LOKALMIX

Arbeiten im OP-Bereich – ganz ohne Medizinstudium

pra, ks; 28.02.2026, 07:00 Uhr
Foto: Louisa Krüger --- (v. l.) Institutsleiterin Maria Andreacchi, Klinikum-Geschäftsführer Sascha Klein, Chefarzt Dr. Matthias Paul, Pflegedirektor Raphael Lüdenbach, Chefarzt Dr. Jörg Niehüser-Saran und Anke Denninghaus, Leiterin der OTA-Schule, in einem OP-Saal.
LOKALMIX

Arbeiten im OP-Bereich – ganz ohne Medizinstudium

  • 0
pra, ks; 28.02.2026, 07:00 Uhr
Gummersbach – Neue Ausbildung am Klinikum Oberberg – Ab August werden erstmals Anästhesietechnische Assistenten ausgebildet.

Mit rund 9.000 Operationen pro Jahr ist der OP-Bereich des Kreiskrankenhauses Gummersbach ein zentraler Bestandteil der medizinischen Versorgung. Wer da gerne arbeiten möchte, ohne zuvor Medizin zu studieren, kann am Klinikum Oberberg neuerdings eine Ausbildung zum Anästhesietechnischen Assistenten (ATA) absolvieren. Während die theoretische Ausbildung im Gesundheits- und Bildungszentrum des Klinikums Oberberg (GBZ) stattfindet, erfolgt die praktische Ausbildung in den Kreiskrankenhäusern Gummersbach und Waldbröl. Für das Oberbergische ist das ein Novum. „Bislang bietet kein Krankenhaus im Oberbergischen Kreis diese Ausbildung an“, sagte Sascha Klein, der Geschäftsführer des Klinikums Oberberg, gestern bei einem Pressegespräch.

 

Die organisatorische und inhaltliche Vorbereitung läuft bereits auf Hochtouren. Anke Denninghaus, Leiterin der OTA-Schule, entwickelt aktuell den Lehrplan sowie die Praxiseinsatzpläne für den ersten Jahrgang. Im August soll dann erstmals ein Ausbildungsgang zum oder zur ATA starten. Klein sieht darin einen wichtigen Ausbildungsberuf – für das Klinikum, aber auch für die Region –, sowie eine spannende und zukunftssichere Tätigkeit. In der Ausbildung von Operationstechnischen Assistentinnen und Assistenten (OTA) verfügt das Klinikum bereits über eine langjährige Erfahrung. Diese Expertise soll nun die Grundlage für den neuen Ausbildungszweig bilden.

 

WERBUNG

Die duale Ausbildung zum Anästhesietechnischen Assistenten dauert drei Jahre und umfasst mindestens 2.100 Theoriestunden sowie 2.500 Praxisstunden. Während des Theorieblocks erlernen die Auszubildenen grundlegende theoretische Fachkenntnisse im Bereich der Anästhesiologie, OP-Organisation, Anatomie, Physiologie und Arzneimittellehre. Eine große Rolle spielt außerdem die Hygiene und der Infektionsschutz. Weitere theoretische Themenfelder der Ausbildung sind Kommunikation und Betreuung sowie Recht und Wirtschaft im Gesundheitswesen. Zum praktischen Teil der Ausbildung gehören unter anderem Pflichteinsätze in der Anästhesie.

 

Darüber hinaus erhalten die Azubis Einblicke in den Aufwachraum, die Notaufnahme und die ambulante Anästhesie. Hinzu kommen verschiedene Wahlbereiche wie die Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde (HNO), die Gefäß- und Neurochirurgie (GC und NC), der Kreissaal sowie der Schmerzdienst. Begleitet wird die praktische und theoretische Ausbildung der ATA von einem interdisziplinären Team: Dr. Matthias Paul und Dr. Jörg Niehüser-Saran, Chefärzte der Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie der Kreiskrankenhäuser Gummersbach und Waldbröl, unterstützen gemeinsam mit Pflegedirektor Raphael Lüdenbach die Ausbildung.

 

Anfang August wird der erste ATA-Jahrgang am GBZ mit seiner Ausbildung beginnen. 20 Plätze gibt es insgesamt – fünf davon werden an Azubis des Klinikums gehen, die anderen 15 Plätze können von Kooperationspartnern des Klinikums wie anderen Krankenhäusern genutzt werden. Nicht zuletzt möchte das Klinikum so auch dem Fachkräftemangel entgegenwirken. „Wir haben einen permanenten Bedarf“, sagte Klein. An beiden Standorten gebe es insgesamt 30 Vollzeitstellen in dem Bereich. Ob aufgrund von Ruhestand, Familienzuwachs oder auch sonstigen Abgängen: bei einer Fluktuation von beispielsweise 20 Prozent müssten pro Jahr sechs Stellen nachbesetzt werden.

 

Staatlich anerkannt ist der Ausbildungsberuf seit 2022. Zuvor war dafür eine Ausbildung in der Pflege nötig und anschließend eine Fachweiterbildung im Bereich Intensiv- und Anästhesiepflege. „Das wird auch für uns eine Umstellung sein“, sagte Dr. Paul – denn anders als die Pfleger, die schon einige Jahre Berufserfahrung haben, werden die ATAs direkt von der Schule kommen. Gefordert werden mindestens die Fachoberschulreife und die gesundheitliche Eignung für den Beruf. Interessierte Bewerber sollten mindestens 17 Jahre alt sein. Im ersten Ausbildungsjahr beträgt die Vergütung 1.490,69 Euro, im zweiten 1.552,69 Euro und im dritten 1.653,38 Euro brutto pro Monat.

 

Die Ausbildung zum ATA öffnet viele verschiedene Karrierewege wie beispielsweise Einsätze in Kliniken, OP-Zentren, Notfallbereichen oder dem Schmerzdienst. Ausgelehrte ATAs haben die Möglichkeit, sich in Bereichen wie unter anderem der Schmerztherapie, der Teamleitung, der Hygiene und der Praxisanleitung weiterzuentwickeln. Außerdem besteht die Möglichkeit im Anschluss ebenfalls die Ausbildung zum Operationstechnischen Assistenten (OTA) verkürzt abzuschließen – oder doch noch Medizin zu studieren.

 

Bewerbungen sind bereits möglich. Informationen dazu sind auf der Website vom Klinikum Oberberg zu finden.

KOMMENTARE

0 von 800 Zeichen
Jeder Nutzer dieser Kommentar-Funktion darf seine Meinung frei äußern, solange er niemanden beleidigt oder beschimpft. Sachlichkeit ist das Gebot. Wenn Sie auf Meinungen treffen, die Ihren Ansichten nicht entsprechen, sehen Sie von persönlichen Angriffen ab. Die Einstellung folgender Inhalte ist nicht zulässig: Inhalte, die vorsätzlich unsachlich oder unwahr sind, Urheberrechte oder sonstige Rechte Dritter verletzen oder verletzen könnten, pornographische, sittenwidrige oder sonstige anstößige Elemente sowie Beschimpfungen, Beleidigungen, die illegale und ethisch-moralisch problematische Inhalte enthalten, Jugendliche gefährden, beeinträchtigen oder nachhaltig schädigen könnten, strafbarer oder verleumderischer Art sind, verfassungsfeindlich oder extremistisch sind oder von verbotenen Gruppierungen stammen.
Links zu fremden Internetseiten werden nicht veröffentlicht. Die Verantwortung für die eingestellten Inhalte sowie mögliche Konsequenzen tragen die User bzw. deren gesetzliche Vertreter selbst. OA kann nicht für den Inhalt der jeweiligen Beiträge verantwortlich gemacht werden. Wir behalten uns vor, Beiträge zu kürzen oder nicht zu veröffentlichen.
WERBUNG