LOKALMIX

Bilder, die Geschichten erzählen

kp; 17.10.2026, 09:30 Uhr
Fotos: Kim Brosien/Vergessene Zeiten und Orte NRW --- Das Foto zeigt einen Lazarettbunker der Sowjets aus Zeiten des Kalten Kriegs. Er befindet sich in Ungarn. Er ist noch voll eingerichtet mit Medikamenten, Liegen oder auch Verbandszeug.
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Bilder, die Geschichten erzählen

kp; 17.10.2026, 09:30 Uhr
Wiehl - Kim Brosien aus Marienhagen hält fotografisch verwunschene Orte, also „Lost Places“, fest.

Von Katja Pohl

 

Wenn Kim Brosien von den Lost Places erzählt, die er im Laufe der vergangenen sieben Jahre fotografisch festgehalten hat, wird schnell seine Leidenschaft spürbar. Der 38-Jährige hat mit Digitalkamera, Handy und einer Drohne in dieser Zeit rund 16 000 Fotos gemacht, und er erinnert sich an praktisch alle Orte, kann zu praktisch jeder Bilderserie Geschichten erzählen.

 

Denn mit dem Finden eines solchen verlorenen Ortes, der meist unter Tage liegt, geht auch eine gründliche Recherche einher, ein Studium von topografischen oder historischen Karten, das Einlesen darüber, was dieser Ort einst für die Region bedeutet hat. „Und ich habe zum Beispiel mit meiner Großmutter über die Zeit des Zweiten Weltkrieges gesprochen. Bunker aus diesen Jahren lassen sich schließlich häufig auch hier in Oberberg entdecken.“ Auch mit Kreis- und Stadtarchiven war er schon in Kontakt. Wichtig sei es, zuvor die Besitzverhältnisse zu klären, bevor man einen Lost Place betritt, betont der Wiehler. Denn ein illegales Betreten von privatem Grund ist natürlich nicht anzuraten und könnte Konsequenzen nach sich ziehen.

[Für Brosien geht es bei seinen Abenteuern auch unter die Erde.]

Rund 12 000 Menschen folgen dem 38-Jährigen inzwischen auf den sozialen Plattformen Facebook und Instagram, schauen sich die Fotos an, erfahren über die dazugestellten Texte, worum es geht. Im Arbeitsleben ist Kim Brosien als Abwassermeister im öffentlichen Dienst im Märkischen Kreis unterwegs. In seiner Freizeit stöbert er Bunker oder Stollen auf, hat im Siegerland auch schon alte Bergwerke fotografiert. „Ich frage mich bei solchen Orten oft, warum sie auf diese Weise hinterlassen wurden, was das für eine Anlage war.“ Denn manchmal liegen Papiere herum, je nach Ort existieren dort noch alte Möbel oder Gerätschaften, einmal gab es sogar detaillierte Patientenakten im Raum eines alten psychiatrischen Krankenhauses. Zusätzlich zu den visuellen Eindrücken, die er mit mehreren starken Taschenlampen in Szene setzt, rieche man die Orte, hat der Wiehler festgestellt: „Bunker oder Bergwerke verströmen jeweils einen ganz charakteristischen Duft.“ Er sagt, dass er unter anderem Fotos macht, um diese Lost Places zu erhalten. Denn auch solche Orte verändern sich natürlich, verfallen weiter oder werden gar mutwillig zerstört. „Ich selbst hinterlasse immer alles so, wie es war. Ich schließe sogar Türen wieder hinter mir.“

[Oben: Brosien hat das Foto in einem Bergwerk im Olper Raum aufgenommen. Die Inschrift der ehemaligen "Hauer" oder auch "Steiger" sei hier verewigt. "Selten, dass man solche Funde macht." Das Bergwerk sei nun voll geflutet und nie wieder begehbar. Unten: Das Foto zeigt eine Szenerie aus einem geschlossenen Bergwerk in Thüringen, viele Kilometer lang und auf mehrere Sohlen verteilt. Hier sei alles inklusive Maschinen oder Bekleidung verblieben - bis heute.]
 

Der Wiehler ist nicht ausschließlich in der Region oder bundesweit unterwegs und geht gelegentlich auch mit Freunden auf Fotoexkursion. Er fotografiert Schlösser in Frankreich, die fast noch bewohnt wirkten, hat sich schon in Stollen in Ungarn gewagt und plant jetzt gerade, in Italien verlorene Plätze zu finden. Allerdings macht er seine Fototouren, die ja durchaus in unwegsames Gebiet führen können, nie ohne Absicherung. Es gibt immer eine Kontaktperson, die weiß, wo er gerade ist, und die ihm mitteilt, wie groß das geplante Zeitfenster für das Fotografieren ist. Ein Zeitfenster, das meist in die Abendstunden hineinreicht, denn diese Zeiten bieten mehr Ruhe. Im Anschluss an das Fotografieren werden die Bilder behutsam bearbeitet. „Ich möchte den Blick des Betrachtenden natürlich lenken, aber mache das sehr zurückhaltend, um nicht durch eine zu starke Bearbeitung die Atmosphäre des Ortes zu zerstören.“ Beigebracht hat der Marienhagener sich den Umgang mit Kamera, Filtern und Bearbeitungsprogrammen selbst.

 

Seit der Corona-Pandemie seien immer mehr Menschen unterwegs, um Lost Places zu fotografieren, hat er beobachtet. Aber es gebe immer noch unentdeckte Plätze – man müsse dafür beim Wandern nur einen Blick für die Hinweise haben. Und den hat Kim Brosien, so dass es auch zukünftig sicherlich noch viele beeindruckende Fotos geben wird.

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