LOKALMIX

Das Blatt hat sich gewendet

ls, Red; 06.11.2026, 11:30 Uhr
Foto: Leif Schmittgen --- Johannes Juszczak (v.li.), Michael Sallmann, Nicolę Jordy und Marcus Otto präsentierten die aktuellen Zahlen.
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Das Blatt hat sich gewendet

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ls, Red; 06.11.2026, 11:30 Uhr
Oberberg – Arbeitsagentur, IHK und Kreishandwerkerschaft stellten gestern die Zahlen zum Ausbildungsmarkt vor - Mehr Bewerber als Stellen.

Das Blatt hat sich offensichtlich gewendet. Die Zahl der freien Ausbildungsstellen ist niedriger als die der Bewerber. Die Zeiten, in denen junge Menschen vor etwa fünf Jahren nach Belieben ihren Beruf wählen konnten, sind vorbei, aber auch die Nachfrage in den einzelnen Branchen hat sich verschoben. Immer mehr nachhaltige Handwerksberufe sind gefragt. Angst, mangelnde Zukunftsaussichten im Beruf wegen Künstlicher Intelligenz (KI) zu haben, macht sich ebenso breit wie die unsicherere wirtschaftliche Lage und die damit einhergehende Bereitschaft von Unternehmen, in die Ausbildung zu investieren.

 

Auf der anderen Seite steige die Zahl der Studienabbrecher wegen mangelnder Zukunftsaussichten nach Abschluss. Auch diese jungen Menschen schauen sich nach einem Ausbildungsplatz um. Diese und weitere Faktoren haben nun zu deutlich veränderten Voraussetzungen für junge Menschen geführt. Die Zahlen präsentierten Nicole Jordy, Geschäftsführerin der Arbeitsagentur, Michael Sallmann, Chef der IHK-Geschäftsstelle Oberberg, Johannes Juszczak, IHK-Leiter Vertragsmanagement und Bildungshotline sowie Marcus Otto, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, in den Räumen der Firma Lukas Erzett in Engelskirchen.

 

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Bundesagentur für Arbeit

 

Im Oberbergischen Kreis prägt die Industrie nach wie vor das wirtschaftliche Geschehen. Hier haben die Arbeitgeber insgesamt 1.542 Berufsausbildungsstellen an die Agentur für Arbeit Bergisch Gladbach gemeldet. Das sind 18 (– 1,2 Prozent) weniger als im Vorjahr (1.560) und 151 Stellen (– 8,9 Prozent) weniger als zum 30. September 2024. Gleichzeitig haben 2026 1.769 Bewerber für eine Ausbildungsstelle die Dienste der Agentur in Anspruch genommen. Das sind 59 (3,5 Prozent) mehr als im Vorjahr. Derzeit gibt es noch 337 unversorgte Bewerber, 27 oder 8,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Parallel dazu sind noch 159 Ausbildungsstellen unbesetzt. 95 oder – 37,4 Prozent weniger als im Vorjahr.

 

„Die Schere geht weiter auseinander“, sagte Nicole Jordy: „Die Zahl der Suchen ist erneut gestiegen.“ Junge Menschen wendeten sich wieder vermehrt der dualen Ausbildung zu und finden eine Alternative zum Studium. Gleichzeitig sei der erneute Rückgang der gemeldeten Ausbildungsstellen besorgniserregend. Ein Grund sei, dass Jugendliche inhaltlich oder örtlich Probleme bei der Suche haben: „Wenn ein Hückeswagener eine passende Stelle in Morsbach findet, wird er diese nicht annehmen“, verdeutlichte Jordy.

 

Übersicht zum Ausbildungsmarkt

 

Kreishandwerkerschaft

 

Insgesamt ist die Zahl der Ausbildungsverträge im Oberbergischen Kreis im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, soweit die gute Nachricht von Marcus Otto. Die schlechte folgte sogleich: „Immer mehr Handwerksbetriebe finden keine Nachfolger und schließen“, so Ottos mittelfristige Prognose. Und das bei steigender Nachfrage. „Weil die Zukunft praktisch ist“, so Otto, setzen viele junge Menschen auf Sicherheit und wählen einen Handwerksberuf, um vor unvorhersehbaren technischen Entwicklungen im Job vorzubeugen. Denn in vielen anderen Jobs könnte ihr Know-how ersetzt werden, so zumindest die Befürchtung. Ungewissheit mache sich deshalb bei der jungen Generation breit.

 

Bei den Ausbildungsberufen, die sich mit Zukunftsaufgaben wie Klimaschutz und Energiewende beschäftigen, zeigt sich ein gemischtes Bild: Berufe wie Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Zimmerer und Elektroniker stehen bei den jungen Leuten in diesem Jahr hoch im Kurs: „Hier sind die Zahlen im Vergleich zum Vorjahr zum Teil sehr deutlich gestiegen“, so Otto. Gleichbleibend bzw. mit einem leichten Trend nach oben sind die Zahlen bei den Dachdeckern, den Maurern sowie bei den Zweiradmechatronikern.

 

Zu den Gewinnern im Oberbergischen gehören in diesem Jahr die Kraftfahrzeugmechatroniker, die ein sattes Plus verzeichneten. Die Zahlen im Nahrungsmittelhandwerk könnten unterschiedlicher nicht sein, erläuterte der Geschäftsführer. Haben sich in diesem Jahr weniger junge Menschen für eine Ausbildung im Fleischerhandwerk entschieden, sind es im Bäckerhandwerk mehr. Wohingegen es bei den Fachverkäufern genau gegenläufig ist: Weniger Ausbildungsverträge gibt es bei den Bäckerei-, mehr bei den Fleischerei-Fachverkäufern.

 

Ein deutliches Minus bei der Zahl der neuen Ausbildungsverträge ist vor allem festzustellen bei den Metallbauern, den Malern und Lackierern, den Fliesen-, Platten- und Mosaiklegern und den Friseuren. Laut Otto sei dies noch kein Grund zur Sorge. Eine solche wellenartige Zu- und Abnahme mache deutlich, dass nicht jeder Ausbildungsbetrieb jedes Jahr neue Ausbildungsplätze anbieten könne, sondern eben nur alle zwei bis drei Jahre.

 

IHK

 

Im Oberbergischen Kreis ist die Zahl der neuen Ausbildungsverträge in den IHK-Berufen erneut gesunken. Zum Stichtag 30. September 2026 waren bei der IHK Köln 829 neue Verträge registriert – 98 oder 10,6 Prozent weniger als im Vorjahr. In den kaufmännischen Berufen wurden 501 neue Ausbildungsverträge registriert. Das sind 55 Verträge oder 9,9 Prozent weniger als im Vorjahr. In den gewerblichen und technischen Berufen fiel der Rückgang etwas stärker aus: Hier wurden 328 neue Verträge eingetragen – 43 oder 11,6 Prozent weniger als 2025. Die immer noch schwache Auftragslage, geringe Investitionen und zurückhaltende Personalplanungen bei vielen oberbergischen Industriebetrieben können an den starken Rückgängen bei den neuen Ausbildungsverträgen bei den Maschinen- und Anlagenführern, Industrie- und Zerspanungsmechanikern und Industriekaufleuten abgelesen werden.

 

„Der starke Rückgang in der Industrie beschäftigt uns. Gerade die Industrie in Oberberg ist auf gut ausgebildete Fachkräfte angewiesen“, warb Michael Sallmann für mehr Investitionsbereitschaft.  Wenn heute weniger junge Menschen eine Ausbildung begännen, fehlten den Unternehmen laut Sallmann morgen die Fachkräfte, die sie für ihre weitere Entwicklung, neue Technologien und die Sicherung ihrer Wettbewerbsfähigkeit benötigen.

 

Gründe für den Rückgang machte Sallmann bei der schwachen Wirtschaft und den unsicheren Aussichten – Stichwort KI: Unternehmen planten bei Einstellungen und Ausbildung deswegen vorsichtiger. Gleichzeitig finden Betriebe und junge Menschen häufig nicht rechtzeitig zusammen – obwohl auf beiden Seiten Interesse bestehe. „Bis zum Jahresende aber ist der Einstieg noch möglich", warb Johannes Juszczak dafür, sich noch bei der IHK zu melden.

 

Die Ausbildungsberatung der IHK Köln ist unter passgenau@koeln.ihk.de sowie unter Tel.: 0221/16 40 66 50 erreichbar.

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