KULTUR

Shakespeare mit Karaoke und Shakes-Bier

vma; 13.05.2026, 09:50 Uhr
Fotos: Vera Marzinski --- In der Karaoke-Bar „Illyrien“ beginnt die Shakespeare-Komödie, bei der das Ensemble sichtlich Spaß hatte.
KULTUR

Shakespeare mit Karaoke und Shakes-Bier

vma; 13.05.2026, 09:50 Uhr
Wiehl - Die Komödie „Was ihr wollt“ von William Shakespeare - Deutsch von Thomas Brasch - inszenierte Peter Kirchner für das Schau-Spiel-Studio Oberberg mit einem spielfreudigen Ensemble und einer Partynacht mit ausgelassenem Feiern, Verkleidung und Karaoke zum Start des Stückes.

Von Vera Marzinski

 

Was will das Publikum von einer Komödie? Liebe, Verwirrung, falsche Identitäten und freudige Entdeckungen. „Was ihr wollt“ bietet viel Humor, aber auch tiefere Einsichten in die menschliche Natur. Die Absurdität der Liebe wird durch die komischen Elemente des Stücks beleuchtet und Missverständnisse durch Geschlechterwechsel kommen noch hinzu.

 

[Gräfin Olivia (Maike Krei) verliebt sich in die als Mann verkleidete Frau (Angela Harrock – hier als Cesario).]

 

llyrien – eine Karaoke-Bar oder doch eine Rettungsinsel nach dem Drama eines Schiffbruchs? Hier ereignen sich Täuschungen über Identitäten und daraus folgende Liebeswirren. Die gestrandete Viola (Angela Harrock) glaubt ihren geliebten Zwillingsbruder Sebastian ertrunken und verkleidet sich als Cesario, um in den Dienst des Herzogs Orsino (Johannes Schima) eintreten zu können. Orsino ist verrückt nach der trauernden, unzugänglichen Gräfin Olivia (Maike Krei) und schickt Cesario zu ihr als Liebesboten.

 

Olivia verfällt nun jedoch Cesario, nicht ahnend, dass es sich in Wahrheit um Viola handelt, die sich wiederum in Orsino verliebt hat. Liebeskranke, die sich in einem Netz aus Täuschung und Einbildung verlieren, treffen auf eine Riege schräger Charaktere – ein Mix, der das Stück besonders macht. Jakob Vogelbusch als besoffener Sir Toby, Cristiano Liedke als tollpatschiger Sir Andrew, Sabine Müller als kluge Narrenfigur und Jörn Wollenweber als eingebildeter Malvolio, der von der intriganten Maria (Daniela Kuhn-Berger) aufs Kreuz gelegt wird, prägen ebenso das Geschehen. Im Kern sind alle Figuren Suchende, die an der Wirklichkeit vorbeileben, stets begleitet von der Ahnung der eigenen Vergänglichkeit.

 

[Als eingebildete Pedant Mavolio überzeugte Jörn Wollenweber, dessen Rolle tragikomisch ist.]

 

"Was ihr wollt" gibt die Bühne frei für das karnevaleske und auch grausame Spiel von Schein oder Sein, Täuschung oder Wahrhaftigkeit - mit jeder Menge Karaoke. So wie "Come vuoi", das auf Deutsch "Wie du willst" oder "Wie du möchtest" bedeutet. Natürlich sehr passend zum Titel des Stückes. Gesungen von Angela Harrock als Cesario, die in ihren Figuren (Viola/Cesario) brillant aufgeht. Mal nachdenklich, verzweifelt, keck oder zynisch. In der Rolle als Mann passen nicht nur Mimik, Gestik und Ausdruck in der Stimme, sondern auch der Gang. Als Malvolio schlüpft Jörn Wollenweber in gelbe Strümpfe mit gekreuzten Bändern und singt voller Inbrunst „It’s now or never“. Und seine Überheblichkeit als pedantischer Hausverwalter, der zutiefst eitel und selbstverliebt ist, ist grandios. Eindeutig eine der komplexesten und tragikomischen Figuren des Stückes. Maike Krei und Johannes Schima sehr gut in ihren Rollen – eigentlich ja das Paar, das zusammenkommen sollte, aber es kommt dann doch ganz anders in diesem Stück mit vielen Facetten.

 

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Besonders ist auch das Bühnenbild mit dem großen runden Tisch in der Mitte, der mal zum Karaoke-Bar-Tisch wird, zur kleinen Bühne auf der Bühne, zum Bett und sogar zum Meer. Das wir vom Narr mit „La mere“ besungen. Sabine Müller singt das leicht rauchig mit Kapitänsmütze und schlüpft dann wieder in die Rolle des Narren mit grandiosem Ausdruck sowohl in Stimme und Mimik – und so manchen Slapstick-Einlagen. Sehr komödiantisch auch die beiden jungen Darstellern Liedke und Vogelbusch. Das sie Sir Andrew und Sir Tobi sind, erkennt das Publikum auch an den beschrifteten Kisten, die immer mal wieder aufgestellt werden.

 

[Bei aller Komik stellt das Stück existenzielle Fragen, die seine Figuren an die Grenzen von Identität, Sexualität, Wahnsinn und Gewalt führen.]

 

Natürlich fehlt auch die kleine Bar nicht, hinter der Zofe Maria alias Daniela Kuhn-Bender auch als Karaoke-Barfrau agiert. Die hat nicht nur Lieder für die Gäste, sondern auch ein Shakes-Bier. Und auch das Publikum wird integriert, denn bei „Volare“ oder „Azzurro“ wippen nicht nur die Füße mit, es wird auch eifrig mitgesungen. Der nächste Karaoke-Komödien-Abend mit diesen grandios umgesetzten Shakespeare-Stück findet am 16. Mai um 19:30 Uhr statt (weitere Termine unter https://www.theater-wiehl.de/).

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