KULTUR

„Der Vorname“ hat es in sich

vma; 29.11.2021, 12:03 Uhr
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Fotos: Vera Marzinski --- Ein hervorragendes Ensemble im Stück „Der Vorname“ (v.l.): Beate Breiderhoff, Rolf Peter Klaus, Katrin Platzner, Jörn Wollenweber und Michael Albrecht.
KULTUR

„Der Vorname“ hat es in sich

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vma; 29.11.2021, 12:03 Uhr
Wiehl – Schau-Spiel-Studio Oberberg ist zurück – Inszenierung des Stücks kommt an.

Von Vera Marzinski

 

Nach 20 Monaten Abstinenz hat die Premiere der hervorragend von Raimund Binder inszenierten Gesellschaftskomödie „Der Vorname“ das Programm des Schau-Spiel-Studios Oberberg eröffnet. In der Bühnenfreien Zeit war das Ensemble nicht untätig gewesen. Nicht nur an diesem neuen Stück feilten sie, auch an der Spielstätte. Zum einen musste ein Wasserschaden beseitigt werden, zum anderen gab es einiges zu renovieren – und nach 25 Jahren neue Stühle.

 

Zur Wiedereröffnung am Samstag konnte Theater-Geschäftsführer Thomas Knura auch die Wiehler Verwaltungsspitze, Bürgermeister Ulrich Stücker und den ersten Beigeordneten Peter Madel, begrüßen. „Wir werden mit und ohne Aufführungen auf ihrer Seite sein“, betonte Stücker. Eigentlich sollte „Der Vorname“ schon vor eineinhalb Jahren auf der kleinen Wiehler Bühne gespielt werden – da hatte Raimund Binder Teile gekürzt, aber vor der Neuaufnahme der Proben entschied er sich dafür, den gesamten Bühnentext zu inszenieren. Coronabedingt fand keine Pause statt – Zugang gab es nur mit „2G“ und das Ensemble sei, so Knura, geimpft und getestet. Er hofft, dass alle zwölf Vorstellungen stattfinden können.

 

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Als Ausgangspunkt zum Stück „Der Vorname“ fungiert Protagonist Vincent Larchet (Jörn Wollenweber) als Erzähler und stellt kurz die Szene vor. Es sollte ein gemütlicher marokkanischer Abend im Hause seiner Schwester Elisabeth Garaud-Larchet (Beate Breiderhoff) und ihrem Mann Pierre (Michael Albrecht) mit ihm, seiner Lebensgefährtin Anna (Katrin Platzner) und dem gemeinsamen Freund Claude (Rolf Peter Klaus) werden. Auf der Bühne eine große Couch mit Wohnzimmertisch und ein Bücherregal dahinter – klar, es spielt ja auch im Haus eines Literaturprofessors.

 

Um den Abend etwas ins Rollen zu bringen, teilt Vincent zum Ultraschallbild den ausgewählten Vornamen seines Stammhalters mit. Der sorgt für Entrüstung und Ungläubigkeit bei den anderen. Kann doch nicht sein, dass er nichts dabei findet. Der Name ist eine einzige Provokation. Oder meint er den etwa ernst? Eine hitzige Debatte um political correctness entbrennt – und das ist erst der Anfang. Die Stimmung ist gereizt. Plötzlich packen alle aus. Jeder wirft jedem vor, was er offenbar schon lange runtergeschluckt hat. "Was-ich-dir-schon-immer-mal-sagen-wollte"-Tiefs wechseln sich mit "Du-hast-doch-nie"-Schimpftiraden ab. „Der Vorname“ lebt von überraschenden Wendungen, die den Fortgang der Verwicklungen spannend machen.

 

[Jörn Wollenweber als Vincent zeigt wieder einmal viele Facetten.]

 

Komödien verlangen von den Akteuren hohes Können, das Tempo muss stimmen, die Gags müssen sitzen, sonst gibt es nichts zu lachen. Jede und jeder agiert körperlich und mimisch in dieser Inszenierung im Schau-Spiel-Studio Oberberg auf den Punkt genau. Herausgehoben sei Jörn Wollenweber als Vincent Larchet, der grandios zwischen allen Gefühlslagen changiert und Rolf Peter Klaus, der mit seiner Rolle als Jugendfreund Claude Gatingnol sein Debüt auf der Wiehler Bühne hatte. Er war Binder vor zwei Jahren schon beim Schauspiel-Training aufgefallen. Beate Breiderhoff glänzt besonders, als sie mit voller gewitzter Wucht als Elisabeth eine gnadenlose Generalabwatschung von sich gibt. Regisseur Raimund Binder hat wieder einmal die perfekte Besetzung für die Rollen im Stück gefunden – so auch mit Michael Albrecht als Pierre Garaud und Katrin Platzner als die schwangere Lebensgefährtin Vincents, Anna Caravati.

 

Das Stück
 

Die französische Theaterkomödie „Der Vorname“ (Le prénom) von Matthieu Delaporte und Alexandre de La Patellière wurde im Pariser Theater Théâtre Édouard-VII am 7. Oktober 2010 uraufgeführt. Verfilmt wurde das Stück in Deutschland von Sönke Wortmann 2018 mit unter anderem mit Florian David Fitz, Christoph Maria Herbst und Caroline Peters.

 

Die Abgründe der Figuren in diesem Stück sind in weiteren Aufführungen im Schau-Spiel-Studio Oberberg am Mittwoch, 1. Dezember, Freitag, 3. Dezember, und Samstag, 4. Dezember, jeweils um 20 Uhr zu sehen – weitere Termine unter https://www.theater-wiehl.de/spielplan

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