KULTUR

Ein Trumpelstilzchen in dadaistischer Reimform

kp; 07.09.2026, 14:00 Uhr
Fotos: Matthias Pohl --- Ach, der Zustand der Welt kann durchaus beklagenswert sein. Aber Onkel Fisch aus Köln (v.li.: Adrian Engels und Markus Riesinger) wissen „Aufregen folgt Sonnenschein".
KULTUR

Ein Trumpelstilzchen in dadaistischer Reimform

kp; 07.09.2026, 14:00 Uhr
Bergneustadt – Das Kölner Satire-Duo „Onkel Fisch“ testete in zwei ausverkauften Vorpremieren im Bergneustädter Schau-Spiel-Haus höchst erfolgreich sein Programm „Aufregen folgt Sonnenschein“.

Von Katja Pohl

 

Wer bei Onkel Fisch alias Adrian Engels und Markus Riesinger nur eine kurze Sekunde nicht aufpasst, hat ein Problem. Denn er verpasst garantiert eine krasse Pointe und vor allem vermutlich einen rasant-abstrusen Übergang ins nächste Thema. Am Wochenende testete das Duo, das seine Auftritte zu Recht „Action-Kabarett nennt, sein neues, mehr als zweistündiges Programm „Aufregen folgt Sonnenschein“ im Bergneustädter Schau-Spiel-Haus. Diese Vorpremieren haben Tradition und sind ebenso traditionell schnell ausverkauft. Auch diesmal wurde es dank voll besetzter Sitzreihen schnell gemütlich warm rund um die winzige Guckkastenbühne, bei Onkel Fisch floss der Schweiß in Strömen.

 

[Ein eher seltener Anblick - Onkel Fisch sehen sonst eher nicht so streng aus, aber als Herren im schwarzen Anzug muss man auch den ernsten Blick draufhaben.]

 

Doch auch das hinderte die beiden Schnellsprecher und noch-schneller-Denker nicht daran, das Publikum einmal quer – quasselnd, singen, tanzend und grimassierend - über die ganze Welt zu jagen. Los ging es, wen wundert’s, in Sachsen-Anhalt. Die Landtagswahlen dort kommentierte Adrian Engels, angesichts der Ergebnisse der AfD, mit: „Da wollten offensichtlich sehr viele Menschen mal schauen, wie es ist, ein Bundesland gegen die Wand zu fahren.“ Markus Riesinger ergänzte: „Ulrich Siegmund hat eine Menschenfreundlichkeit wie Lord Voldemort und ansonsten ein schmieriges Versicherungsvertreterlächeln.“ Von solchen Wahlen profitiere nur der Populist, auch bekannt als vampirischer Wutsauger, konstatierten die beiden.

 

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Auch darüber lässt es sich trefflich aufregen, zumal der Blick, der über Europa schweift, nur noch „Braune Soße“ offenbart, wie die beiden Gourmets feststellten. „Überall in Europa wird gerade ein einfaches Süppchen mit fadem Beigeschmack gekocht. Und in Sachsen-Anhalt gibt es zur braunen Soße noch ein Thüringer Würstchen namens Höcke, aber keine grüne Garnitur mehr.“ In Frankreich gab es auf den Tellern früher noch Herz und Hirn, nun liegt da braunes Brot. Achtung Wortspiel: denn „Le Pain“, also Brot, klingt wie? Le Pen, klar. In Großbritannien gibt‘s seit dem Brexit Trennkost, früher setzte das Land auf köstliche Innereien, heute gibt es kein Labour, ja, das klingt wie Leber, mehr. „Die wünschen sich jetzt das Maggie-Thatcher-Kochstudio zurück!“, so Riesinger. Und in Italien macht Meloni zwar auf Honigmeloni, aber weil Einbürgern nicht mehr funktioniert, ist das doch eher Antipasti.

 

[Und wenn es mal weniger ernst sein soll, klappt das mit den Grimassen auch bestens. Das Publikum jedenfalls hatte riesigen Spaß mit dem Action-Kabarett von Onkel Fisch.]

 

Bei so viel Spaß in Europa darf aber auch Donald Trump nicht unbeachtet bleiben. Ihm unterstellten die beiden flugs, er würde die Straße von Hormus jetzt in „Trump Boulevard“ umbenennen“ und hübsch blau anpinseln. Doch sie mussten auch zugeben, dass Trump im Grunde alle Kabarettisten eigenständig aushebelt. „Wenn wir uns etwas zu ihm ausdenken und meinen, das sei schon ziemlich grotesk, toppt er uns am nächsten Tag“, erklärte Markus Riesinger achselzuckend. Dem US-Präsidenten komme man nur mit Hochkultur bei, findet er, und so gab es letztlich in Richtung USA einen Rückblick auf die zweite Amtszeit des „Trumpelstilzchen“ in dadaistischer Reimform, aufgepeppt durch Rap-Einlagen, böseste Grimassen und fuchtelnde Arme.

 

„Irgendwas ist ja immer“, sind die beiden entsprechend überzeugt. Und können sich also seit 32 Jahren trefflich über alles und nichts aufregen. Seit 1994 stehen die beiden Herren in den schwarzen Anzügen gemeinsam auf der Bühne, sie passen inzwischen so perfekt zueinander, dass auch bei der Vorpremiere jedes Wort trifft, jeder Liedtext, jede Bewegung und vor allem die unfassbar komische Mimik. Dazu kommt Unterhaltung, die nie platt ist, sondern hochintelligente Analysen einer Welt bietet, von der man manchmal denkt, sie sei nicht mehr zu retten. Dabei gibt es Hoffnung. Und zwar gesungen. Von Onkel Fisch. Denn die sind überzeugt: Nennt uns nicht naiv, es könnte immer noch schlimmer sein.“ Fordern im Refrain: „Lass doch einfach die Sonne rein!“ und trösten das Publikum letztlich damit, dass Deutschland im Glücksatlas der glücklichsten Länder immerhin noch auf Platz 17 liegt.

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