LOKALMIX
„Du bleibst Teil dieser Bank“
Wiehl – Rund 115 Gäste waren der Einladung der Volksbank Oberberg gefolgt, um den langjährigen Vorstandsvorsitzenden Ingo Stockhausen in den Ruhestand zu verabschieden.
Nach 45 Jahren bei der Volksbank Oberberg und ihrer Vorgängerinstitute hat sich der langjährige Vorstandsvorsitzende Ingo Stockhausen in den Ruhestand verabschiedet. Zum Abschluss seiner außergewöhnlichen Karriere hatte die Volksbank Oberberg in das Forum ihrer Hauptstelle in Wiehl eingeladen. Rund 115 Gäste kamen am vergangenen Freitag zu der Feierstunde zusammen – darunter Wegbegleiter aus der genossenschaftlichen FinanzGruppe, ehemalige Vorstandsmitglieder, Vorstandskollegen benachbarter Volks- und Raiffeisenbanken, kommunale Vertreterinnen und Vertreter sowie Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Gesellschaft.
Trotz sommerlicher Temperaturen war der Saal bis auf den letzten Platz gefüllt – ein sichtbares Zeichen der hohen Wertschätzung für einen Mann, der die Volksbank Oberberg seit 1999 als Vorstandsmitglied und seit 2007 als Vorstandsvorsitzender geprägt hat. Deutlich wurde das nicht zuletzt in den zahlreichen Grußworten. Ob Aufsichtsrat, Bundesbank, DZ BANK, Nachbarbanken, Betriebsrat oder Vorstand – alle zeichneten unabhängig voneinander das Bild eines bodenständigen, verlässlichen und integer handelnden Bankers, der Verantwortung übernommen, Menschen zusammengeführt und seine Heimat stets im Blick behalten hat.
„Für dich stellte sich nicht wirklich die Frage, ob du das für deine Bank tun würdest“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Udo Meyer mit Blick auf das Jahr 2024. Nach dem plötzlichen Tod des designierten Vorstandsvorsitzenden Frank Dabringhausen hatte Stockhausen seinen bereits geplanten Ruhestand mehr als zwei Jahre verschoben, um die Volksbank durch diese außergewöhnliche Situation zu führen. Stockhausens Karriere weise nicht zuletzt eine beeindruckende Kontinuität auf – vom Auszubildenden bei der Raiffeisenbank Nümbrecht bis an die Spitze der Bank. „25 Jahre haben wir zusammenarbeiten dürfen“, schilderte Meyer – eine Zeit, die immer von einem offenen und vertrauensvollen Meinungsaustausch geprägt war.
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[Dr. Cornelius Riese (l.), Vorstandsvorsitzender der DZ BANK, überreichte Ingo Stockhausen die Ehrenurkunde und die Goldene Ehrennadel des Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbandes (DGRV).]
Ein Höhepunkt der Feierstunde war die Auszeichnung mit der Goldenen Ehrennadel des Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbandes (DGRV) – eine der höchsten Ehrungen des deutschen Genossenschaftswesens. Überreicht wurde sie von Dr. Cornelius Riese, dem Vorstandsvorsitzenden der DZ BANK. Über Stockhausen sagte er: „Ein sehr, sehr erfolgreicher Genossenschaftsbanker hier in der Region – und ein wichtiger persönlicher Ratgeber.“ Besonders hob Riese hervor, dass Stockhausen über viele Jahre Verantwortung weit über die eigene Bank hinaus übernommen habe – unter anderem im Aufsichtsrat der DZ BANK, im Verbandsrat des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken sowie in weiteren Gremien der genossenschaftlichen FinanzGruppe. Seine Kolleginnen und Kollegen hätten ihn in der Vorbereitung der Laudatio mit zwei Worten beschrieben: „Absolut klasse.“
[Christian Otto, Präsident der Hauptverwaltung Nordrhein-Westfalen der Deutschen Bundesbank.]
Auch Christian Otto, Präsident der Hauptverwaltung Nordrhein-Westfalen der Deutschen Bundesbank, stellte die enge Verbundenheit Stockhausens mit dem Oberbergischen in den Mittelpunkt. Nicht zuletzt habe Stockhausen ihm, einem „zugereisten Norddeutschen“, wie Otto sich selbst beschrieb, die Region samt ihren wirtschaftlichen Besonderheiten nähergebracht – und darüber hinaus die Arbeit im Beirat bereichert. „Sie haben nie die Bodenhaftung verloren“, sagte Otto. Und: „Der Erfolg hat Ihnen recht gegeben. Sie übergeben eine sehr gut aufgestellte Bank.“
Für die Vorstandskollegen der benachbarten Volks- und Raiffeisenbanken sprach Thomas Büscher. Er erinnerte an die vertrauensvolle Zusammenarbeit in der Bezirksvereinigung Bergisches Land und beschrieb Stockhausen mit Eigenschaften, die seinen Vornamen widerspiegelten: integer, nahbar und nervenstark, gesellig und glaubwürdig sowie objektiv und offen. Besonders in Erinnerung geblieben sei ihm, dass Vertrauen nicht in großen Worten entstehe, sondern „im gemeinsamen Gespräch und im aufrichtigen Austausch“. Als Sinnbild dafür schilderte Büscher eine gemeinsame Wanderung durchs Oberbergische, zu der Stockhausen die Vorstandskollegen eingeladen hatte, weil der persönliche Austausch für ihn immer wichtiger gewesen sei als formale Sitzungen.
[Eine Auftragsarbeit von Michael Ley: Ingo Stockhausen mit einem Traktor vor der Hauptstelle der Volksbank Oberberg.]
Die Perspektive der Mitarbeitenden brachte Betriebsratsvorsitzender Kevin Wirth ein. Für viele Beschäftigte sei Stockhausen der einzige Vorstandsvorsitzende gewesen, den sie in ihrer beruflichen Laufbahn erlebt hätten. „Sie haben unserer Bank nicht nur Führung gegeben, sondern ein Gesicht“, sagte Wirth. Als Zeichen der Wertschätzung überreichte der Betriebsrat ein eigens angefertigtes Gemälde: Es zeigt Ingo Stockhausen neben seinem Traktor vor der Hauptstelle in Wiehl, während die Mitarbeitenden aus den Fenstern und vom Balkon winken – in Trikots. Ein bewusst gewähltes Detail, denn Stockhausen habe die Belegschaft stets als „seine Mannschaft“ bezeichnet.
Persönlich wurde es auch in der Ansprache seines Nachfolgers Andreas Neumann. Er erinnerte daran, dass Stockhausen ihn einst selbst eingestellt habe und aus dem Auszubildenden schließlich ein Vorstandskollege und nun sein Nachfolger geworden sei. „Ohne dich wäre mein persönlicher Weg nicht derselbe gewesen“, sagte Neumann dankbar. Das Oberbergische sei für Stockhausen nie nur Marktgebiet gewesen, sondern Heimat. „Du hast Menschen zusammengebracht, Teams geprägt und Gemeinschaft ermöglicht.“ Gerade darin liege das eigentliche Vermächtnis seines Vorgängers: eine Unternehmenskultur, geprägt von Vertrauen, Wertschätzung und Zusammenhalt. „Du bleibst Teil dieser Bank“, sagte Neumann abschließend.
Als schließlich Ingo Stockhausen selbst ans Rednerpult trat, richtete er den Blick nicht auf seine eigene Leistung. Stattdessen nutzte er die Gelegenheit, um sich zu bedanken: bei Aufsichtsrat, Vorstand, Mitarbeitenden, Kunden, Vertretern, den Partnern der genossenschaftlichen FinanzGruppe, den Kommunen und vor allem bei seiner Familie. Immer wieder betonte er, dass die Entwicklung der Volksbank Oberberg nur als Gemeinschaftsleistung möglich gewesen sei. „Alles, was wir geschafft haben, war nur gemeinsam möglich“, sagte er.
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[Rund 115 Gäste aus der genossenschaftlichen FinanzGruppe, aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft nahmen an der Feierstunde zur Verabschiedung von Ingo Stockhausen im Forum Wiehl teil.]
Einen besonderen Akzent setzte Stockhausen mit einer persönlichen Bitte, die er bereits im Vorfeld seiner Verabschiedung ausgesprochen hatte: auf persönliche Geschenke zu verzichten. Die stattdessen eingegangenen Zuwendungen ermöglichen nun eine Spende in fünfstelliger Höhe an die Bürgerstiftung Wiehl, mit der Projekte für Lebensqualität und Kultur in der Region unterstützt werden sollen.
Zum Abschluss fand Stockhausen Worte, die seine gesamte Laufbahn treffend zusammenfassten: „Es war mir stets eine große Freude und ein riesiges Privileg, Vorstand dieser Bank in meiner Heimat sein zu dürfen.“ Mit diesem Satz endete nicht nur eine bewegende Feierstunde, sondern auch ein Kapitel der Geschichte der Volksbank Oberberg. Verantwortung, Vertrauen und die enge Verbundenheit mit den Menschen der Region prägten Ingo Stockhausens Wirken über Jahrzehnte und werden die Volksbank Oberberg auch über seinen Abschied hinaus begleiten.
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