wildschwein, stand für Wut und Trotz. Die Eule Elvira war die Vermittlerin unter den drei Tieren und zuständig dafür, den Kindern zu erklären, warum es Gefühle gibt und wie sie „in ihr Herz spüren können“, so Kapschefsky.

 

Die Kleinen sollten lernen zu erkennen, was ihnen gut und nicht guttut. „Es wird häufig nicht darauf geachtet, dass Kinder eine eigene Körperweisheit haben“, weiß die Pädagogin. Dazu gehöre auch, dass sie bereits in jungen Jahren wissen, wie sie gerne behandelt werden würden und welche Bedürfnisse sie haben.

 

Das Präventionsprojekt, angelegt als achtstufiges Programm für Kinder und Pädagogen, sollte den Wald erlebbar machen, Beziehungen stärken und die Resilienz fördern. Durch regelmäßige Naturzeiten im Wald sollte eine kindgerechte Form des Stressabbaus und der Selbstregulation gefördert werden. Gezielte Impulse stärkten zudem Achtsamkeit, Selbstregulation, Beziehungskompetenz und Kreativität. Das Programm soll der AOK zufolge neben Entlastung die emotionale und soziale Kompetenz der Kinder stärken, die Beziehung zwischen Pädagogen und Kindern vertiefen sowie hilfreiche Werkzeuge zur Selbstfürsorge und Stressregulation liefern.

 

[Das Teilnahmezertifikat der KiTa Sonnenstrahl für das Projekt „AOK-Waldkinder“.]

 

An zwei KiTas wurde das Projekt bereits erfolgreich abgeschlossen, zwei weitere Kitas, KiTa Alter Gutshof und KiTa Pontium Pro, sowie die 2. Klasse der Gemeinschaftsgrundschule Wiedenhof, sind derweil noch in der Durchführung. Im Vergleich zu den KiTa-Kindern stellte Kapschefsky einige Unterschiede zu den Zweitklässlern fest. „Die Kinder bringen viel Gepäck mit in die Schule“, merkte sie an. In den sozialen Medien sieht sie einen weiteren Aspekt, der die Kinder aus der Ruhe bringt, denn das Nervensystem der Kinder sei permanent im Chaos. Das führe auch dazu, dass in manchen Momenten die Stimmung abrupt kippe. „Die Kinder haben eine Art Pulverfass in sich drin“, so die Waldpädagogin.

 

Die Erzieher der KiTa Sonnenstrahl, Erika Birich und Torben Schenk, sowie die KiTa-Leitung Susanne Klitscher, wurden von Nadja Kapschefsky ausgebildet und führten das Projekt eigenständig fort. Bei vielen Kindern konnte eine Veränderung im Vergleich zum Beginn des Projekts festgestellt werden. Dass der Weg nicht immer leicht war, merkte Erika Birich an. „Zwei Kinder wollten abbrechen, schon der Weg in den Wald war zu anstrengend“, sagte sie. Viele Kindern fieberten jedoch auch den Naturzeiten entgegen und freuten sich darauf. Wichtig sei nun, das Gelernte im Alltag weiterzuleben – so zum Beispiel das Anwenden von Atemübungen bei Stress und Streit. Erika Birich beobachtete, dass die Kinder das Gelernte mit in die Familien nahmen und heute die Eltern durch den Wald führen können.

 

Trotz Nähe zur Natur, hat auch in Waldbröl nicht jede KiTa ihren eigenen Wald. Die Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirchengemeinde erleichterte daher das Projekt ungemein. Dank Jochen Bellingen, zuständig für den evangelischen Kirchenwald, konnte die Sicherheit der Kinder im Wald garantiert und die Flächen genutzt werden, merkt Carmen Muñoz-Berz, zuständig für Kinder- und Seniorenarbeit bei der Stadt Waldbröl, an.

 

Das überreichte Zertifikat solle nun auf das Projekt aufmerksam machen, sodass andere Eltern sehen, dass dieses Programm vor Ort angeboten werde, so Daniel Vankerkom, stellvertretender Regionaldirektor der AOK Rheinland/Hamburg. Bei dem „Herzensprojekt“ gehe es um Stressreduktion, welche in dieser Form nun erfolgreich gefördert und begleitet werden könne, unter anderem von der durchführenden Kollegin Katrin Steinbeck-Schmidt, AOK Rheinland/Hamburg. „Es hat sich auf jeden Fall gelohnt“, zieht Larissa Weber das Fazit, denn Geld in die Prävention zu investieren, zahle sich doppelt aus.

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