LEICHTATHLETIK
In der Antarktis: Weltrekordversuch mit der Zwillingsschwester
Engelskirchen – Irina und Maria Dell nehmen im Februar an einem außergewöhnlichen Triathlon in der Antarktis teil – Eisbaden und Langstreckenschwimmen stehen auf dem Trainingsplan.
Von Leif Schmittgen
Irina Dell ist Inhaberin einer Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungsfirma und sucht seit jeher im Sport Ausgleich zum oft stressigen Berufsalltag. Dabei schlägt die Engelskirchenerin ins andere Extrem und hat nach Anfängen im Laufen ihr Portfolio mit verschiedenen Triathlons erweitert. Neben dem Langstreckenlauf sind die Disziplinen Schwimmen und Radfahren hinzugekommen. Seit 2023 nahm sie an unterschiedlichen Wettbewerben teil, mit stetig größeren Distanzen.
Und nun steht im kommenden Februar ein ganz besonderes Event für die 42-Jährige an. Gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester Maria wird sie in die Antarktis reisen, um dort am sogenannten Antarctic 100 teilzunehmen. Erstmalig ausgerichtet, stehen auf King George Island (Südliche Shetlandinseln) ein Kilometer Schwimmen im Südpolarmeer bei null Grad Celsius, 66 Kilometer Mountainbike auf Schnee- und Schotterpisten bei kräftigem Wind sowie 33 Kilometer Laufen auf dem Programm. Die Besonderheit: Weltweit wurden nur 50 Startplätze ausgeschrieben, damit die sensible Natur auf der Insel so wenig wie möglich zu beeinträchtigen. „Dort räumt niemand für uns die Piste frei und das ist mir auch sehr wichtig“, sagt die Extremsportlerin. Für sie stehen Natur- und Umweltschutz an erster Stelle. Auch deshalb freut es sie besonders, dass die Expedition von einem Wissenschaftlerteam begleitet wird, das über Belastungen für den menschlichen Körper in extremer Kälte forscht, um Erkenntnisse zu gewinnen.
Vom 26. Februar bis 8. März 2027 wird das eineiige Geschwisterduo vor Ort sein und auf einem Schiff vor King George Island gemeinsam mit Forschern und den übrigen Teilnehmern aus aller Welt übernachten. Der Start erfolgt in Chile. Das Land wird per Linienflug erreicht, ehe es mit dem Privatflugzeug zum kältesten Kontinent der Erde weitergeht. Wann der Wettkampftag stattfindet, wird vor Ort spontan entschieden. „Wann uns Mutter Natur die Tür öffnet, ist ungewiss und das fasziniert mich besonders“, verrät die Sportlerin. Denn viele Faktoren wie Wind und Temperatur spielen eine Rolle. „So schnell, wie wir kommen, verschwinden wir auch wieder“, sagt die Engelskirchenerin.
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Die Chance sieht Irina Dell als Geschenk, ähnlich wie die Wettbewerbsteilnahmen im portugiesischen Atlantik oder dem türkischen Mittelmeer, wo sie jeweils gegen Wellen kämpfte, aber einmalige Einblicke in die Natur erhielt. Dass man solch extreme Wettkampfbedingungen und Distanzen nicht „mal eben“ leistet, ist auch dem Laien klar. Sechsmal pro Woche, davon bis zu zwei Stunden täglich, trainiert die Extremsportlerin sowieso.
Neu hinzugekommen zu den Schwimm-, Fahrrad- und Laufeinheiten ist das Eisbaden. Dell hat sich eigens ein Becken angeschafft, um ihren Körper an Wassertemperaturen um den Gefrierpunkt zu gewöhnen. Über den Hausstrom ist der Inhalt binnen einer Stunde auf null Grad heruntergekühlt. Als Trainingspool pflegt sie zudem Kontakte zur örtlichen Eisbaderszene und nutzt jahreszeitlich unabhängige Schwimmeinheiten in der Aggertalsperre zur Vorbereitung. „Seit Jahren kenne ich jede Badeanstalt im Oberbergischen, Köln und Düsseldorf“, scherzt die 42-Jährige. Dabei musste sie – um ihr sportliches Portfolio zu erweitern – zunächst das Kraulen von der Pike auf lernen. „Ich beherrschte bislang nur das Brustschwimmen“, sagt Dell.
Die Voraussetzungen zur Vorbereitung könnten für die Zwillinge kaum unterschiedlicher sein. Denn beide leben tausende Kilometer voneinander entfernt. Maria (Foto, rechts) lebt in der russischen Heimat und ist extremere Wetterbedingungen gewöhnt. „Sie nutzt die Berge dort zudem, um in der Höhe zu trainieren“, sagt Irina, die sich mehrmals im Jahr mit ihrer Schwester trifft. Die Dells hoffen auf einen Weltrekord: „Als erstes Zwillingspärchen möchten wir unter extremer Kälte gemeinsam ins Ziel kommen." Ein Schiedsrichterteam von Guinness-World-Records komplettiert das Teilnehmerfeld in der Antarktis. Irina Dell geht es im Übrigen nicht darum, als Erste ins Ziel zu kommen. „Ich möchte anderen zeigen, dass man Beruf, Hobby und Familie unter einen Hut bekommt.“ Obwohl sie im oft anstrengenden Job in ganz Deutschland unterwegs ist, funktioniert das Zeitmanagement der alleinerziehenden Mutter eines 14-jährigen Sohnes offenbar sehr gut.
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Und welches sportliche Ziel steht noch aus? „Ich möchte möglichst bald von Gibraltar nach Marokko schwimmen“, sagt sie. Dell steht auf einer Warteliste, weil die Zahl der Starter streng limitiert ist. Als den „Olymp“ und die größte sportliche Herausforderung bezeichnet sie das Durchqueren des Ärmelkanals. Eine Teilnahme kann sie sich in einigen Jahren vorstellen.