LOKALMIX
„Sicher in die Welt“ – nur mit Hebammen
Gummersbach – Die Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Kreiskrankenhaus Gummersbach bietet seit diesem Jahr einen hebammengeleiteten Kreißsaal an – Erste Geburten sollen dort ab März stattfinden.
Eine möglichst natürliche Geburt ist wohl etwas, das sich viele schwangere Frauen wünschen. Eine sichere Entbindung mit viel Ruhe, Selbstbestimmung, einer vertrauten und durchgehenden Begleitung und dem Wissen, dass – sollte es wirklich notwendig sein – auch medizinisch eingegriffen werden kann. Seit diesem Jahr bietet die Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Kreiskrankenhaus Gummersbach einen hebammengeleiteten Kreißsaal an. „Das ist etwas für Frauen, die Lust auf eine aktive Geburtserfahrung haben“, sagte die Leitende Hebamme Sofia Mazzarelli heute bei einem Pressegespräch im Kreiskrankenhaus.
Bei dem hebammengeleiteten Kreißsaal handelt es sich um ein neues Angebot, das den bestehenden ärztlich geführten Kreißsaal ergänzt. Die Geburt wird dort vollständig von erfahrenen Hebammen begleitet. Falls es medizinisch notwendig wird oder die Gebärende es wünscht, können Ärztinnen und Ärzte jederzeit hinzugezogen werden – ganz nach dem Prinzip: „So wenig Medizin wie möglich, so viel wie nötig“. „Wir können die Ärzte in jedem Moment dazu rufen“, sagte Mazzarelli. Und die sind nicht weit entfernt, denn für die Geburten können die Hebammen auf die vier vorhandenen Kreißsäle zurückgreifen. „Wir sind weiterhin auf Sicherheit bedacht“, sagte Dr. Anja Weishap, die Chefärztin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. „Unser Motto lautet: ‚Sicher in die Welt.‘“
Das Angebot richtet sich an Frauen mit risikoarmen Schwangerschaften. Ein interdisziplinär entwickelter Kriterienkatalog legt fest, wann eine Entbindung im hebammengeleiteten Kreißsaal möglich ist und wann eine ärztliche Betreuung im Vordergrund stehen sollte. Zu den Ausschlusskriterien gehören etwa Mehrlingsgeburten, ein Baby in Schräglage oder bereits durchgeführte Kaiserschnitte. Die Geburtsklinik und die Kinderklinik sind als Perinatologischer Schwerpunkt ausgewiesen. Ob Diabetes, Übergewicht oder auch Bluthochdruck: „Wir haben einen hohen Anteil an Risikopatienten“, sagte Weishap. Über 60 Prozent der Schwangeren, die in der Geburtsklinik entbinden, würde dazugehören. Da sei es auch für die nachkommenden Ärzte gut, zu erfahren, wie viele normale Geburten es doch gibt.
[Vergangenes Jahr gab es in der Geburtsklinik 1.062 Geburten. Nun hoffen Dr. Anja Weishap (l.) und Sofia Mazzarelli, dass es in diesem Jahr 50 Geburten im hebammengeleiteten Kreißsaal geben wird – mindestens.]
Erste Geburten im hebammengestützten Kreißsaal sollen ab März stattfinden. Das heißt, dass sich Frauen, deren errechneter Geburtstermin im März oder später liegt, schon jetzt anmelden können. „Für März sind schon sechs Frauen angemeldet, und wir haben auch schon Anmeldungen für April und Mai“, erzählte Mazzarelli. Vor der Geburt finden zwei umfangreiche Hebammensprechstunden statt – jeweils mit einer Länge von etwa 90 Minuten. Der erste Termin sollte idealerweise zwischen der 28. und 30. Schwangerschaftswoche stattfinden, ist aber auch noch später möglich. Bei den Gesprächen können die werdenden Mütter vom Verlauf ihrer Schwangerschaft erzählen, über ihre Erwartungen an die Geburt sprechen und auch individuelle Wünsche äußern. Gemeinsam soll dann ein individueller Geburtsplan erstellt werden.
„Die Geburt ist etwas sehr Intimes und für jede Frau in der Regel eine Grenzerfahrung“, sagte Weishap. Umso wichtiger sei es, vertrauensvoll und eng von den Hebammen begleitet zu werden. Derzeit sind 22 Hebammen in der Geburtsklinik tätig, 15 von ihnen wurden nun für die Tätigkeit im hebammengeleiteten Kreißsaal geschult – und einige bringen schon Erfahrungen mit. Während der Geburt bieten die Hebammen im Idealfall eine engmaschige Eins-zu-eins-Betreuung. Zur Verfügung stehen zahlreiche natürliche Schmerz- und Entspannungsangebote wie Aromatherapie, Akupunktur, eine Reizstromtherapie mittels TENS-Geräts sowie Bewegungs- und Atemtechniken. Eine dauerhafte CTG-Überwachung findet nicht statt; stattdessen werden Herztöne und Befinden regelmäßig kontrolliert. Wenn eine PDA gewünscht oder medizinisch angeraten ist, wird das ärztliche Team eingebunden.
Auch nach der Geburt bleibt die Betreuung bei den Hebammen. Sie übernehmen auch die Nachsorge inklusive der täglichen Visiten. Pro Schicht arbeiten zwei Hebammen im Kreißsaal und eine weitere ist für die Betreuung der Frauen im hebammengeleiteten Kreißsaal eingeplant. Bei der Geburt werden die Frauen dann von zwei Hebammen begleitet. Und auch die Abschlussuntersuchung am zweiten oder dritten Tag nach der Geburt wird von den Hebammen übernommen. „Das hat Vorteile für die Frauen und für die Hebammen“, sagte Mazzarelli. Nicht zuletzt könnten dadurch medizinische Eingriffe reduziert und weniger Kaiserschnitte durchgeführt werden – und die Hebammen mit ihrer Arbeit so noch zufriedener werden.
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[Die Hebammen freuen sich auf die Geburten im hebammengeleiteten Kreißsaal.]
Wer sich für eine Geburt im hebammengeleiteten Kreißsaal interessiert, kann im Kreißsaal unter der 02261/17-1928 weitere Informationen erfragen und auch einen Termin für die Hebammensprechstunde vereinbaren.
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