LOKALMIX
Nur jeder fünfte Informatikstudent ist weiblich - Studie soll das ändern
Gummersbach – Die TH Köln und Schulen des Oberbergischen Kreises arbeiten gemeinsam an einer Forschungsstudie.
Mit dem Forschungsprojekt "equal.IT@THKöln" wollen Forscherinnen und Forscher der Informatik und Sozialwissenschaften der TH Köln Maßnahmen entwickeln, damit sich zukünftig mehr Schülerinnen für das Berufsfeld der Informatik interessieren. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes für das Studienjahr 2023/24 sind nur 20 Prozent der rund 140.000 Informatik-Studierenden Frauen. An der Hochschule hat man ein ehrgeiziges Ziel: Langfristig 50 Prozent Studentinnen in der Informatik. Für die Studie arbeitet die TH mit zehn Schulen aus dem Oberbergischen Kreis (OBK) und Köln zusammen. Es sollen Methodenempfehlungen und Materialien entwickelt werden, die die TH Köln Schulen und anderen Hochschulen zur Verfügung stellen wird.
Im Laufe des Projekts wird dieselbe empirische Studie zu mehreren Zeitpunkten durchgeführt. Die Ergebnisse der einzelnen Untersuchungswellen werden verglichen. Angelegt sind zwei unabhängige Kohorten: In der ersten werden 250 Schülerinnen der Stufen 12 und 13 über drei Jahre in quantitativen Fragebögen und qualitativen Interviews, jeweils zu Beginn des Schuljahres und direkt nach dem Abitur, befragt. Parallel dazu sollen etwa 50 Studentinnen der Informatik am Campus Gummersbach zu Beginn des ersten, zweiten und dritten Studienjahres befragt werden.
Neben zentralen psychologischen Faktoren werden soziale und strukturelle Bereiche untersucht. Dabei werden Faktoren wie Selbstwirksamkeit, Interessenentwicklung, Studien- und Berufsorientierung, Zugehörigkeitserleben sowie geschlechterbezogene Stereotype und mögliche Barrieren untersucht. „Wir möchten herausfinden, welche Geschlechterstereotype und Selbstwirksamkeitserwartungen die Teilnehmerinnen haben und wie sich diese über die Projektlaufzeit verändern“, sagt Psychologe Prof. Sefik Tagay von der Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften. „Außerdem möchten wir wissen, welche Art der Interventionen einen positiven Einfluss auf diese Aspekte haben“, ergänzt er.
Als erste Interventionsmaßname fand ein Creative Coding-Workshop an vier Schulen statt. Hier lernten die Schülerinnen über das Programmieren digitaler Bilder den Umgang mit Variablen und Funktionen. „Es zeigt sich, dass wir das Interesse für Coding vieler junger Frauen gewinnen, sobald wir es mit einem künstlerischen Ansatz verknüpfen“, sagt Sarah El ghammaz, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt.
Der Workshop der Auftaktveranstaltung unterstrich: Besonders das „Nerd“-Image der Informatik sowie die Rahmenbedingungen an Schulen sind Hauptprobleme, warum Mädchen dem Fachbereich fernbleiben, hieß es laut einer Mitteilung der Technischen Hochschule. An Schulen fehlt es demnach oft an moderner technischer Ausstattung, stabilem Internet oder ausreichend qualifizierten Lehrkräften. Bei der Entwicklung weiterer Maßnahmen werden diese Aspekte fokussiert.
Gefördert wird equal.IT@THKöln durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Am Projekt beteiligt sind auf Seiten des Campus Gummersbach die Professoren Dr. Christian Kohls, Dr. Irma Lindt und Dr. Matthias Böhmer sowie die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Sabine Huschke und Sahrah El ghammaz. Ebenfalls beteiligt ist die Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften der TH Köln mit Prof. Dr. Inken Lind, Prof. Dr. Sefik Tagay und Wiebke Hoppe sowie Pascal Steinhoff und Hanna Kleppe vom Innovation Hub Bergisches Rheinland.
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