LOKALMIX

Apotheken-Wechsel: Zwei Traditionen enden, eine neue beginnt

lw; 10.12.2025, 16:00 Uhr
Foto: privat --- Hans Georg Bauer von der Adler-Apotheke und Ulrike Horwath von der Bergischen Apotheke (re.) gemeinsam mit ihrer Nachfolgerin Eva Ausbüttel.
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Apotheken-Wechsel: Zwei Traditionen enden, eine neue beginnt

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lw; 10.12.2025, 16:00 Uhr
Wiehl - Eva Ausbüttel übernimmt zum Jahreswechsel die Adler- und die Bergische Apotheke im Bielsteiner Ortszentrum – Während die Adler-Apotheke modernisiert wird, geht der Betrieb zunächst in der Bergischen weiter.

Von Lars Weber

 

Wer in Bielstein die örtliche Apotheke aufsuchen wollte, hatte jahrzehntelang zwei Optionen. Entweder man entschied sich für die Adler-Apotheke, deren Geschichte inzwischen fast 100 Jahre zurückreicht, oder man besuchte die Bergische Apotheke in der Bielsteiner Hauptstraße. Nur sechs Hausnummern und rund 60 Meter trennen die beiden Geschäfte – nun werden beide Apotheken zu Beginn des neuen Jahres zu einer. Hans Georg Bauer von der Adler-Apotheke und Ulrike Horwath von der Bergischen Apotheke haben mit Eva Ausbüttel eine gemeinsame Nachfolgerin gefunden, wenn sie ihre Apotheker-Kittel nun an den Nagel hängen. Die Teams beider Apotheken übernimmt die 30-Jährige. Sie möchte auf der langen Tradition und dem guten Ruf ihrer Vorgänger aufbauen – dabei trägt Ausbüttel selbst die Leidenschaft für die Pharmazie seit ihrer Geburt in sich.   

 

Ausbüttel hat zwar in Freiburg studiert, kommt aber aus einer Apotheker-Familie aus Dortmund. Ihre Oma und auch ihr Opa waren Apotheker, ihre Mutter und ihr Vater sind es ebenso. Auch ihre Brüder haben diesen Weg eingeschlagen. „Und auch meine Schwester studiert Pharmazie“, erzählt die junge Frau. Apothekerin sein, das ist im Hause Ausbüttel offensichtlich mehr Berufung als Beruf. Da wundert es nicht, dass auch ihr Partner Apotheker ist. Und hier schließt sich der Kreis nach Wiehl. Denn Moritz Happ betreibt die Markt-Apotheke in Marienheide und ist in Wiehl aufgewachsen, wo sein Vater wiederum die Wiehl-Apotheke führte. In den vergangenen Jahren hat Ausbüttel schon in Marienheide mitgearbeitet. Nun wollte sie aber den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Als dann eine Agentur bei ihr anklopfte und die beiden Bielsteiner Apotheken als Paket anbot, schlug sie zu.

 

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„Das war gutes Timing. So eine Chance bekommt man nicht so oft.“ Bielstein kannte sie durch ihren Partner natürlich und der Ort war ihr von Anfang an sympathisch. „Hier gibt es alles vor Ort und die Hauptstraße ist sehr lebendig.“ Sie habe es sich gleich gut vorstellen können, dazu ihren Beitrag zu leisten. Die Gespräche mit Ulrike Horwath und Georg Bauer seien sehr positiv verlaufen. „Sie haben mich bei dem Prozess sehr unterstützt, dafür bin ich ihnen sehr dankbar.“ Schließlich sei es nach so langen Jahren auch für die ansässigen Apotheker nicht leicht gewesen, ihre Geschäfte abzugeben.

 

Ausbüttel (Foto: Lars Weber) freut sich sehr darüber, dass es bald für sie losgeht. Auch wenn sie um die Herausforderung weiß. Die Zahl der Apotheken sinke jährlich (siehe Kasten). Steigende Lohn- und Energiekosten stehen fehlenden Honoraranpassungen für die Apothekenleistungen gegenüber. „Wir müssen mit spitzem Bleistift rechnen“, sagt Ausbüttel. Aber sie glaubt nicht nur an den Standort Bielstein, sondern auch an das Angebot, das Apotheken wohnortsnah zu leisten im Stande sind. Dazu sollen moderne Services wie die Bestellung per App und die Lieferung noch am selben Tag ebenso gehören wie zum Beispiel Angebote wie die Messung der Knochendichte. Nicht zu vernachlässigen sei aber auch die klassische Apothekerarbeit, für die sie sich auch als Chefin weiterhin Zeit nehmen will, also die Herstellung von Medikamenten. „Das ist auch heute noch Alltag und passiert mehrmals täglich.“

 

Apotheken seien für die Patienten vor Ort da und die Menschen nutzten dieses Angebot auch in Zeiten von Online-Bestellungen sehr gerne. „Wir Apotheken sind ein essenzieller Bestandteil der gesundheitlichen Versorgung vor Ort und wollen das auch in Zukunft bleiben.“

 

Apothekenzahlen sinken seit 20 Jahren

 

Auf Nachfrage informieren die Apothekenkammer Nordrhein und die Sprecherin für den Oberbergischen Kreis, Martina Dammüller von der West-Apotheke in Wipperfürth, über die aktuelle Entwicklung der Apotheken im Kreis. Der Trend im Kammerbezirk (Regierungsbezirke Düsseldorf und Köln): Seit 20 Jahren sinken die Apothekenzahlen stetig, im vergangenen Jahr schlossen 30 ihre Pforten. Während es 2014 noch 2.348 Apotheken gab, existieren inzwischen nur noch 1.910. Auch im Oberbergischen zeigt sich der Trend. 2014 gab es noch 65 Apotheken, zehn Jahre später waren es noch 56. Aber: Seit 2024 ist diese Zahl stabil. In den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres habe noch keine Apotheke im Oberbergischen Kreis geschlossen.

 

[Archivfoto: Lars Weber.]

 

Um die Lage der Apotheken zu verbessern und zu stärken weist die Kammer wie Ausbüttel auch auf die Anpassung der Honorare hin. Dies sei die effektivste Methode, um Schließungen zu verhindern und die Versorgung vor Ort zu sichern. Zuletzt angepasst worden seien die Honorare 2013. „Auch jetzt wird eine Anpassung in den Reformplänen vermisst.“ Um Vor-Ort-Apotheken gegenüber dem ausländischen Versandhandel zu stärken, seien zudem gleiche Rahmenbedingungen notwendig. Während Apotheken strenge Vorgaben wie die Einhaltung von Kühlketten erfüllen müssen, gelten für den Versandhandel oft weniger strikte Regeln und es gibt kaum Kontrolle. „Das gefährdet nicht nur die Qualität und Sicherheit von Arzneimitteln und damit die Gesundheit der Patienten, sondern führt auch zu einem unfairen Wettbewerbsvorteil.“

 

Die Eröffnung der neuen Apotheke erfolgt in zwei Schritten. Eröffnen wird Ausbüttel zu Beginn des Jahres zusammen mit ihrem dann 18-köpfigen Team zunächst in den Räumen der Bergischen Apotheke. Dort läuft der Betrieb ganz normal an. Unter anderem wird ein moderner Kommissionierautomat eingebaut, der das Lagern und Herausgeben von Medikamenten vollständig automatisiert. Statt Schubladen zu öffnen, wird das gewünschte Arzneimittel digital angefordert und vom System in Sekunden bereitgestellt. Das sorgt für ein größeres Lager und ermöglicht mehr Zeit für die persönliche Beratung. Ausbüttel rechnet damit, im März oder April in die vollständig modernisierten neuen Räumlichkeiten der Adler Apotheke umziehen zu können. Dort entsteht eine technisch bestens ausgestattete Apotheke mit einem großzügigen, hellen Verkaufsbereich, so Ausbüttel. Die bisherigen Räume der Bergischen Apotheke werden anschließend geräumt.

 

Wie die neue Apotheke heißen soll, weiß die 30-Jährige inzwischen. Sie hat sich für einen eigenen Namen entschieden, da sie sich nicht zwischen Adler und Bergische Apotheke entscheiden wollte. Den neuen Namen möchte die Dortmunderin aber erst später verraten.

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