KULTUR
Psychothriller auf der Gummersbacher Bühne
Gummersbach – Das Berliner Kriminaltheater mit „Das Paket“ von Sebastian Fitzek in einer Inszenierung von Wolfgang Rumpf in der Halle 32 und sorgte für Gänsehautmomente.
Von Vera Marzinski
Das Stück „Das Paket“ von Sebastian Fitzek in einer Inszenierung von Wolfgang Rumpf lockte viele Besucher zum Theaterabend – fast 300 Zuschauer kamen und Bastian Ganser, Leiter der Halle 32, stellte fest: „Gummersbach mag Mord und Totschlag“. Gruselig wurde es gleich zu Beginn und das zog sich so durch. An einigen Stellen waren mir die Szenen etwas zu lang. Das erzeugt oft auch Spannung – aber nicht immer. Den Anfang im "Paket" macht nicht die Lieferung eines Paketboten, sondern eine Vergewaltigung - der Täter ist ein Psychopath, der seinen Opfern auch noch die Haare abschneidet und deshalb als "Der Friseur" betitelt wird. Sehr beklemmend ist das alles und die Paranoia mit Händen zu greifen.
![]()
[Emmas Paranoia ist absolut glaubwürdig und mittreißend – grandios dargestellt von Alexandra Johannknecht.]
Das fängt schon an, als Emma Stein (sehr authentisch dargestellt von Alexandra Johannknecht) zunächst in einem Hotelzimmer ankommt, gut gelaunt ein „Never fall in love with someone“ singt und das Radio einschaltet. Ein Serientäter wird gesucht, der es auf Escort-Damen abgesehen hat. Das beunruhigt sie erst einmal nicht und so ruft die erotischste Psychiaterin Charlottenburg, wie sie sich selbst bezeichnet, ihren Mann an. Aus dem Off kommt eine Stimme „Hau ab, bevor es zu spät ist“ und kurz darauf ruft die Rezeption an und fragt nach wann, sie einchecken möchte.
Das Verwirrspiel beginnt, denn ihr Zimmer 1904 gäbe es nicht. Ein Schatten ist zu sehen und dann - ein Switch in die Zukunft, sechs Monate später. Völlig verstört trifft sie Prof. Konrad Luft (Jean Maesér), der nicht nur Anwalt, sondern auch ein Freund aus Emmas Kindertagen ist, in dessen Kanzlei im Rollstuhl. Sie ist sehr benommen, weil sie vorher sediert wurde. Die Polizei glaubt, dass sie gar nicht vergewaltigt wurde. Auch ihr Mann Philipp Stein (Thomas Wingrich) ist skeptisch, nur dessen Kollege und Freund Jorgo (Henning Wolff) scheint sie ernst zu nehmen. Zudem klingelte 158 Tage 12 Stunden und 14 Minuten nach der Tat das Grauen an der Haustür, wie sie sagt. Eigentlich nur der Paketbote (Alejandro Ramon Alonso), der bei ihr ein Paket für den Nachbarn Anton Palandt (Hartmut Kühn) abgeben möchte. Aber die zurückgezogene Emma dreht fast durch.
![]()
[Mit dem Thriller „Das Paket“ wurde, nach „Die Therapie“, „Der Seelenbrecher“ und „Passagier 23“, bereits das vierte Stück von Sebastian Fitzek vom Ensemble des Berliner Kriminal Theaters aufgeführt.]
Die geschickt platzierten Wendungen überraschen immer wieder aufs Neue.
Marc Gruppe bearbeitete „Das Paket“ von Sebastian Fitzek für die Bühne und Wolfgang Rumpf inszenierte es mit dem Berliner Kriminaltheater. Das arbeitet mit einem schnell wandelbarem Bühnenbild - Stille und Pausen sowie kurze Musik und Video-Einspieler steigern die Spannung. Die finale Lösung ist bis zum Schluss nur zu erahnen. Also ein echter Fitzek und eine gelungene Bühnenumsetzung.
Und das mit einem hervorragenden Ensemble. In weiteren Rollen Saskia Crehl als Silvia Bergmann und Mathias Kusche als Dr. Martin Roth. Ein grandioses Verwirrspiel mit einem Serienmörder, der ein Opfer überleben lässt und das Ganze schwimmt an der Grenze zwischen Realität und Wahn. Fitzek scheut explizite Gewaltdarstellung, denn ihn interessieren mehr die Motivation und die Psyche des Täters und die Folgen für das Opfer. Der Horror entsteht im Kopf beim Lesen seiner Romane, aber ebenso auch im Theaterstück.