KULTUR

Techelmechtel zwischen Bühne und Tribüne

us; 27.09.2026, 14:00 Uhr
Fotos: Alexander Maier --- Als eine der beliebtesten Komikerinnen Deutschlands präsentierte sich Hazel Brugger auch gestern schlagfertig, bissig und saukomisch.
KULTUR

Techelmechtel zwischen Bühne und Tribüne

us; 27.09.2026, 14:00 Uhr
Gummersbach – Hazel Brugger gastierte gestern mit ihrem Programm „Good Evening Europe“ in der SCHWALBE arena.

Von Ute Sommer

 

Mit ihrem fünften Tour-Programm „Good Evening Europe“ gastierte Comedy-Queen Hazel Brugger in der Gummersbacher SCHWALBE arena. Als Tochter einer Deutschen und eines Schweizers, durch ihre Geburt in Kalifornien quasi als Kosmopolitin zur Welt gekommen, ist die prominente Comedienne und Kabarettistin Hazel Brugger heute in einem ländlichen Nest in Hessen beheimatet.  So wundert es kaum, dass die „Königin der Schlagfertigkeit“ in ihrem aktuellen Bühnenprogramm „Good Evening Europe“ gleichzeitig kontinentale Dimensionen mit stinknormalen Landei-Alltagserfahrungen verwurstet und von der merkwürdigen Gleichzeitigkeit von Gummersbach und Glamour, ESC und Elternrolle, Millionenpublikum und Merkel erzählt.

 

„Macht, dass ich mich wohlfühle“, richtete sich vor dem gestrigen Auftritt von Hazel Brugger die ominöse Stimme aus dem Off an die 1.300 Besucher, die dem eloquenten Comedy-Superstar mit begeistertem Applaus einen warmen Empfang bereiteten. Offenbar habe man sich in der „Heimat des Handballs“ gut auf ihre Show vorbereitet und das Restharz gründlich von den Händen entfernt, zollte die 33-Jährige dem Publikum ihrerseits Respekt und das Wohlfühl-Techtelmechtel zwischen Bühne und Tribüne war eingestielt. Heutzutage seien viele Menschen von FOMO, der Angst, etwas zu verpassen, getrieben. „Ich bin froh um alles, was ich versäume, und versuche, Gespräche zu verschnellern“, outete sie die Entertainerin als eher introvertiert und zugeknöpft.

 

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Ein Abend, an dem sie zu den Leuten spreche, ersetzt einen Monat, in dem sie mit den Leuten rede. Aus der „gemischten Ehe“ mit dem extrovertierten Thomas seien mittlerweile zwei Sprösslinge mit ebenfalls gegensätzlichen Persönlichkeitsmerkmalen hervorgegangen. Überhaupt habe sie die Schwangerschaften als übergriffig erlebt: „Da lebt jemand, den du noch nie gesehen hast, neun Monate in dir und wenn er rauskommt, will er auch noch an deiner Brust nuckeln.“ Die Anschaffung einer Schildkröte als Haustier gerät unter Beratung der Reptilienfachverkäuferin zum Desaster, das für die Kleinkinder grundsätzliche Fragen zum menschlichen und tierischen Sexualtrieb aufwirft und den Eltern den Schweiß auf die Stirn treibt.

 

 

Heißt ein Geschlechtsteil nun „vorne Po“, Vulva oder Scheide? Wenn Brugger dann als besagte Reptilienfachverkäuferin anfängt, hysterisch rumzuplärren: „Die Böcke brauchen einen Harem, sonst schlitzen sie sich auf“, während die Kinder schluchzend danebenstehen, erklimmt sie eine weitere Stufe der humoristischen Eskalationspyramide. Nach der Pause geht es weiter mit den Unterschieden zwischen der Lebensart im eidgenössischen Land ihrer Kindheit und Deutschland, wohin sie seit ihrer Heirat vor 12 Jahren umsiedelte. Hier 50 statt sieben Prozent Steuern, hier Kriegserfahrung statt strikter Neutralitätspolitik, hier die Netto-Eigenmarke statt der Lindor-Kugeln vom Schweizer Chocolatier.

 

 

Saukomisch auch die Schilderungen aus den dreiwöchigen Proben zum Eurovision Song Contest, den die Comedy-Queen 2025 in Basel moderierte. Der ESC erzeuge Gemeinschaft und Wir-Gefühl im globalen Kontext, eben Internationalität vereint in der Frage „Warum brennt die Geige?“ Klar, dass auch Interna aus dem aufsehenerregenden Interview mit der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel, zu deren 750 Seiten umfassenden politischen Memoiren, zur Sprache kamen. „Ich weiß, wie man so tut, als hätte ich das Buch gelesen, und ich weiß auch, dass es mal zwei Deutschlands gab“, feixte Brugger und gestand, dass ihre eigene Abneigung gegen Blumensträuße vom ehemaligen Staatsoberhaupt geteilt wurde.

 

 

Allerdings sei deren Talent, Witze zu machen, eher ambivalent und könne selbst von ihr als Berufskomikerin nicht zweifelsfrei gedeutet werden. Ihr eigentliches Talent als originelle Stand-up-Comedienne versprühte Hazel Brugger am Ende von „Good evening Europe“, wo sie schlagfertig auf Fragen aus dem Publikum einging und die Selfie-Anfrage von Sophia spontan auf der Bühne arrangierte. „Komm, wir tun so, als ob es Deine Show ist“, posierte sie mit dem Rücken zum Publikum, das stimmungsmäßig steilging.  „Ja, genau deswegen lebe ich in Deutschland.“

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