LOKALMIX

"Demokratie ist kein Selbstläufer"

ad; 24.03.2025, 11:19 Uhr
Fotos: Michael Kleinjung --- SPD Kreisvorsitzender Thorsten Konzelmann und Gitarrist Simon Schulz eröffneten die Erinnerungsstunde.
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"Demokratie ist kein Selbstläufer"

ad; 24.03.2025, 11:19 Uhr
Bergneustadt - SPD Oberberg und der Ortsverband Bergneustadt hatten zu einer Gedenkstunde an die Friedenseiche geladen - Anlass war die Rede des Sozialdemokraten Otto Wels im Reichstag am 23. März 1933.

Von Astrid Deckers

 

Knapp 30 Interessierte sind am Wochenende der Einladung der SPD Oberberg und dem SPD-Ortsverband Bergneustadt zur Teilnahme an einer Gedenkstunde an der Friedenseiche im Talpark gefolgt. Neben Bürgerinnen und Bürgern waren auch Vertreter von Bündnis90/Die Grünen Oberberg und dem Verein „Unser Oberberg ist bunt, nicht braun“ dabei. Anlass für das Treffen war der Jahrestag der historischen Rede des Sozialdemokraten Otto Wels im Reichstag am 23. März 1933. Einen Tag später schaffte es Adolf Hitler mit dem Ermächtigungsgesetz die gesamte gesetzgebende Gewalt auf sich selbst zu übertragen. „Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht“, sagte Wels damals. Seine Worte im Reichstag gelten als letzte, freie Rede in einem deutschen Parlament für sechzehn Jahre.

 

Der SPD-Kreisvorsitzende Thorsten Konzelmann (Foto) sagte, dass die Erinnerungen an die unschönen Stunden der parlamentarischen, deutschen Demokratie durch die heutigen, politischen Ereignisse aktueller denn je seien. Seit den zurückliegenden Bundestagswahlen, in denen die Rechtspopulisten deutlich vor der SPD im neuen Bundestag vertreten sein würden, zeichne sich eine schwierige Arbeit in der kommenden Legislaturperiode ab und mit Blick auf die geschichtlichen Strukturen werde deutlich, dass die demokratischen Strukturen auf dem Prüfstand stünden und Demokratie kein Selbstläufer sei. Die Gedenkstunde an Wels' Rede solle nun jählich stattfinden.

 

[Daniel Grütz ging unter anderem auf die Grundgesetzparagraphen 1 bis 3 und die damit einhergehenden, traditionellen Werte der Sozialdemokraten ein.]

 

Ebenfalls einen Bezug zu aktuellen Ereignissen auf der Welt stellte Daniel Grütz, stellvertretender Vorsitzender der SPD Oberberg und Fraktionschef der SPD Bergneustadt, her. Mit Donald Trump sei ein Präsident gewählt worden, welcher die als älteste Demokratie geltende, amerikanische Volksherrschaft schädigen würde und womöglich sogar abzuschaffen versuche. Grütz erinnerte daran, dass am 23. März 1933 die komplette SPD-Fraktion geschlossen gegen Hitlers Ermächtigungsgesetz gestimmt habe und 24 Fraktionsmitglieder dafür im Nachgang ihr Leben hätten lassen müssen. Als SPD-Mitglied dürfe man in Deutschland keine rechtsgerichtete Ausrichtung dulden und eine Koalition mit der SPD bedeute auch künftig ein klares Bekenntnis zu demokratischen Werten. Oberste Prämisse sei: „Nie wieder Diktatur und Faschismus in Deutschland.“

 

[Das Urgestein der oberbergischen SPD, Friedhelm Julius Beucher, nahm die Anwesenden mit auf eine historische Zeitreise. ]

 

Der Ehrenvorsitzende der SPD Oberberg, Friedhelm Julius Beucher, spann den Bogen zur Entstehungsgeschichte der Städtepartnerschaft Bergneustadt und Châtenay-Malabry in Frankreich. Denn Wels war, auf der Flucht vor den Nationalsozialisten, zunächst nach Prag geflohen, um später nach Paris zu fliehen. Gezeichnet von den Entbehrungen starb Wels 1939 im Alter von 66 Jahren. Begraben wurde er in Châtenay-Malabry. „Es ist wichtig, aus der Geschichte zu lernen“, so Beucher.

 

[Dr. Ralph Krolewski (Grüne) verteilte Erde um die Bergneustädter Friedenseiche, in Gedenken an alle Menschen, die durch die NS-Diktatur verbrannt, erschossen und vergast wurden.]

 

Mit Dr. Ralph Krolewski betrat abschließend ein Vorstandsmitglied von Bündnis90/Die Grünen Oberberg die Rednerbühne. Er hatte einen Eimer Erde mitgebracht, die er „in Gedenken an alle Opfer“ der Nazi-Diktatur um die Friedenseiche verteilte. Gleichzeitig erinnerte er alle Anwesenden daran, dass „wir alle den Boden der Vielfalt, in der die Demokratie wächst“ darstellen.

 

Simon Schulz umrahmte die Veranstaltung mit seiner akustischen Gitarre, er intonierte unter anderem Bob Dylans „Blowing in the wind“ oder John Lennons "Imagine", am Ende wurde mit Heide Schulz und den Gästen „We shall overcome“ gesungen.

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