KULTUR
Gedenkkonzert von nachdenklich bis humorig
Waldbröl - Antje und Michael Bischof gedachten Dmitri Schostakowitsch und Edith Stein mit Wort und Klang.
Von Vera Marzinski
Zu einem besonderen Gedenkkonzert hatte der Verein zur Förderung der Kirchenmusik an St. Michael ins Katholische Pfarrheim eingeladen. Antje und Michael Bischof, Künstlerehepaar aus Waldbröl, gedachte Dmitri Schostakowitsch und Edith Stein mit Wort und Klang.
Als Nachklang zum Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch-Jubiläum im vergangenen Jahr - zum 51. Todestag des Komponisten am 9. August -, fand das Sonderkonzert statt. Gleichzeitig war dies auch der Todestag von Edith Stein, der jüdischen Philosophin, die zum Katholizismus konvertierte. Beide litten unter dem extremen politischen Druck totalitärer Systeme ihrer Epoche – Schostakowitsch unter dem sowjetischen Stalinismus, Stein unter der nationalsozialistischen Verfolgung. Musikalisch verband Michael Bischof die beiden mit jüdischen Volksliedern von Joel Engel (1868-1922), die er zwischen den „24 Präludien Op. 34“ von Schostakowitsch spielte.
In diesem Gedenkkonzert verbanden Antje und Michael Bischof biografische Erläuterungen, Gedichte, Zitate und Musik zu einem Ganzen in Erinnerung an zwei verschiedene Persönlichkeiten. Nachdenkliches, aber auch eine "humorige" Palette von Schostakowitsch Präludien durchzogen die Veranstaltung.
Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch war ein russischer Komponist, Pianist und Pädagoge der Sowjetzeit. Neben 15 Sinfonien, Instrumentalkonzerten, Bühnenwerken und Filmmusik komponierte er 15 Streichquartette, die zu den Hauptwerken des Kammermusikrepertoires im 20. Jahrhundert zählen. Auch diese besonderen Präludien. „Die Musik wirkt oft doppelbödig“, so Michael Bischof, denn sie entwickle sich vielfach nicht so, wie der Hörer es erwarte. Die Musik ist bisweilen schmerzerfüllt und im nächsten Moment träumerisch oder auch komisch. In seiner Musik versteckte der Komponist die Botschaften an die Zeitgenossen. Nicht umsonst wiederholte er oft: "Hören Sie doch meine Musik, da ist alles gesagt." Das Gedenkkonzert ließ darüber nachdenken, was es bedeutet, einen Lebensweg in einem totalitären Unrechtssystem – Nazi-Diktatur, Stalinregime – führen zu müssen.
![]()
[Die von Michael Bischof gespielten „24 Präludien“ von Schostakowitsch bestechen durch die Abdeckung aller Dur- und Molltonarten bei gleichzeitig enormer stilistischer und emotionaler Vielfalt.]
Die Idee zum Gedenkkonzert hatten Antje und Michael Bischof, als sie im vergangenen Jahr zu einem Konzert anlässlich des 50. Todestages des Komponisten in der Kölner Philharmonie waren. Und warum die jüdischen Lieder? Vermutlich wird Edith Stein mit diesen Liedern aufgewachsen sein. Antje Bischof zitierte aus der Edith-Stein-Gesamtausgabe unter anderem „Es ist notwendig, dass wir zu einer Entscheidung für oder gegen Gott kommen. Das wird von uns verlangt: uns zu entscheiden ohne einen Garantieschein. Das ist das große Wagnis des Glaubens.“
![]()
[Biographisches und Zitate zu den zwei unterschiedlichen Persönlichkeiten las Antje Bischof. Spannend auch der Auszug aus „Der Lärm der Zeit“ von Julian Barnes über den Komponisten.]
Die Edith-Stein-Gesamtausgabe umfasst in 27 beziehungsweise 28 Bänden sämtliche Werke Edith Steins, deren Manuskripte sich im Edith-Stein-Archiv Köln befinden. Sie war eine deutsche Philosophin und Frauenrechtlerin jüdischer Herkunft. 1922 wurde sie durch die Taufe in die römisch-katholische Kirche aufgenommen. 1933 trat sie in den Orden der Unbeschuhten Karmelitinnen ein. Am 9. August 1942 ermordete man die Ordensschwester im Konzentrationslager Auschwitz. Papst Johannes Paul II. sprach sie 1998 heilig, und 1999 wurde sie zur Schutzpatronin Europas ernannt – als Symbol für die Verbindung von Judentum und Christentum inmitten der Leiden des Holocaust.
KOMMENTARE
Jeder Nutzer dieser Kommentar-Funktion darf seine Meinung frei äußern, solange er niemanden beleidigt oder beschimpft. Sachlichkeit ist das Gebot. Wenn Sie auf Meinungen treffen, die Ihren Ansichten nicht entsprechen, sehen Sie von persönlichen Angriffen ab. Die Einstellung folgender Inhalte ist nicht zulässig: Inhalte, die vorsätzlich unsachlich oder unwahr sind, Urheberrechte oder sonstige Rechte Dritter verletzen oder verletzen könnten, pornographische, sittenwidrige oder sonstige anstößige Elemente sowie Beschimpfungen, Beleidigungen, die illegale und ethisch-moralisch problematische Inhalte enthalten, Jugendliche gefährden, beeinträchtigen oder nachhaltig schädigen könnten, strafbarer oder verleumderischer Art sind, verfassungsfeindlich oder extremistisch sind oder von verbotenen Gruppierungen stammen.Links zu fremden Internetseiten werden nicht veröffentlicht. Die Verantwortung für die eingestellten Inhalte sowie mögliche Konsequenzen tragen die User bzw. deren gesetzliche Vertreter selbst. OA kann nicht für den Inhalt der jeweiligen Beiträge verantwortlich gemacht werden. Wir behalten uns vor, Beiträge zu kürzen oder nicht zu veröffentlichen.