LOKALMIX

Burgenforscher ist Geheimnissen Schloss Homburgs auf der Spur

lw; 08.04.2026, 11:33 Uhr
Fotos: Lars Weber --- Dr. Joachim Zeune erforscht im Auftrag des Oberbergischen Kreises die Geschichte von Schloss Homburg.
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Burgenforscher ist Geheimnissen Schloss Homburgs auf der Spur

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lw; 08.04.2026, 11:33 Uhr
Nümbrecht – Seit November ist der Experte Dr. Joachim Zeune im Wahrzeichen des Kreises unterwegs – 750 Jahre nach der ersten urkundlichen Erwähnung zeigten erste Erkenntnisse: „Die Baugeschichte muss gehörig umgeschrieben werden“.

Von Lars Weber

 

Wenn Dr. Joachim Zeune durch die engen Gänge unter Schloss Homburg läuft, die Treppenstufen erklimmt oder das alte, freigelegte Gemäuer mit seinem fachlichen Blick prüft, hat man das Gefühl, dass das nächste Geheimnis nicht weit sein kann. Und der Burgerforscher Zeune ist da, um Licht ins Dunkel zu bringen. Bundesweit ist der 73-Jährige ein gefragter Mann, wenn es darum geht, sich mit den Bauwerken aus längst vergangenen Zeiten auseinanderzusetzen. Denn mit seinem Büro für Burgenforschung füllt er seit 1995 eine Markt- und Forschungslücke, die zum Thema Burg klaffte. Ein zweites Büro dieser Art gibt es nicht. Und so wundert es nicht, dass auch der Oberbergische Kreis bei ihm im vergangenen Sommer anklopfte. Das erklärte Ziel laut Kulturamtsleiter Steffen Müller für das Saynsche Haus als „Exponat Nummer 1": "Wir möchten die Wissenslücken aus der langen Geschichte des Schlosses schließen."

 

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Tatsächlich war der Anruf des Kreises nicht der Erstkontakt für Zeune mit einem der Wahrzeichen des Oberbergischen Kreises. „Vor längerer Zeit hatte mir ein Bekannter Drohnenfotos von Schloss Homburg geschickt – ich fand es direkt interessant!“ Dementsprechend offen war er für ein Engagement in Nümbrecht, nachdem er sich mit Müller und Dr. Birgit Langhanke, im Kulturamt verantwortlich für die Museumssammlung, zusammengesetzt hatte.

 

Der Auftrag laut Felix Ammann, Kreisdezernent für Bauen, Geoinformation und Kultur: „Zur Klärung der Baugeschichte sind Untersuchungen an den noch bestehenden Gebäudeteilen erforderlich. Sie sollen Auskunft über die zeitliche Abfolge der vielen verschiedenen Bauphasen von Schloss Homburg geben. Die Erkenntnisse darüber sind wiederum im Zusammenhang mit den vorangegangenen Grabungsergebnissen auf dem Schlossgelände zu betrachten.“

 

[Die Forschungsarbeit ist auch Teamwork (v.li.): Ausstellungstechniker Paul Kostial, Burgenforscher Dr. Joachim Zeune, Kulturamtsleiter Steffen Müller, Student Jakob Zeune, Dr. Birgit Langhanke, im Kulturamt verantwortlich für die Museumssammlung, und Celina Morfidis, Volontärin im Kulturamt.]

 

Zur Erinnerung: 1999 wurden bei Ausgrabungen des LVR Fundamente eines großen Wohnturms auf dem oberen Burgplateau entdeckt, datiert etwa auf das Jahr 1100, also lange vor der ersten urkundlichen Erwähnung Schloss Homburgs 1276. Der Fund stellte auch die bisherige Rezeption der Baugeschichte infrage. Schon jetzt kann Zeune sagen: „Die Burg ist definitiv anders gewachsen als bisher dargestellt, die Baugeschichte muss gehörig umgeschrieben werden“.

 

Aktuell ist Zeune wieder ein paar Tage im Oberbergischen und hat im Nebenraum zur Küche - häufig als Aktionsraum bei Ausstellungen genutzt – an einigen Stellen den Putz abgeklopft und das alte Mauerwerk freigelegt. Mit dabei hat er seinen Sohn Jakob, der selbst von Burgen fasziniert ist. Der 22-Jährige studiert Geschichte und Kunstgeschichte in Würzburg. Und in den Semesterferien sammelt er bei den Projekten seines Vaters praktische Erfahrungen – und bringt eine neue, technikaffine Seite in die Arbeit mit ein.

 

Sein Papa erinnert sich noch gut, als ihn das Burgenfieber gepackt hat. „Als ich zehn oder elf Jahre alt war, wurde mir eine Burg geschenkt. Seitdem bin ich mit Burgen und Mittelalter infiziert.“ Im Laufe seiner späteren Studien beschäftigt er sich mit Archäologie, mit Bauforschung und Kunstgeschichte, „das ganze Paket“. Und das interdisziplinäre Arbeiten sei nötig, um gewinnbringend am Objekt Erkenntnisse zu erlangen.

 

Für den Auftrag in Schloss Homburg habe er sich zunächst in seiner Bibliothek eingeschlossen, viel über die Baugeschichte gelesen. „Um es dann erstmal wieder zu vergessen!“ Denn der erste Moment in der Burg selbst, das eigene Entdecken, das sei wichtig und spannend – und sollte nicht von Vorwissen manipuliert werden. „Ich habe mir gleich gedacht, dass wir am Bergfried und beim Westanbau kritische Punkte haben, die wir überprüfen müssen.“

 

[Oben: Alte Karten und neue Erkenntnisse werden zusammengeführt. Unten: Wie der Vater, so der Sohn - Jakob Zeune tritt in die Fußspuren seines Papas und ist genauso von Burgen fasziniert.]

 

Schnell habe eine erste Erkenntnis festgestanden. So widerlegten nach Auffassung Zeunes die Schießscharten für Hakenbüchsen im Westflügel die Theorie, dass dieser aus dem 12./13. Jahrhundert stamme und zum Ursprungsbau der Burg gehöre. Diese Art von Schießscharten weisen stattdessen auf das 15. Jahrhundert hin. Zudem habe eine Schießscharte, die beim jetzigen Bau in die Küche zeige, auf die Spur einer nicht mehr existenten Ringmauer geführt. Sie muss dort gestanden haben, bevor die Küche an Ort und Stelle gerückt ist und die Burg aus dem Westflügel nach außen verteidigt werden musste. „Vielleicht würde man unter der Küche noch Reste finden.“ Eine Ecke dieser Mauer hätte er im Keller ausgemacht.

 

Die aktuelle Spurensuche im Nebenraum zur Küche habe auch mit Fragen zu tun, die dieser Raum bei Zeune sofort aufgeworfen habe. Zum Beispiel die beiden dicken Wände, die dort parallel zueinanderstehen. Häufig deute eine solch dicke Wand auf eine Außenwand hin. Aber warum sind diese beiden Wände dort in dieser Form angeordnet? „Manchmal können wir eine Frage beantworten, aber es tun sich gleich die nächsten auf. Wir müssen uns langsam vorwärts tasten, wie bei einem Puzzle“, beschreiben Zeune und Dr. Birgit Langhanke, die bei der Spurensuche eng zusammenarbeiten. „Sie hat einen tollen Überblick über das Objekt und die Literatur“, sagt Zeune. Außerdem kennt Dr. Langhanke auch die Ansprechpartner im Kreisarchiv oder beim LVR. „Manchmal müssen wir ordentlich wühlen!“, sagt sie.

 

Da Zeune natürlich nicht Schloss Homburg komplett auf links drehen und den ganzen Verputz von den Wänden nehmen kann, sei eine behutsamere Vorgehensweise nötig. Schon die kleinen Putzfenster, die Stellen, wo sein Sohn Jakob und er den Putz vorsichtig abgeklopft haben, gewähren einen Blick auf das darunterliegende Mauerwerk. Dort nimmt der Burgenforscher besonders die Fugen und den Mörtel in Augenschein. Indem er den Mörtel an verschiedenen Stellen miteinander vergleicht, kann er Rückschlüsse auf unterschiedliche oder gleiche Bauphasen schließen. Jede Beobachtung, jedes Detail wird dabei vermerkt und auch das vorhandene Kartenmaterial wenn nötig ergänzt. Jede Erkenntnis soll durch Befunde belegt sein, da stecke auch viel wenig abenteuerliche Büroarbeit hinter.

 

[Fotos: Museumsarchiv --- Oben: Eine Fotografie des Schlosses um 1900. Unten: Die Burgküche, aufgenommen im Jahr 1926. Solche alten Bilddokumente helfen dem Burgenforscher Zeune weiter.]

 

Neben der Arbeit am Mauerwerk seien auch Fotos äußerst wichtig für die Arbeit – wie eine Abbildung des Bergfrieds um 1900. Hier bekommt Zeune einen Blick auf das Mauerwerk ohne Putz. „Hier kann ich nach Fugen suchen. Solche Zeitdokumente sind Goldwert.“ Auch rund um den Bergfried gibt es viele ungeklärte Fragen, gerade auch im Hinblick auf seine Funktion als Treppenturm. So möchte Zeune in den kommenden Wochen der Theorie nachgehen, ob der Bergfried einst der Treppenturm für einen abgebrochenen Südflügel gewesen sein könnte.

 

Die Arbeit Zeunes in Nümbrecht ist zunächst nicht zeitlich begrenzt. Stattdessen soll seine Arbeit dynamisch auch in eine Ausstellung überführt werden, die die Besucher teilhaben lässt an den aktuellen Forschungen. „Wir wollen Forschung lebendig machen“, sagt Dr. Langhanke. Dies alles sei Teil davon, die Sammlungspräsentation ganz neu aufzustellen, sagt Kulturamtsleiter Steffen Müller, der froh ist, die „volle Rückendeckung des Oberbergischen Kreises“ zu haben. Bezahlt werde die Arbeit aus Kreismitteln.

 

Darauf, den Gästen von Schloss Homburg die Ergebnisse präsentieren zu können, freut sich auch Dr. Zeune. „Es ist wichtig, das jedem Besucher verständlich zu machen.“ Ob die Ergebnisse noch im Jubiläumsjahr präsentiert werden können, ist laut Dr. Birgit Langhanke noch nicht raus. Das Konzept, wie die Arbeit Zeunes präsentiert wird, stehe noch nicht. Und wer weiß, welchen Geheimnissen Dr. Zeune auf Schloss Homburg bis dahin noch auf die Spur kommt.

 

Jubiläumsfest für die ganze Familie
 

Vor 750 Jahren wurde Schloss Homburg erstmals urkundlich erwähnt. Seit nunmehr 100 Jahren existiert zudem nun das Museum. Am Sonntag, 13. September, wird das Jubiläumsjahr mit einem großen Museumsfest gefeiert: Musik, Mitmachaktionen, spannende Einblicke in die Geschichte des Museums – ein Tag voller Spaß für Groß und Klein, so kündigt das Kulturamt an. 

 

Natürlich finden auch wieder die beliebten Open-Air-Konzerte auf dem Schlossgelände im Sommer statt. Von Klassik bis Kölsch – hier wird jede Musikliebhaberin und jeder Musikliebhaber fündig.


Die aktuelle Sonderausstellung „Mechanische Tierwelt trifft auf Naturkunde – Eine Fotosafari von Sebastian Köpcke und Volker Weinhold“ in der naturkundlichen Sammlung und im White Cube ist noch bis zum 31. Mai zu sehen.

 

Alle Infos zum Programm auf Schloss Homburg gibt es unter www.schloss-homburg.de.

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